Wirtschaft

Das Gebäude ist völlig zerstört und kann nur noch abgerissen werden. (Fotos: Schweinfurth)

13.05.2022

Zwölf Millionen Euro Schaden

Weil die Brandabschnitte noch nicht fertiggestellt waren, ist ein Kita-Neubau in Nürnberg nicht mehr zu retten

Ein enormer Imageverlust für den Baustoff Holz und zwölf Millionen Euro Schaden für die Stadt Nürnberg – das ist die Bilanz eines Großbrands auf der Baustelle für einen Kita-Neubau im Norden der Frankenmetropole. Der Neubau stand kurz vor der Eröffnung und hätte 150 Hort- und 100 Kindergartenplätze umfasst. Aus noch ungeklärter Ursache brach am Montag gegen Mittag ein Feuer im Erdgeschoss des zweigeschossigen Gebäudes aus. Als die Feuerwehr eintraf stand das Gebäude bereits im Vollbrand. Verletzt wurde zum Glück niemand. Die Löscharbeiten dauerten bis Donnerstag an.

Weil die Brandabschnitte in dem Gebäude noch nicht abgeschlossen waren, konnte sich das Feuer ungehindert durch die Hohlräume im Holzständerbau fressen. „Wir kommen da sehr schlecht ran, wenn sich das Feuer im Dämmbereich zwischen Außen- und Innenwand verbreitet“, erklärte Feuerwehr-Einsatzleiter Harald Lehner. Ein Abrissunternehmen wurde beauftragt, um mit einem Bagger Löcher in die Fassade zu reißen, damit die Feuerwehr löschen konnte.

„Wenn ein Holzständerbau fertig sowie ordentlich geplant und gebaut ist, ist dieser genauso sicher wie andere Bauten“, sagt Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Edelhäuser von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Sowohl Statik als auch Brandwiderstand seien über die Bauordnung geregelt und müssen auch für Holzbauten gelten. Leider komme es wie aktuell in Nürnberg immer wieder einmal vor, dass die Brandabschnitte noch nicht fertiggestellt sind und sich Feuer durch den Neubau „fressen“ kann.

Brandabschnitte verhindern Übergreifen von Feuer

Normalerweise verhindern Brandabschnitte ein Übergreifen des Feuers auf das gesamte Gebäude. „Man erkennt Brandabschnitte zum Beispiel an den Feuerschutztüren auf den Fluren von Hotels“, erklärt Edelhäuser. Dort seien neben den Türen entsprechende Materialien verbaut, die im Brandfall die Flammen stoppen. Das können Betonwände oder spezielle Gipsplatten sein. In den Leitungsschschächten seien nicht brennbare Materialien eingebaut, die bei Feuereinwirkung aufschäumen und so die Ausbreitung der Flammen verhindern. Das alles war beim Kita-Neubau in Nürnberg leider noch nicht fertig.

„Es kommt auch nicht zu rot glühenden Stahlträgern wie jetzt in Nürnberg, wenn die Brandabschnitte fertiggestellt sind. Denn die Träger sind entweder verkleidet oder speziell beschichtet“ erläutert Edelhäuser.

Jetzt muss geklärt werden, weshalb das Feuer ausbrach. Doch das dauert seine Zeit. Leider dürfte der Vorfall in Nürnberg Wasser auf die Mühlen derer sein, die glauben, dass Holzbauten schnell brennen. Aber das stimmt eben nicht. Genauso wenig wie bei dem Großbrand in Essen am 21. Februar 2022 nicht die Fassadendämmung für das Feuerinferno sorgte, sondern die PVC-Verkleidungen auf den Balkonen gepaart mit extrem starkem Wind. „Das sorgte dafür, dass das Gebäude wie eine Fakel brannte“, so Edelhäuser. Dennoch halte sich hartnäckig das Gerücht, dass Fassadendämmungen als Brandbeschleuniger wirken.
(Ralph Schweinfurth)

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