Wirtschaft

Viele Wohnungen in Bayern werden via Fernwärme beheizt. )Foto: N-ERGIE/Dieter Kachelrieß)

24.06.2022

Wenn die Bude kalt bleibt

Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz bedroht Versorgung mit Fernwärme

Angesichts der Gasmangellage könnten nicht nur Menschen, die mit Erdgas heizen, sondern auch diejenigen, die an der Fernwärme hängen, im kommenden Winter ein Problem bekommen. Darum warnt der Vorstandschef der N-Ergie Aktiengesellschaft aus Nürnberg, Josef Hasler, eindringlich vor unbeabsichtigten Folgen des Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetzes, das sich aktuell im parlamentarischen Verfahren befindet. Damit befindet er sich auf einer Linie mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium. Es will sich laut einem Ministeriumssprecher dafür einsetzen, dass die Fernwärmeversorgung durch erdgasbetriebene Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen gesichert bleibt.

Das Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz verfolgt das Ziel, Erdgas einzusparen, indem statt Gaskraftwerken zunehmend Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Von den vorgesehenen Strafzahlungen wären nach jetzigem Stand allerdings auch Heizkraftwerke betroffen, die Erdgas einsetzen, um über Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Fernwärme für private Haushalte zu produzieren. Folglich stünde deutschlandweit die Wärmeversorgung von Millionen Menschen akut im Risiko – auch im Stadtgebiet Nürnberg, wo Erdgas der Hauptenergieträger für die Fernwärme ist.

„Erdgas einzusparen, um die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes zu sichern, ist selbstverständlich der absolut richtige Weg. Wir müssen alles dafür tun, damit es in diesem Winter in den Wohnungen warm bleibt – und zwar in allen Wohnungen, egal ob sie mit Erdgas oder Fernwärme beheizt werden. Es ist für mich deshalb völlig unverständlich, warum KWK-Anlagen, sprich Heizkraftwerke, im momentanen Gesetzentwurf nicht ausgeklammert sind. Ganz offensichtlich wurden die Fernwärme-Kund*innen vergessen. Ich appelliere dringend an die Politik, diesen Fauxpas zu beheben. Versorgungssicherheit muss für alle gelten“, so Hasler.

Risiko für 45.000 Wohnungen

Am Beispiel der Situation in Nürnberg illustriert er, worin das Risiko für die rund 45.000 Wohnungen und Gebäude am Nürnberger Fernwärmenetz konkret besteht: „Wir sind für Notfälle gerüstet und können den Betrieb unserer Heizkraftwerke auf leichtes Heizöl umstellen – aber diese Fahrweise ist lediglich für einen überschaubaren Zeitraum vorgesehen, nicht für einen ganzen Winter.“

Für das Herzstück der Fernwärmeversorgung in Nürnberg, das Heizkraftwerk im Stadtteil Sandreuth, bedeute dies zum Beispiel, dass eine durchgängige Versorgung via Lkw aufzubauen wäre. Alle zwei Stunden müsste ein großer Tanklaster Nachschub liefern. Die volle Leistung des Kraftwerks stünde aber auch dann nicht zur Verfügung. Ebenso wenig wäre ein Dauerbetrieb mit Heizöl aufgrund von Immissionsschutzauflagen nach aktuellem Stand überhaupt zulässig.
Wie wichtig die Fernwärme ist, zeigt ein Blick in andere bayerische Städte. So hängen derzeit in der Landeshauptstadt laut Pressesprecherin Doris Betzl von den Stadtwerken München (SWM) etwa ein Drittel der rund 834.500 Münchner Haushalte an der Fernwärme.

In Augsburg sind rund 35.000 Haushalte an die Fernwärme angeschlossen. Bis 2027 planen die Stadtwerke Augsburg das Fernwärmenetz der Fuggerstadt für 80 Millionen Euro um weitere 35 Kilometer zu verlängern.

In Würzburg hängen rund 25.000 Menschen an der Fernwärme. Armin Lewetz, Geschäftsführer des Würzburger Heizkraftwerks stimmt den Aussagen von N-Ergie-Chef Hasler zu. Denn das Heizkraftwerk könne nicht auf leichtes Heizöl umgestellt werden.

In Erlangen gibt es 1660 Fernwärmeanschlüsse. Darin enthalten sind sowohl Gewerbe- als auch Privatkunden.

In Ingolstadt hängen 700 Kund*innen an der Fernwärme. „Ein ganz großer Kunde ist die Audi AG“, sagt ein Sprecher der Stadtwerke Ingolstadt. Neben vielen Gewerbekunden, gebe es noch 230 Privatkund*innen. Allerdings verbergen sich hinter einigen Gewerbekunden auch Hausverwaltungen. Eine genaue Anzahl an Haushalten, die Fernwärme beziehen, können die Stadtwerke Ingolstadt leider nicht nennen.
(Ralph Schweinfurth)

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