Das Zentrum für Infektionsprävention (ZIP) der Technischen Universität München (TUM) auf dem Campus in Freising/Weihenstephan wurde am 18. Mai 2026 eingeweiht. Die mit der Projektplanung durch den Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags genehmigten Gesamtkosten der Baumaßnahme betragen 59,2 Millionen Euro. Darin enthalten sind Indexkosten in Höhe von knapp 5 Millionen Euro und Risikokosten in Höhe von gut 4 Millionen Euro, die nicht in Anspruch genommen wurden.
Aufgrund eines Forschungsantrags der TUM wurde das ZIP durch die Gemeinsame Wissenschaftsministerkonferenz von Bund und Ländern im Jahr 2020 in die Liste der nach Art. 91 b GG zu fördernden Baumaßnahmen mit einer Förderfrist von 5 Jahren aufgenommen. Nachdem das Bayerische Staatministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr das Staatliche Bauamt Freising mit dem Projekt im April 2021 beauftragt hatte, konnten über Vergabeverfahren die Planungsteams gewonnen werden.
Im April 2023 startete die Projektdurchführung mit vorbereitenden Maßnahmen auf dem Baugrundstück, einer ehemaligen, teilweise bebauten Versuchsfläche der TUM, deren Bepflanzung wegen Pilzbefalls schon gerodet worden war. Durch die Gestaltung der Freianlagen mit Baumpflanzungen und in Zusammenhang mit der Gebäudebegrünung wird die Situation nun im Sinne eines grünen Campus aufgewertet. Der Neubau stärkt das städtebauliche Konzept der Verdichtung des Campus entlang der vorhandenen Erschließungsachse, die von den zentralen Einrichtungen nach Norden führt. Aufgrund des ansteigenden Geländes war es notwendig, die angrenzenden Grünbereiche mit Stützmauern abzufangen, in die ein Funktionsgebäude mit der erforderlichen Trafostation integriert wurde. So entstand auf der Nordseite des Gebäudes durch eine weitere Baumaßnahme eine urbane Erschließungssituation.
Die Technische Universität München wird in dem neuen Forschungsgebäude mit 2700 Quadratmetern Nutzfläche künftig an der Entwicklung von Strategien im Kampf gegen resistente Krankheitserreger forschen. Vom Vorplatz aus erreicht man über den Haupteingang im Nord-Osten eine zentrale Kommunikationszone, die sowohl der internen Kommunikation der Wissenschaftler als auch im Erdgeschoss der Nutzung für Veranstaltungen mit externen Teilnehmern dient. Den Kommunikationszonen sind jeweils Außenbereiche vorgelagert. Der Ausblick nach Süden geht an klaren Tagen bis zu den Alpen.
Pfosten-Riegel-Fassade
Die Geschossebenen sind in einen Büro- und Kommunikationsbereich an der Ostseite des Gebäudes und einen Laborbereich mit den Sicherheitsstufen S2 und Bio3 auf der Westseite unterteilt. Die Bürobereiche werden sowohl von den Labormitarbeitern als auch von den Wissenschaftlern genutzt und sollen Arbeitsplätze in Großraum- und Einzelbüros bieten. Die Labore sind so konzipiert, dass eine spätere Unterteilung in kleinere Einheiten möglich bleibt. Sie sind innerhalb des Rasters von 3,75 Metern flexibel skalierbar und können zu verschieden großen Einheiten zusammengeschlossen werden.
Die Tragkonstruktion des Gebäudes wurde mit Streifenfundamenten auf einem Gründungspolster, Stützen, Unterzügen, Decken als Vier-Feld-Träger und aussteifenden Kernen in Stahlbeton ausgeführt. Die äußere Erscheinung wird durch die Pfosten-Riegel-Fassade mit einer Verkleidung der geschlossenen Wand- und Brüstungsbereiche aus Keramikelementen und umlaufende Wartungsstege zur Instandhaltung und Verschattung bestimmt. Die zurückgesetzte Technikzentrale des obersten Geschosses erhielt eine Metallverkleidung. Das Material der Fassadenbekleidung kann im Falle eines Rückbaus nach der Nutzungszeit problemlos recycelt werden und wurde unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit gewählt.
Die Flachdächer sind begrünt, um einen Beitrag zum Regenrückhalt zu leisten und werden für Photovoltaik genutzt. Die neu errichtete PV-Anlage mit 52 kWp führt zu einer Einsparung von bis zu 10 Tonnen CO2 jährlich. Eine zentrale USV-Anlage mit einer elektrischen Leistung von 100 kVA/90kW wurde für einzelne Laborbereiche und Geräteanschlüsse, Serverräume, MSR-Technik und Lüftungssteuerung installiert. Der Einsatz von LED-Leuchten im Gebäude und im Außenbereich trägt zur Optimierung des Energieverbrauchs bei. Im Rahmen der Außenanlagengestaltung wurde die Errichtung von Elektro-Ladesäulen mit Lastmanagement vorgesehen.
Das Forschungszentrum wurde an den Rücklauf des Fernwärmenetzes der TUM am Standort Weihenstephan angeschlossen, um eine erforderliche Absenkung des Rücklaufniveaus zu erreichen. Die Gebäudetemperierung erfolgt mit einem statischen Heizsystem mittels Heiz-Kühl-Deckensegeln und einer Beheizung der Zuluft der Klimaanlagen über Wärmetauscher.
Die Kälteanlage kühlt die Zuluft der Klimaanlagen über Wärmetauscher und die Räume mit hohen inneren Wärmelasten wie Elektro- und Serverräume. Bei Kältelastspitzen wird die Abwärme über einen Hybridkühlturm abgeführt, Wärmelastspitzen werden über das Fernwärmenetz der TUM in Weihenstephan kompensiert.
Wasseraufbereitung
Je nach Anforderung werden Räume mit Trinkwasser kalt und die Labore über eine Netztrennanlage mit Laborwasser kalt und warm versorgt. Über eine Wasseraufbereitungsanlage werden für die Labore und technischen Anlagen Wässer in verschiedenen Qualitäten erzeugt: enthärtetes Wasser, entsalztes Wasser über Umkehrosmose < 20 µS/cm und vollentsalztes Wasser über eine Elektro-Deionisationsanlage < 1,2 µS/cm. Das Laborabwasser wird über eine Sammelanlage kontrolliert dem öffentlichen Abwassernetz zugeführt. Die Labore werden mit verschiedensten technischen Gasen versorgt.
Die gesamte Gebäudeinstallation wird in ihren Betriebszuständen mit einer Gebäudeleittechnik auf Basis BACnet/IP kontrolliert und betrieben. Die Automationsebene ist in die zentrale Leittechnik der TUM in Weihenstephan eingebunden.
Mit dem Zentrum für Infektionsprävention wird in Weihenstephan eine Forschungseinrichtung mit internationaler Alleinstellung geschaffen. Wesentliche Ziele bestehen in der Zusammenführung und Weiterentwicklung der Forschung von Strategien im Kampf gegen resistente Krankheitserreger sowie der Organisation als wissenschaftliches Zentralinstitut der TUM. (Heidelinde Möschl)
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