Wirtschaft

Talkrunde (von links) mit Sparkassenverbandspräsident Matthias Dießl, Karolin Schriever (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des DSGV) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - moderiert von Corinna Wohlfeil. (Foto: Sparkassenverband Bayern)

04.07.2024

Transformation in eine Heimat mit Zukunft

Die Sparkassen als Ökosystem

„Wir wissen dabei, dass Erfolge aus der Vergangenheit sich nicht automatisch in die Zukunft verlängern lassen. Deshalb gestalten wir den Weg dahin aktiv mit unserer Geschäftsstrategie. Wir zeigen, dass wir verstanden haben, worauf es gerade in diesen Zeiten ankommt“, erklärte Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, heute anlässlich des 98. Bayerischen Sparkassentags in Straubing, zu dem rund 470 Gäste aus Sparkassen, Trägerkommunen, Politik und Gesellschaft zusammenkommen. „In dieser komplexen und hochvolatilen Welt brauchen unsere Kundinnen und Kunden zuverlässige und kompetente Berater und Begleiter in den entscheidenden Fragen ihrer persönlichen finanziellen Lebensplanung. Denn es geht um viel mehr als ums Sparen: Einen klaren Plan, Finanzbildung, Entscheidungskompetenz. Die Sparkassen und die Menschen, die hier arbeiten, machen den entscheidenden Unterschied.“ Dießl verspricht sich dabei auch weiterhin Unterstützung von der Staatsregierung für die Sache der öffentlich-rechtlichen Sparkassen und damit für alle Regionen des Freistaats, so auch sein Appell an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder als den wichtigsten Gast des diesjährigen Sparkassentags. 

Die bayerischen Sparkassen warfen heute in Straubing den Blick in eine positive Zukunft und rückten die Voraussetzungen für ein langfristig erfolgreiches Arbeiten in den Regionen des Freistaats in den Mittelpunkt. Die Keynotes des Kongresses beleuchteten daher zum einen die Mitarbeiterzufriedenheit in Unternehmen und zum anderen die Bedingungen für eine grundsätzlich stabile Gesellschaft.

Caroline von Kretschmann, Geschäftsführende Gesellschafterin des 5-Sterne-Hotels „Europäischer Hof Heidelberg" sieht den achtsamen Umgang mit Mitarbeitenden als Schlüssel zur Kundenzufriedenheit und damit zum Erfolg, denn nur ein engagiertes Team in einer empathischen und werteorientierten Unternehmenskultur könne zugewandt und hervorragend beraten und betreuen. „Das Kundenerlebnis kann aus meiner Sicht nie besser sein als das Mitarbeitererlebnis. Führung spielt hierbei eine entscheidende Rolle, indem sie Rahmenbedingungen schafft, dass Mitarbeitende Freude an ihrem Tun empfinden, ihr Potenzial entfalten und im Ergebnis auch die Kunden begeistern“, sagt von Kretschmann.

Überaus angespannte Zeiten

Als Grundlage dafür stellte Florence Gaub, Politikwissenschaftlerin, Militärstrategin und Zukunftsforscherin bei der NATO vor, was stabile Gesellschaften ausmacht. Denn in einer Zeit sehr vieler gleichzeitiger Herausforderungen für unsere Gemeinschaft steigt die Konkurrenz um unsere begrenzten Ressourcen. Wie viel Kompromiss sein muss, welche Zwischenlösungen, Investitionen und Umstellungen auf dem Weg in eine gute Zukunft notwendig sein dürften, zeigte ihre Keynote, die auch den Rahmen für die bayerischen Sparkassen absteckt. Gaub sagt: „Natürlich leben wir in überaus angespannten Zeiten. Aber wir dürfen vor lauter Angst und Sorge nicht in eine Schockstarre verfallen. Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.“

Der Bayerische Sparkassentag 2024 lebte auch wieder vom Gespräch der Sparkassen mit der Politik und den Menschen: Im Talk mit dem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder stellten Karolin Schriever, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands und Expertin für Regulierungsfragen, und Matthias Dießl, dar, wie bestimmend sich die europäische Bankenregulierung für die Arbeit der 58 regionalen bayerischen Sparkassen auswirkt. Schriever: „140 Mandate und über 250 Richtlinien im aktuellen Bankenpaket sind zu viel. Es braucht eine regulatorische Pause, in der das erreichte überprüft wird. Nur mit der nötigen Proportionalität gelingt es, die Vielfalt der Finanzwirtschaft in Europa zu stärken, damit sie weiterhin kraftvoll und passgenau Unternehmen bei der digitalen und ökologischen Transformation unterstützen kann.“  Dießl flankierte: „Es ist bezeichnend, dass sich aktuell die Deutsche Bundesbank von Mitarbeiterkonten trennt – mit der Begründung, der regulatorische Aufwand für die Führung der Konten sei zu hoch. Auch den bayerischen Sparkassen fordert die Regulatorik immer noch eine ganze Menge Zeit, Ressourcen, Personal und Geld ab, das sie lieber in die Gestaltung ihrer Kundenbeziehungen investieren würden.“

Sparkassen brauchen keine Nachhilfe

Dießl wandte sich auch in seiner Grundsatzrede an die Bundes- und Europapolitik. Sparkassen bräuchten keine Nachhilfe in Verantwortung, Kundennähe und Vertrauen über die Regulierung. Auch die wiederholten Anläufe für eine zentralisierte europäische Einlagensicherung seien kontraproduktiv für die Sicherheit und Stabilität des einzigartigen Institutssicherungssystems, das Sparkassen wie Genossenschaftsbanken stark, stabil und erfolgreich macht und damit auch Europa stabilisiere und den Erfolg der Heimat Bayern stütze. Dazu gehöre auch, dass die Sparkassen als Spiegel der Gesellschaft achtsam für deren Veränderungen seien. Denn „nicht nur die Zukunft unserer Gesellschaft ist bunt, divers, international. Auch die Gegenwart ist es schon. Und das ist gut so. Wir haben aber nur dann eine Zukunft, wenn wir bei Einstellungen, Ausbildungen, Fortbildungen, Qualifizierungen und Beförderungen darauf achten.“ Dabei sei auch klar: “Es muss mehr Frauen in den Führungspositionen der bayerischen Sparkassen geben. 2030 wird deshalb in jeder bayerischen Sparkasse mindestens eine Frau als stellvertretende Vorständin sitzen!“ In Zeiten der Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft sei es mehr denn je die verantwortungsvolle Aufgabe der Sparkassen, „mit allen Köpfen am Ball zu bleiben“. Denn, so resümierte Dießl: Die Sparkassen leisten einen wesentlichen Beitrag für die Transformation in eine Heimat, die Zukunft hat. Dazu brauchen wir Leistungsträger aus allen Gruppen der Gesellschaft.“

Zu ihren Erwartungen an die Arbeitswelt der Zukunft in den Sparkassen diskutierte schließlich der Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern, Stefan Proßer, mit 7 jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus bayerischen Sparkassen. Auch sie lassen sich vom Motto des Bayerischen Sparkassentags leiten: Um stabil zu bleiben, wollen sie durch eine ausgeglichene work-life-balance achtsam mit sich selbst umgehen statt in burn-outs zu rutschen und verantwortungsvoll den Wissenstransfer von älteren Kollegen mitgestalten. Dass die jungen Leute hervorragende Entwicklungschancen bei den bayerischen Sparkassen erwarten, gab Proßer im Talk preis: „75 Prozent der heutigen Sparkassenvorstände und -vorständinnen haben ihre Karriere mit einer Ausbildung in einer Sparkasse gestartet.“

Dießl und die Kongress-Besucher schlossen den Bayerischen Sparkassentag 2024 mit der festen Überzeugung, dass die Sparkassen gemeinsam mit ihren Verbundpartnern in der Sparkassen-Finanzgruppe, den Kommunen und dem Freistaat so viele Kompetenzen zusammenlegen, dass sie als kraftvolles „Ökosystem der Finanz-Kompetenz“ wirken und die Transformation der Wirtschaft und der Gesellschaft in Bayern kraftvoll mitgestalten. Dießl bekräftigte: „Wir sind ‚das‘ Ökosystem für die Transformation in eine Heimat, die Zukunft hat!“
(BSZ)

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