Wissenschaft

Waffen und Munition, mutmaßlich aus den Weltkriegen, sind auf einer Baustelle am Bayerischen Landtag zu sehen. Bei Bauarbeiten für das neue Besucherfoyer des Landtags haben Bauarbeiter zufällig alte Waffen und Munitionsreste gefunden. Ein Bagger hatte eine Betondecke durchstoßen, unter der sich Munitionskisten befanden. (Foto: dpa/Sven Hoppe)

11.11.2022

Experten: Im Landtag gefundene Waffen wurden 1933 vergraben

Experten des Bayerischen Armeemuseums und des Landesamtes für Denkmalpflege haben die Herkunft des Fundes geklärt

Die im September bei Bauarbeiten im Landtag gefundenen Waffen samt Munition stammen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, sie wurden dort aber erst 1933 vergraben. Das haben Experten des Bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt und des Landesamtes für Denkmalpflege rekonstruiert, wie der Landtag am Freitag mitteilte.

"Die Geschichte des Gebäudes, in dem der Bayerische Landtag tagt, ist bewegter als wir bislang wussten", sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). "Mit dem Fund der historischen Waffen und Munition ist nun klar, dass bis 1933 bewaffnete Gruppen im Maximilianeum Unterschlupf fanden - und ihre Waffen dann zerstört und versteckt haben." Das sei für den Landtag eine neue Erkenntnis, man habe über die Zeit zwischen den Weltkriegen also noch nicht alles gewusst. "Die Realität ist spannender als mancher Historienroman", sagte Aigner.

Bei Bauarbeiten für das neue Besucherfoyer des Landtags waren Bauarbeiter im September rein zufällig auf den spektakulären Fund gestoßen - als ein Bagger eine Betondecke durchstieß. Gefunden wurden dort nach Angaben des Landtags am Ende rund 400 Kilogramm Munition, etwa 40 Gewehre und Karabiner sowie zahlreiche Alltagsgegenstände, von Kerzenhaltern über Flaschen bis hin zu Büroausstattung.

Experte: "Die Waffen wurden planmäßig unbrauchbar gemacht"

"Bei den Waffen und der Munition handelt es sich durchweg um Relikte des Ersten Weltkriegs", erklärte der Hauptkonservators des Armeemuseums, Dieter Storz. All dies wirke wie die Hinterlassenschaft einer kleinen militärischen Einheit, die im Maximilianeum stationiert war. "Die Waffen wurden planmäßig unbrauchbar gemacht", erklärte er.

Zusammengeknüllte Zeitungsseiten in einer Tasche ermöglichten es Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege, das Versteck selbst auf das Jahr 1933 zu datieren. Es handelte sich um eine Ausgabe des "Völkischen Beobachters" vom 5. April 1933. Eine Restauratorin hatte das stark beschädigte Papier so weit wiederherstellen können, dass das Datum lesbar wurde.

Wie es in der Mitteilung hieß, hatte sich von Juli 1932 bis April 1933 die "Bayernwacht" im Maximilianeum aufgehalten, eine Selbstschutzorganisation der katholisch-konservativen Bayerischen Volkspartei. Diese sei dann von der SA verdrängt worden. Möglicherweise habe die "Bayernwacht" damals vermeiden wollen, dass Waffen und Munition der SA in die Hände fallen, und deshalb alles vergraben. (Christoph Trost, dpa)

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