Wirtschaft

Hopfengartenidylle im Sonnenuntergang: Untergegangen sind auch immense Gelder des Hopfenrings. (Foto: dpa/Felix Kästle)

22.01.2021

Was geschah mit dem Geld der Bauern?

Der Hopfenring verlor etwa 400.000 Euro mit einer dubiosen Anlage

Für die ehemalige Führungsriege des Hopfenrings aus Wolnzach (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) beginnt das vergangene Jahr mit einer erfreulichen Botschaft. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt stellt ihre Ermittlungen wegen Untreue gegen die ehemaligen Hopfenbosse ein. Ludwig Hörmansperger und Johann Kreitmeier sollten als Spitze des Hopfenrings eigentlich über die Qualität der Ernte wachen und die Bauern beraten. Dafür erhält der Verein jährlich Fördermittel vom bayerischen Landwirtschaftsministerium.

2017 verspielte der Hopfenring sein Renommee. Geschäftsführer Hörmansperger und Vereinsvorsitzender Kreitmeier hatten über mehrere Jahre etwa 400.000 Euro in Anleihen eines Unternehmens namens CAC Finanz aus Egweil (Landkreis Eichstätt) gepumpt. Diese Aktiengesellschaft ging im November 2017 pleite. Der Verein der Hopfenbauern verlor fast sein gesamtes eingesetztes Kapital. In der Hallertau entbrannte die Wut. Viele der etwa 1500 Mitglieder des Rings empörten sich über die beiden Chefs ihres Vereins, sie fühlten sich hintergangen. Die Staatsanwaltschaft konnte Hörmansperger und Kreitmeier jedoch nicht nachweisen, dass sie das Geld des Ringes vorsätzlich vergeudet hatten.

Opfer eines mutmaßlichen Betrügers

Die Hopfen-Affäre endet damit aber nicht. Der Verein könnte Opfer eines mutmaßlichen Betrügers geworden sein. Die Justiz nimmt den Finanzexperten Christian A. ins Visier, dem der Hopfenring Vermögen anvertraute. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen den Unternehmer A. wegen des Verdachts auf Anlagebetrug. A. arbeitete als Vorstand bei der insolventen CAC Finanz AG. Der Unternehmer aus dem Landkreis Eichstätt betreute die Anleger der Firma, unter anderem den Hopfenring. Mehrere Dutzend Kunden vertrauten Christian A. ihr Erspartes an. In der Insolvenztabelle der CAC Finanz finden sich Forderungen von etwa fünf Millionen Euro, dem steht eine Insolvenzmasse von nur einer knappen viertel Million Euro entgegen. Das meiste Geld ist vermutlich futsch. Viele Anleger fühlen sich von Christian A. betrogen. A. bestreitet sämtliche Vorwürfe. Vielmehr habe er selbst eine Menge Geld bei der Pleite seiner Firma verloren. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Vieles, was Christian A. tat, wirft Fragen auf. Innerhalb der CAC Finanz fanden offenbar merkwürdige Transaktionen statt. Beträge auf dem Firmenkonto der Aktiengesellschaft kamen wohl A.s privatem Geldbeutel zugute. Ging eine Zahlung auf das Konto des Unternehmens ein, wanderte das Geld nach kurzer Zeit offenbar weiter zu Christian A. Wollte ein Anleger sein Kapital von der CAC Finanz wiederhaben, überwies A. mutmaßlich die entsprechende Summe auf das Konto seiner Firma. Christian A. soll so finanzielle Löcher bei der CAC Finanz mit seinem eigenen Geld oder dem Vermögen anderer ihm nahestehender Unternehmen gestopft haben. „Ich möchte sagen, dass das Ganze meines Erachtens wie ein Schneeballsystem aussieht“, sagte der Insolvenzverwalter der CAC Finanz, Joachim Exner, im Februar 2020 vor Gericht. Ein solches System basiert im Kern auf Betrug. Gelder neuer Kunden sorgen für die Rendite alter Anleger.

So glaubwürdig wie Donald Trump

Christian A. sagt, er habe weder im juristischen noch im „landläufigen Sinne“ betrogen. Die CAC Finanz habe vielmehr ein seriöses Geschäftsmodell verfolgt. Die Glaubwürdigkeit des Insolvenzverwalters vergleicht A. mit der Donald Trumps. Seinen Verdacht konnte Insolvenzverwalter Exner vor einem Jahr tatsächlich nicht vollends bestätigen. Dem Juristen fehlten die Unterlagen. Die Dokumente lagen bei der Polizei und Staatsanwaltschaft.

Wohin flossen die ungefähr fünf Millionen Euro, die der Hopfenring und andere Gläubiger Christian A. anvertrauten? Viel Anlegergeld versickerte offenbar in Christian A.s verzweigtem Firmengeflecht. A. arbeitete nicht nur als Vorstand der CAC Finanz AG. Er verdingte sich zudem als Geschäftsführer eines Fitnessstudios und fungiert als Vorstand mehrerer Waschanlagen.

Mit seinem Vermögen beteiligte sich A. an weiteren Unternehmen. A. agierte offenbar geschickt. Er sammelte mittels der CAC Finanz von Anlegern Geld ein, das dann an seine eigenen Firmen weiterfloss. Beispielsweise pumpte die CAC Finanz 2016 eine halbe Million Euro in das Restaurant Paf’s in Pfaffenhofen. A. arbeitete als Geschäftsführer des Lokals, das seinen Gästen Milchkalb-Medaillons und Tatar vom Allgäuer Rinderfilet servierte. Insgesamt lieh die CAC Finanz dem Restaurant wohl mindestens 800.000 Euro.

Einblick in dubiose Geschäfte

Das Paf’s meldete 2017 ebenfalls Insolvenz an. Vom investierten Kapital werden viele Gläubiger vermutlich nahezu nichts wiedersehen. Ähnlich agierte Christian A. mutmaßlich bei der Phobe AG. Die Aktiengesellschaft diente offiziell dem „Halten und Verwalten eigener Immobilien“. A. fungierte als Vorstand der Firma. Die CAC Finanz investierte mehr als 450.000 Euro in Anleihen der Phobe und kaufte zudem Aktien der Gesellschaft im Wert von 180.000 Euro. Die Phobe AG ging zeitgleich mit der CAC Finanz in die Insolvenz. Von den etwa 450.000 Euro, die mutmaßlich an die Phobe flossen, konnte man nicht einmal mehr 100.000 Euro retten. Die Aktien besitzen heute keinerlei Wert. Die letzte Bilanz der CAC Finanz vor der Insolvenz gewährt Einblicke in A.s dubiose Geschäfte. Im Anlagevermögen tauchen nahezu ausschließlich Unternehmen auf, bei denen A. selbst mitmischte. Neben dem Restaurant Paf’s und der Immobiliengesellschaft Phobe finden sich auch eine Filmproduktion und die Waschanlage Waschbär. A. sagt, die Investitionen in seine eigenen Unternehmen seien in vielen Fällen für die Anleger super gelaufen. Demnach habe man millionenschwere Anleihen „hochverzinst“ und „vertragsgemäß“ zurückbezahlt.

Christian A.s Unternehmungen beschäftigen die Ingolstädter Kriminalpolizei seit beinahe drei Jahren. Die Behörde führt zusammen mit der Staatsanwaltschaft in München Ermittlungen im Fall A. April 2020, Corona-Lockdown: Ein Kriminalpolizist kontaktiert Anleger der CAC Finanz. Er übersendet einen Fragenkatalog mit 16 Punkten. Der Beamte will unter anderem wissen, was A. den Geldgebern als Ertrag ihres Investments versprach, wie die Anleger von A.s Geschäften erfuhren und ob ihr Geld bar oder per Überweisung an die Finanz AG floss. Die Antworten der Zeugen zeigen, wie A. mutmaßlich betrogen haben könnte. Demnach soll Christian A. seinen Geldgebern Risiken wohl verschwiegen haben. A. habe stattdessen vielmehr von absolut sicheren Anlagen geschwärmt. Einer Anlegerin soll A. beispielsweise erzählt haben, ihr Geld sei „zu 100 Prozent sicher“. Andere Geldgeber berichten von ähnlichen Aussagen. Eine schriftliche Risikoaufklärung wollen mehrere Anleger zudem nie erhalten haben. Christian A. sieht das anders. „Alle Kunden haben eine Risikoaufklärung erhalten“, teilt er mit. Das Schriftstück sei an alle Kunden bei ihrer ersten Anlage übersandt worden, sagt A. Die meisten Anleger hätten sich außerdem kaum für Risiken interessiert.

Querfinanziert?

Was aber wussten die Anleger von A.s Firmengeflecht sowie A.s Methode, diese über die CAC Finanz querzufinanzieren? Wohl ziemlich wenig, wenn man den Aussagen der Zeugen gegenüber der Kriminalpolizei Glauben schenken mag. A. soll seinen Kunden demnach ebenfalls nicht offengelegt haben, dass er Geld an seine eigenen Firmen weiterschob. „Alle Beteiligungen waren immer auf der Webseite des Unternehmens unter der Rubrik ,Beteiligungen’ veröffentlicht“, rechtfertigt sich Christian A. Viele Anleger hätten erst aus diesem Grund investiert.

A.s Geschäfte liefen jahrelang. Die CAC Finanz florierte, die Anleger erhielten regelmäßig Zinsen. 2016 verdüstert sich das Bild. Die „dauerhaft niedrigen Zinsen“ belasten die Ertragslage. Ein Jahr später: Die CAC Finanz hat nun „massive Probleme bei der Einwerbung von Anlagebeträgen“, wie es in einem internen Papier heißt. Im November ist die Firma pleite.

Vorzeitigen Rückkauf vereinbart

Christian A. nutzte wohl die Zeit vor der Insolvenz für ein ungewöhnliches Geschäft. Im Juni 2017 schloss er einen Vertrag zwischen der CAC Finanz und ihm selbst als Privatperson. Gegenstand der Vereinbarung war der „vorzeitige Rückkauf“ von Anleihen „des Typs CAC0DL“. Die CAC Finanz hatte etwa 3,7 Millionen Euro in 3681 Stück dieser Anleihe investiert. Wem vertraute die Firma und deren Vorstand Christian A. so viel Geld an? Es war Christian A. selbst, er hatte die Anleihe als Privatperson herausgegeben. Das Unternehmen CAC Finanz mit dem Vorstand A. lieh der Privatperson A. also fast vier Millionen Euro. A. sagt, er habe nicht als Vorstand des Unternehmens fungiert, als die CAC Finanz seine Anleihe kaufte. Zudem habe er auf Nachfrage alle Anleger über dieses Geschäftsverhältnis informiert.

Eigentlich sollte die Anleihe CAC0DL bis ins Jahr 2030 laufen. A. wollte das Verhältnis aber offenbar frühzeitig beenden. Er schlug seiner Firma deshalb einen Deal vor. Die CAC Finanz gibt die gekauften Anleihen an die Privatperson A. zurück und erlässt A. somit seine Schulden. Im Gegenzug erhält das Unternehmen diverse Vermögenswerte als Bezahlung. A. verkaufte seiner Firma unter anderem Aktien der Phobe AG sowie Anleihen der Paf’s GmbH. Beide Unternehmen finden sich in A.s Firmengeflecht. Des Weiteren verpflichtete sich A., 150 000 Euro in Raten zu zahlen und überließ der CAC Finanz zwölf Darlehen, die er zuvor an Privatpersonen vergeben hatte.

Marode Wertpapiere losgeworden

Dann kam der Herbst 2017. Die Aktiengesellschaft Phobe und die Paf’s GmbH meldeten fast zeitgleich mit der CAC Finanz Insolvenz an. Die Wertpapiere besitzen heute nahezu keinen Wert mehr. Als er den Vertrag mit seinem Unternehmen schloss, hätte man mit Banken verhandelt, um ein Wertpapier zurückzuführen, meint A. „Wäre dies gelungen, hätte die Insolvenz abgewendet werden können.“ Es gelang jedoch nicht. Die CAC Finanz ging pleite. So profitierte offenbar allein Christian A. von diesem Deal. Er entschuldete sich damit bei seiner Firma und wurde zugleich die Wertpapiere los, die sich später als marode entpuppten. A. erklärt, dass er die 3,7 Millionen Euro aus seinen Anleihen sehr wahrscheinlich nicht hätte zurückzahlen können. Deshalb habe er mit dem Aufsichtsrat der CAC Finanz über eine Ablösung verhandelt, die ihn sein gesamtes Vermögen gekostet habe. Das Unternehmen aber habe durch das Geschäft Liquidität gewonnen.

Für den Hopfenring und weitere Gläubiger verspricht die aktuelle Situation jedenfalls wenig Positives. Ihr Geld ist wohl größtenteils weg. Eine Chance besteht jedoch, wenigstens einen Teil wiederzuerlangen. Der Insolvenzverwalter der CAC Finanz fordert von A. Geld. A. soll wohl 120.000 Euro zurückzahlen, die nach Ansicht des Insolvenzverwalters nach der Überschuldung der Gesellschaft geflossen sind. A. wehrt sich dagegen, er sieht sich im Recht. Die geforderte Summe könne A. aber sowieso nicht zahlen. Dafür besitze er wohl nicht genug Geld.
(Vinzenz Neumaier)

Kommentare (1)

  1. Hallertauer66 am 22.01.2021
    Was ich nicht verstehe: Im Landwirtschaftsministerium sitzen hunderte Beamte, gut besoldet. Warum müssen die die fachliche Beratung von Bauern, was ja ihre Hauptaufgabe und Existenzberechtigung sein sollte, auslagern?! Wofür leisten wir uns in diesem Staat eine der teuersten Verwaltungen der Welt, wenn die Ministerien dann doch nicht in der Lage sind, ihre Aufgaben selbst zu erfüllen sondern sich externe Berater für teures Steuergeld dazu kaufen müssen?! Auch beim Verteidigungsministerium war es so.
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