Ausschreibung und Vergabe

In Bayern gibt es zu wenig Windkraftanlagen. (Foto: dpa, Jan Woitas)

04.04.2026

Strombedarf übersteigt heimische Erzeugung

Ausschreibungen der Bundesnetzagentur: Bayern im Hintertreffen bei Windkraft-Ausschreibungen

Der Ausbau der Windkraft in Bayern stößt auf ein neues Hindernis: Trotz des immensen Strombedarfs im Freistaat haben bayerische Windradpläne bei den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur sehr häufig das Nachsehen. 

In der jüngsten Ausschreibung bekamen nur fünf bayerische Bauvorhaben unter den bundesweit über 400 Projekten den Zuschlag, wie auf der Webseite der Bundesbehörde nachzulesen ist. An der Ausschreibung beteiligt hatten sich nach Angaben des Grünen-Energieexperten Martin Stümpfig 44 bayerische Projekte. Der mittelfränkische Landtagsabgeordnete fordert deshalb eine "Südquote" mit regionalen Ausschreibungen nur für Windkraftprojekte.

Die Bundesnetzagentur ermittelt mit den Ausschreibungen die Höhe der staatlichen Zuschüsse nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Da der Wind im Süden weniger stark weht als im Norden, ist auch der durchschnittliche Ertrag niedriger - ein maßgeblicher Grund, warum süddeutsche Projekte es bei den Ausschreibungen schwer haben. 

Windräder in Bayern auch bei schwächerer Stromernte sinnvoll

Die im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung angekündigte zusätzliche Ausschreibung von 12 Gigawatt Windenergie sollten für den Windkraft-Ausbau im Süden ausgeschrieben werden, sagte Stümpfig. "Ich schlage eine Aufteilung auf die Jahre 2027 und 2028 mit jeweils 6 Gigawatt vor." Auf diese Südquote dürften sich nur Anlagen aus Süddeutschland bewerben. 

Mehr heimische Windkraft würde nach Stümpfigs Einschätzung zur Stabilisierung der bayerischen Stromnetze beitragen und die Kosten des "Engpassmanagements" reduzieren. 

Denn die heimische Stromerzeugung deckt den Bedarf bei weitem nicht mehr: 2025 wurden nur etwa 60 Terawattstunden Strom im Freistaat erzeugt, der jährliche Verbrauch liegt jedoch bei rund 80 Terawattstunden - eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden. 

Große Lücke zwischen Bedarf und Stromerzeugung führt zu hohen Folgekosten

Da der Bau der zwei großen Höchstspannungsleitungen Südlink und Südostlink von Norddeutschland nach Bayern sich um Jahre verzögert hat, kommt es oft zu Netzengpässen. Folge ist, dass norddeutscher Windstrom häufig "abgeregelt" wird, also mangels Leitungskapazität nicht genutzt werden kann. 

In Bayern dagegen müssen häufig Gaskraftwerke angeworfen werden, die sehr teuren Strom produzieren. Schnell ausgebaut worden im Freistaat ist in den vergangenen Jahren nur die Solarenergie, doch auch die regionalen Stromnetze haben mit dem Zubau nicht Schritt gehalten. Infolgedessen wird auch bayerischer Solarstrom häufig abgeregelt. Der bundesweite Gesamtaufwand für die Stabilisierung des Stromnetzes belief sich nach Daten des Bundes 2025 auf drei Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund wäre nach Stümpfigs Einschätzung der Nutzen neuer Windräder in Bayern groß, obwohl sie im Schnitt etwa 20 Prozent weniger Strom produzieren als norddeutsche Anlagen. Doch würden diese Windräder dort stehen, wo der Strom gebraucht werde und daher müssten sie selten abgeregelt werden, argumentiert der Grünen-Abgeordnete. "Das ist volkswirtschaftlich und netztechnisch sinnvoller."

Die Planung neuer Windräder hat in Bayern mittlerweile Fahrt aufgenommen. Doch auch abgesehen von den schlechten Chancen bei den Ausschreibungen gibt es nun bei der Umsetzung einen Engpass: Von Anfang 2024 bis Ende 2025 wurden 1.099 Anträge für neue Windräder in Bayern eingereicht. Genehmigt wurden im selben Zeitraum lediglich 291 Anlagen, wie aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Landtagsanfrage der Grünen hervorgeht.
(Carsten Hoefer, dpa)

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