Wirtschaft

Schäden in Milliardenhöhe entstehen jedes Jahr in Deutschland, weil Angriffe aus dem Netz nicht oder viel zu spät bemerkt werden. Eine neue ostbayerische Forschungsallianz will das ändern. (Foto: obx-news)

26.08.2016

Cyberkriminelle mit digitaler Spurensicherung stellen

Ein bundesweit einmaliges Forschungs-Expertennetzwerk in Ostbayern will Internetkriminellen das Handwerk legen

Das Internet ist ein gefährliches Pflaster geworden: Seit Jahren steigt die Zahl der Cyberkriminellen sprunghaft an. Rund 15 Millionen Fälle von Computer- und Internetkriminalität gab es bundesweit im vergangenen Jahr, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Der Schaden durch Hackerangriffe, den der Diebstahl vertraulicher Daten, Computerviren, Trojaner und andere zerstörerischer Eindringlinge verursachen, beziffert das Bundeskriminalamt auf etwa 1,6 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.

Rund 60 Milliarden Euro Schaden pro Jahr


Das entspricht pro Jahr rund 60 Milliarden Euro. Sekündlich gibt es mittlerweile Hacker-Angriffe, bei dem oft hochbrisante Daten gestohlen werden. Düstere Perspektiven für die Internetsicherheit der Zukunft? In Ostbayern will es sich ein bundesweit einzigartiges Forschungs- und Expertennetzwerk zur Aufgabe machen, den Internetkriminellen das Handwerk zu legen. Rund 2,4 Millionen Euro erhält das Projekt mit dem Namen „Dingfest“, koordiniert von der Universität Regensburg, dafür in den kommenden drei Jahren vom Bundesforschungsministerium.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Internetbetrüger keine großen Schlagzeilen machen: professionell organisierter Handel mit vertraulichen Kundendaten, Millionenschäden durch gehackte Internetseiten wie zuletzt des Deutschen Bundestages, geplünderte Konten durch ausgespähte Bankdaten. Die Nutzer stehen den virtuellen Angriffen oft machtlos gegenüber. Cyberkriminalität breitet sich immer weiter aus, da der Austausch von Geld und Daten im Internet ein verlockendes Ziel für Übeltäter darstellt.

Regensburger IT-Forscher wollen jetzt Werkzeuge entwickeln, die digitale Angriffe frühzeitig erkennen, digitale Beweismittel sichern und IT-Sicherheitsvorfälle melden. „Das ist die Kernaufgabe des neuen Projekts“, sagt Günther Pernul, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Uni Regensburg. Er leitet das Verbundprojekt, an dem neben der Regensburger Hochschule die Universität Passau, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und vier Unternehmen aus Regensburg und Passau beteiligt sind.

Systeme absichern


„Eine Absicherung der IT-Systeme gegen Cyberangriffe und Cyberspionage ist für Wirtschaft und Gesellschaft entscheidend, um die Fortschritte und Chancen der Digitalisierung auch künftig nutzen zu können“, sagt Professor Pernul. Die Forscher wollen nach seinen Worten neue Verfahren entwickeln, um einerseits mit innovativen IT-forensischen Aufklärungsmethoden Angriffsszenarien untersuchen und verstehen zu können.

Andererseits sollen mit diesen Erkenntnissen Möglichkeiten geschaffen werden, um solche Angriffe schon im Vorfeld und in Echtzeit erkennen und verhindern zu können. So widmen sich die verschiedenen Projektpartner der Entdeckung schädlicher Systemzustände, der forensischen Analyse digitaler Spuren und der vertrauensvollen und pseudonymisierten Meldung von Sicherheitsvorfällen.

„Werkzeugkasten“ für mehr IT-Sicherheit entwickeln


Die Wissenschaftler wollen auch eine Art „Werkzeugkasten“ für mehr IT-Sicherheit entwickeln, vom dem besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren sollen. „Die einzelnen Module werden mit offenen Schnittstellen ausgestattet, die Dritte an eigene Anforderungen anpassen können“, sagt Wirtschaftsinformatiker Pernul. Unternehmen könnten den quellenoffenen (Open Source) Software-Demonstrator nutzen und als Startpunkt für eigene Produktentwicklungen und Dienstleistungen verwenden.

Neben technischen Details beleuchtet das Projekt bis 2019 auch die organisatorischen, juristischen und datenschutzrechtlichen Fragen von IT-Angriffen. „Die große Innovationskraft des neuen Verbundvorhabens liegt in einer solchen Entwicklung zentraler Module zur Erkennung und Analyse von Sicherheitsvorfällen und ihrer Meldung“, so Professor Pernul.
(obx)

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