Bauen

Seit 30 Jahren gibt es die Architektouren der Bayerischen Architektenkammer. (Foto: Ulrich Gebert)

08.06.2026

Architektur im Wandel der Gesellschaft

Seit 30 Jahren gibt es die Architektouren der Bayerischen Architektenkammer

Seit 30 Jahren präsentieren die Architektouren der Bayerischen Architektenkammer herausragende Bauprojekte. Sie machen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und städtebauliche Maßnahmen für eine breite Öffentlichkeit erfahrbar und regen zum Diskurs darüber an.

1996: Das Jahr der ersten Architektouren. Die Welt war eine andere. Man bestellte nicht eben mal im Onlineshop, sondern ging in die Fußgängerzone. Die politische Großwetterlage war von Zuversicht geprägt. Deutschland, Bayern, die westliche Welt blickten, so schien es, einer goldenen Zukunft entgegen – das Ende der Geschichte, blühende Landschaften…

Auch die Architektur spiegelte diesen Zeitgeist aus Optimismus und Sorglosigkeit wider, der „Bilbao-Effekt“ wird zum geflügelten Wort. Klimaschutz war ein Thema für Spezialisten, Bauen im Bestand und Nachverdichtung noch Randerscheinungen.

Und doch gab es auch damals schon zukunftsweisende Projekte. Sie erprobten neue Wege des energiesparenden Bauens, entwickelten innovative Wohnkonzepte, entdeckten den Wert bestehender Bausubstanz und verstanden Architektur als Teil eines lebendigen Stadtraums. Die Architektouren machen solche Bauwerke seit ihrer ersten Ausgabe sichtbar.

Die Architektouren heute

2026: Unsere Welt ist komplexer und konfliktreicher geworden: Klimawandel, geopolitische Spannungen, die Destabilisierung demokratischer Systeme. Architektur steht stärker im Zentrum gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse, eine Entwicklung, die von den Architektouren in den Blick gerückt wird.

Ein Gebäude ist heute kein fertiges Produkt, sondern Teil eines langfristigen Energiekreislaufs. Materialgerechtes Entwerfen bedeutet, Ressourcen von Beginn an mitzudenken – von der Herkunft über die Nutzungsdauer bis zur Wiederverwendbarkeit. Nutzungsmischungen und Bauen im Bestand werden zu zentralen Bausteinen nachhaltiger Architektur.

Auch verändern sich die Vorstellungen vom Wohnen: Inklusion und Partizipation sind zentrale Qualitätskriterien. Bürgerinnen und Bürger werden frühzeitig einbezogen. Genossenschaftliche Strukturen, Mehrgenerationenhäuser und gemeinschaftliche Quartiere fördern soziale Einbindung und schaffen dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum.

30 Jahre Architektur im gesellschaftlichen Diskurs

Baukultur spiegelt gesellschaftliche Entwicklungen nicht nur wider, sondern gestaltet sie mit. Architektur schafft Orte, die auf ökologische, demografische und soziale Veränderungen reagieren. Diese fortlaufende Wechselwirkung machen die Architektouren Jahr für Jahr sichtbar. 1996 wurden 104 Gebäude präsentiert, rund 5000 Besucherinnen und Besucher nahmen teil, seitdem sind die Zahlen gestiegen: In den letztjährigen Ausgaben waren es im Schnitt 200 Projekte und etwa 13.000 Besucher. Schon drei Jahrzehnte reflektiert das Format gesellschaftliche Wandlungsprozesse, hebt vorbildliche Bauten hervor und setzt Standards. Das Prädikat der „KlimaKulturKompetenz“ für Projekte mit besonderer Qualität in Energieeffizienz, Klimaanpassung, Flächensparen, Barrierefreiheit und weiteren Aspekten der Nachhaltigkeit ist ein solcher Standard. Aus einer Initiative zur Sichtbarmachung von Architekturqualität ist eine Erfolgsgeschichte geworden.

Die Architektouren 2026

So sieht die Jubiläumsausgabe aus: Am 27. und 28. Juni können Sie insgesamt 199 Orte der Baukultur in ganz Bayern erleben und mit Planenden, Bauherrschaften sowie Nutzern ins Gespräch zu kommen. Im Verlauf des Wochenendes werden einige KlimaKulturKompetenz-Plaketten von Mitgliedern des Vorstands der Bayerischen Architektenkammer vergeben – zum Beispiel am 27.06. um 10 Uhr durch die Kammerpräsidentin Lydia Haack an LMJD Dennerle Motzet Architekten und Freiraum Berger Fuchs Landschaftsarchitekten für das „Haus für Kinder“ in der Münchner Quiddestraße 1. Im Anschluss startet die Besichtigung. Zum Rundgang durch das Wohnbauprojekt „Dem Abriss entrissen“ von Karlheinz Beer Büro für Architektur und Stadtplanung wird Bauminister Christian Bernreiter (CSU) am 28.06. um 15 Uhr in Weiden in der Oberpfalz vor Ort sein.

Die Treffpunkte Architektur der Bayerischen Architektenkammer bieten außerdem wieder Bustouren an, die mehrere Projektbesichtigungen miteinander verbinden. Zudem tourt bis Ende November eine Wanderausstellung durch Bayern. Alle Architektourenprojekte, Besichtigungstermine, Termine der Bustouren und der Wanderausstellung sind unter byak.de/architektouren zu finden. Es gibt dieses Jahr auch ein Gewinnspiel: unter ogy.de/tgg4 kann man mit etwas Glück einen Rucksack von GOT BAG gewinnen.

Zur Preview am 22. Juni 2026 eröffnen Bauminister Bernreiter und Lydia Haack eine Ausstellung mit Architektouren-Beiträgen der Städtebau- und Wohnraumförderung und des Staatlichen Hochbaus. Die Veranstaltung mit Werkvorträgen von Architekten findet im Foyer des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr in München statt und beginnt um 18 Uhr. Anmeldung per E-Mail an event@stmb.bayern.de. (David Fuchs)

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