Wirtschaft

Drohnen über Getreidefeldern, satellitengesteuerte Mähdrescher, Handy-Nachrichten vom Milchvieh: Mit Internet und Datenbanken machen sich auch die Bauern an die digitale Wende. (Foto: dpa)

12.01.2018

Wie die Landwirtschaft der Zukunft aussieht

Wie die Landwirtschaft der Zukunft aussieht

Landwirtschaft und Digitalisierung: Das gehört für viele Menschen eher nicht zusammen. Dabei zählt die Landwirtschaft zu den Branchen, die wohl den größten Veränderungen durch die neuen Technologien unterworfen ist. Zugleich haben Chemieindustrie und IT-Konzerne mit der Digitalisierung einen neuen Wachstumsmarkt entdeckt. Ist die Natur am Ende der große Verlierer?

Der Begriff „Digital Farming“ steht für eine Revolution in der Landwirtschaft. Zukünftig wird unser Bild vom Bauern von dem Einsatz von Drohnen, Satellitenbildern und digital vernetzten Traktoren und Sämaschinen geprägt werden. Hightech auf dem Acker.

Digitalisierung kann in verschiedenen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion eingesetzt werden. Schon bei der Aussaat kann mit Hilfe von Satellitenbildern für eine gleichmäßige Verteilung des Saatgutes gesorgt werden. Die Sämaschine nutzt Datenbanken und kommuniziert mit einer Cloud. Nach der Arbeit werden verbrauchter Diesel und Saatgut ins Büro gemeldet und der Lagerbestand wird korrigiert.

Selbstständig fahrende Traktoren sind keine Zukunftsmusik mehr


Die Landmaschinen werden miteinander vernetzt und selbstständig fahrende Traktoren sind keine Zukunftsmusik mehr. Auch Drohnen werden immer häufiger in der Landwirtschaft eingesetzt. So können mit ihnen die Anbauflächen detailgetreu abfotografiert werden, sodass sich der Einsatz von Saatgut und Dünger besser steuern lässt. Drohnen können sogar bei der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. So gibt es ein Projekt, bei dem Drohnen Kapseln mit Schlupfwespen gleichmäßig auf großen Maisfeldern aussetzen. Die wichtigste Beute der Schlupfwesen ist der Maiszünsler, der Hauptschädling in Maisbeständen. Die Verteilung mit Drohnen ist wesentlich schneller als die Verteilung per Hand.

Digital Farming ist ein wachsender Markt, der längst in den Fokus der großen internationalen Agrarkonzerne gerückt ist. Monsanto ist schon länger in diesem Markt aktiv und erfolgreich. Dies hat zur Übernahme Monsantos durch die Bayer AG beigetragen. Die Firma BayWa, einer der größten europäischen Agrarhändler, bietet Softwarelösungen für das Digital Farming an. 2015 übernahm BayWa die Firma PC Agrar, die sich auf Farmmanagementsysteme und die Programmierung im Kundenauftrag spezialisiert hat.

Erheblicher Entwicklungsbedarf


Der Sektor Digital Farming hat in Deutschland noch erheblichen Entwicklungsbedarf. Zwar ist auf vielen Bauernhöfen ein Computer im Einsatz, doch nur etwa 20 Prozent aller Landwirte benutzen eine Software, die die verschiedenen Bereiche des Landwirtschaftsbetriebs miteinander verbindet.

Neben den Saatgut- und Düngemittelproduzenten drängen auch Landtechnikhersteller wie etwa die Firma Claas in den Zukunftsmarkt Digital Farming. Bei Claas arbeiten über hundert Mitarbeiter an digitalen Lösungen, die es möglich machen, dass Landmaschinen miteinander kommunizieren können. Dann könnte ein Mähdrescher automatisch den Traktor mit dem Überladewagen zum Abtransport des Getreides bestellen. Auch vor den Milchbauern machen die neuen Technologien nicht halt. In immer mehr Ställen werden Melkroboter eingesetzt.

Europäische Firmen holen auf


Amerikanische Produzenten wie Monsanto und DuPont haben sich schon frühzeitig mit Digital Farming beschäftigt, doch nun beginnen europäische Firmen aufzuholen. Zwar bietet auch Google schon Agrarsoftware an, doch Firmen wie BayWa und Claas haben den Vorteil, dass sie viel stärker mit der Zielgruppe der Landwirte verbunden sind. Doch mit dem zunehmenden Interesse von IT Konzernen an der digitalen Landwirtschaft ist auch eine Gefahr verbunden. Bisher konnten über offene Schnittstellen auf allen Systemen fast alle Programme laufen. Sollten sich jedoch IT Giganten wie Google oder IBM für ein bestimmtes System entscheiden, wäre die bisherige Offenheit gefährdet. Auch in Bezug auf die Datensicherheit beim Digital Farming sind noch einige Fragen ungeklärt.

Allerdings scheitert die Umsetzung von Digital Farming oft daran, dass viele Bauern nicht über die notwendigen Kenntnisse der neuen Technologien verfügen. Auch die hohen Einstiegskosten schrecken viele Landwirte ab. Josef Schmid, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft: „Für kleinere und mittlere Höfe dürfte der finanzielle Aufwand zu hoch sein. Ein Melkroboter zum Beispiel erfordert hohe Investitionskosten, die sich nur bei großen Kuhbeständen lohnen.“

Umstrittene Folgen


Umstritten sind mögliche Folgewirkungen auf Natur und Umwelt durch die Digitalisierung beim Einsatz von Pestiziden und Pflanzendünger. Digital Farming Anbieter argumentieren, dass mit Hilfe von Satellitenbildern Pestizide gezielter und insgesamt sparsamer verwendet würden. Umweltverbände halten zwar bei sehr intensiv bewirtschafteten Flächen eine Reduzierung des Dünger- und Pestizideinsatzes für möglich, doch sie befürchten das Gegenteil bei bisher weniger belasteten Flächen.

Auch Josef Schmid ist skeptisch: „Eine zunehmende Industrialisierung und Rationalisierung vergleichbar der Automobilindustrie lehnen wir ab. Ob sich der Einsatz von Dünger und Pestiziden tatsächlich reduziert, bleibt zu beweisen.“ Es ist also unsicher, ob das Digital Farming eher Segen oder Fluch für die Natur auf dem Land bedeuten wird.
(Mathias von Hofen)

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