Wirtschaft

Deutschlands Bischöfe fahren gern in PS-starken Luxuslimousinen vor. Papst Franziskus dagegen benutzt einen gebrauchten Fiat. (Foto: dpa/Friso Gentsch)

26.11.2021

Klimaschädlich unterwegs im Auftrag des Herrn

Eine Studie der Deutschen Umwelthilfe enthüllt: Die meisten Bischöfe fahren nicht eben umweltfreundliche Dienstwagen – ganz besonders die bayerischen

Die ökologische Bewahrung der Schöpfung sei nicht nur eine Aufgabe für Politiker, sondern auch für die Kirchen. Das betonen die ranghohen Geistlichen gern und häufig bei ihren öffentlichen Stellungnahmen. In Sachen mobilisierter Fortbewegung freilich besteht da bei den meisten Bischöfen noch Verbesserungsbedarf, wie jetzt eine aktuelle Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) enthüllt.

Einige der kirchlichen Würdenträger*innen fahren aus Sicht des Umweltschutzverbands wahre CO2-Schleudern. Doch es gibt auch vorbildliche Vertreter, die komplett frei von Kohlendioxid unterwegs sind – wie beispielsweise Kristina Kühnbaum-Schmidt, die evangelische Landesbischöfin der Nordkirche. Sie fährt einen Audi e-tron 55 (Baujahr 2020) – also ein Elektroauto –, und verursacht damit einen vergleichsweise niedrigen sogenannten realen CO2-Ausstoß von 90 Gramm je Kilometer. „Doch von den 47 abgefragten Fahrzeugen halten nur drei den CO2-Flottengrenzwert von 95 g/km auf der Straße tatsächlich ein. Durchschnittlich stoßen die Dienstwagen im Realbetrieb 190 g CO2/km aus“, erläutert Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe.

Ein wesentlicher Grund für das schlechte Ergebnis seien sogenannte Plug-in-Hybride. Rund ein Drittel der Befragten fahre ein solches Auto, das im realen Fahrbetrieb deutlich mehr CO2 ausstößt als vom Hersteller angegeben. „Die kirchlichen Würdenträgerinnen und Würdenträger haben die Dringlichkeit für mehr Klimaschutz offenbar noch immer nicht verstanden“, kritisiert Metz. Die Landeskirchen und Bistümer müssen spritsparende und emissionsarme Antriebsarten bei ihren Dienstwagen verpflichtend vorgeben. Die Kirchenoberhäupter können damit ein glaubhaftes Zeichen für mehr Klimaschutz setzen, findet die DUH-Vize.

Der schlimmste Umweltsünder ist ausgerechnet der ranghöchste – zumindest bei den Katholiken: der Limburger Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Kutschieren lässt sich Exzellenz mit einem Audi A8 TDI quattro – obendrein auch noch ein Diesel – und stößt damit 258 Gramm Kohlendioxid je Kilometer aus.


Protestanten etwas ökologischer als Katholiken


Überhaupt fällt bei der Studie der Deutschen Umwelthilfe auf: Die katholischen Bischöfe zeigen bei der Wahl des Dienstfahrzeugs insgesamt etwas weniger Umweltbewusstsein als ihre evangelischen Amtskolleg*innen. Gleich sechs der sieben bayerische Diözesanbischöfe erhielten für ihren Pkw die sogenannte Rote Karte – das heißt, ihre Wagen stoßen je gefahrenem Kilometer mehr als 114 Gramm Kohlendioxid aus: Gregor Maria Hanke (Eichstätt, 137 Gramm), Stefan Oster (Passau, 155 Gramm), Franz Jung (Würzburg, 166 Gramm), Ludwig Schick (Bamberg, 172 Gramm), Bertram Meier (Augsburg, 225 Gramm) und als SpitzenreiterReinhard Kardinal Marx, (München-Freising, 251 Gramm). Der als erzkonservative geltende Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer wiederum verweigerte der Umwelthilfe gleich ganz die Auskunft. Aber auch der evangelische Landesbischof von Bayern, Heinrich Bedford-Strohm pulvert mit seinem BMW 745 Le xDrive stolze 241 Gramm Kohlendioxid je gefahrenem Kilometer in die Atmosphäre.


Verweis auf zahlreiche Fahrten mit der Bahn


Die Staatszeitung bat die Bischöfe um eine Stellungnahme. Über seine Sprecherin Regina Greck ließ etwa Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke ausrichten, er nutze „sowohl für weitere Strecken als auch im Regionalbereich aus ökologischen Gründen viel die Bahn. Eine alleinige Betrachtung des Dienstwagens aus dem diözesanen Fuhrpark ist deshalb eine verkürzte Perspektive“. Außerdem sei zu berücksichtigen, „dass der gesamte Fuhrpark der Diözese in Eichstätt überwiegend erneuerbares Biomethan tankt, über die regionalen Stadtwerke bezogen“. Im Zuge der Klimaoffensive 2030 Plus prüfe die Diözese, bis wann sie klimaneutral werden kann, so die Sprecherin. „Dabei wird auch ein nachhaltiges Mobilitätskonzept eine Rolle spielen, bei dem ein Baustein auch die Betrachtung der Dienstwägen sein wird.“

Ähnlich argumentierten auf Nachfrage auch Hankes Brüder in Christo, Ludwig Schick aus Bamberg und Stefan Oster aus Passau. Zusätzlich verweist Osters Sprecherin Susanne Schmidt noch darauf, dass dessen VW Passat Hybrid in der Vergangenheit durchaus die Grüne Karte erhalten habe. Wegen einer Änderung der Richtlinien der Umwelthilfe sei dies jedoch nicht mehr der Fall. „Aufgrund der langen Reisen, die teilweise anfallen, ist es jedoch aktuell nicht möglich, auf ein reines Elektroauto umzusteigen“, so die Sprecherin. Von den übrigen angefragten bayerischen Bischöfen mochte sich bis Redaktionsschluss keiner äußern.

Merkwürdig: Denn immerhin sind Bischöfe im Freistaat Beamten gleichgestellt und werden vom Staat bezahlt – und zwar in der Besoldungsgruppe B10, was einem Ministerialdirektor entspricht; also rund 13 000 Euro brutto im Monat. Ökologische Weisungsbefugnis gegenüber den Geistlichen Staatsdienern scheint man im Umweltministerium daraus aber nicht abzuleiten. In der Bitte um eine Stellungnahme verweist man im Haus von Ressortchef Thorsten Glauber (FW) nur darauf, dass die Bistümer ja Mitglieder der Klimaallianz sind.


Papst Franziskus reicht ein gebrauchter Fiat


Die Deutsche Umwelthilfe hat bei ihrer Bewertung Karten in drei Farben an die Bischöfe verteilt: Grün gibt es bis 95 Gramm CO2 je Kilometer, bis 115 Gramm gibt es eine gelbe Karte und darüber eine rote Karte. Grüne Karten gab es freilich nur drei beim Test – sämtlich für reine Elektrofahrzeuge. Wobei die gelbe Karte nicht vergeben wurde, aber 44 mal die rote.

Die Bewegung Christians for Future fordert inzwischen, dass sich Landeskirchen und Bistümer das Ziel setzen, bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen. Haushaltsplanungen und Investitionsentscheidungen sollten daran ausgerichtet werden. „Da wäre die Wahl eines klimaschonenderen Dienstwagens ein konsequenter Schritt“, befindet DUH-Expertin Dorothee Saar. „Die Kirchenoberhäupter dürfen sich nicht länger von vermeintlich sparsamen Plug-in-Hybriden blenden lassen. Sie sind nur auf dem Papier klimafreundlich. Effiziente Elektrofahrzeuge hingegen können eine klimafreundliche Alternative zu spritdurstigen Plug-in-Hybriden sein.“

Während seine Bischöfe noch an ihren PS-lastigen Luxuslimousinen festhalten, hat Papst Franziskus schon länger umgesteuert. Das für seine anspruchslose Lebensführung bekannte Kirchenoberhaupt lässt sich in einem gebrauchten Fiat kutschieren. (André Paul)

 

 

 

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