Bauen

Weißenburgs neue Mittelschule am Seeweiher. (Foto: Stefan Müller-Naumann)

14.12.2018

Auf 270 Pfähle gestellt

Neubau einer Mittelschule am Seeweiher in Weißenburg

Hier ist eine der schönsten Schulen Bayerns entstanden“, mit diesen Worten begann der Regierungsvizepräsident von Mittelfranken, Eugen Ehmann, seine Rede bei der feierlichen Eröffnung der Mittelschule Anfang Oktober in Weißenburg. Nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit konnte das neue Gebäude nun endlich an die Schüler übergeben werden.

Die alte denkmalgeschützte Schule am Seeweiher aus den 1950er Jahren war der erste öffentliche Nachkriegsbau in Weißenburg und mit der Unterstützung von großzügigen Spendengeldern der McClay-Stiftung aus den USA finanziert worden. Zur damaligen Zeit zählte sie zu den fortschrittlichsten und modernsten Schulen Bayerns.

Bedauerlicherweise wurde sie jedoch auf äußerst schlechtem Baugrund errichtet. Durch Setzungen und Feuchteschäden waren nach 60 Jahren verschiedene Räume nicht mehr nutzbar. Zusätzlich war das Gebäude in technischer und energetischer Sicht sowie bezüglich der schulischen Ausstattung dringend sanierungsbedürftig.

Nach ersten Voruntersuchungen war schnell klar, dass eine Sanierung zu keinem adäquaten Ergebnis führen würde und so entschloss sich die Stadt Weißenburg 2010 für den Abbruch des alten Gebäudekomplexes und zu einem Neubau am gleichen Standort.

Das Architekturbüro Spreen aus München ging als Sieger aus dem europaweiten Architektenwettbewerb hervor. Bei dem Entwurf handelt es sich um einen dreiflügligen Baukörper, der auf zwei Geschossen das geforderte Raumprogramm abbildet. Das Gebäude liegt im parkähnlichen Grundstück in unmittelbarer Nähe zum Seeweiher und zur Stadtmauer.

Nach zwei Jahren Planungszeit fand im März 2013 der Startschuss zur Baumaßnahme statt. Vorgabe des Bauherren war, das Gebäude in zwei Bauabschnitten zu errichten, um bei einer wirtschaftlichen Durststrecke die Gesamtmaßnahme gegebenenfalls strecken zu können. Aufgrund der wirtschaftlichen Hochkonjunktur konnte der zweite Bauabschnitt jedoch unmittelbar an den ersten angeschlossen werden, sodass die Maßnahme nach rund fünf Jahren abgeschlossen wurde.

Die Schule mit einer Bruttogeschossfläche von 4575 Quadratmetern und einem Bruttorauminhalt von 16 350 Kubikmetern war ursprünglich für 21 Klassen geplant. Die gestiegenen Schülerzahlen machten bereits während der Erstellung des ersten Bauabschnitts eine Umplanung notwendig. Durch geschickte Umstrukturierung konnten in der geplanten Kubatur zwei zusätzliche Klassenzimmer integriert werden. Ergänzt sind diese um zwölf Sonderräume für Informatik, Zeichnen, Werken, Textilarbeit, Lehrküchen, PCB und Musik.

Die Klassenzimmer befinden sich alle im Obergeschoss. Im östlichen Flügel steht zusätzlich eine 200 Quadratmeter große Multifunktionsfläche zur Verfügung, die für Gruppen- oder Differenzierungsarbeiten genutzt werden kann. Im Erdgeschoss sind die Sonderräume, die Verwaltung, das Lehrerzimmer und die Räume für die Ganztagesbetreuung untergebracht. Im nördlichen Flügel befindet sich mit Anschluss zum Lichthof eine Lernwerkstatt. Teile deren Ausstattung wurden über Spendengelder der Hermann-Gutmann-Stiftung finanziert.

Für die sehr aktive Theater- und Musikabteilung der Schule wurde eine Bühne mit 70 Quadratmetern Fläche eingebaut. Diese lässt sich zur großen Aula über eine mobile Schiebewand abtrennen. Die Aula mit dreiseitiger Galerie wird über ein großzügiges Glasdach belichtet. Bei Veranstaltungen kann der Raum für bis zu 460 Personen bestuhlt werden. Er wird bereits rege für Fortbildungsveranstaltungen, Theateraufführungen oder Schulversammlungen genutzt und hat sich in kürzester Zeit zum Herz des neuen Schulgebäudes entwickelt.

Integrierte Sitzstufen

Von der Aula führt eine große Freitreppe mit integrierter Sitzstufenanlage als Erschließung ins Obergeschoss. Zur Verpflegung der Schulfamilie wurde im östlichen Flügel eine Mensa mit bis zu 200 Sitzplätzen angeordnet. Das Essen wird hier täglich frisch zubereitet. Zusätzlich zu den Schülern der Mittelschule besteht auch für die Ganztagsschüler der benachbarten Realschule die Möglichkeit, hier ihr Mittagessen einzunehmen. Die Mensa ist auf zwei Seiten großzügig verglast und gibt den Blick frei auf den angrenzenden Seeweiher und die Stadtmauer. Im Sommer können die drei großen Flügeltüren geöffnet werden und die an die Mensa angrenzende Pausenhoffläche erweitert die Sitzfläche nach außen.

Grundidee des Entwurfsgedankens war, das Gebäude wie selbstverständlich in der Parkanlage und gegenüber der alten Stadtmauer zu situieren. Die Schule sollte nicht in Konkurrenz zu den beiden angrenzenden Elementen treten, sondern sich harmonisch in das Umfeld einfügen. Nachdem die äußerst schlechten Gründungsverhältnisse durch die Schäden des Vorgängerbaus bekannt waren, wurde das Gebäude auf 270 Pfähle gestellt, die rund sieben Meter tief in den Boden einbinden. Die Gründungspfähle werden gleichzeitig als Energiepfähle genutzt.

In der Außenfassade wechseln sich Fensterbänder mit eingeschobenen Aluminiumpaneelen und vorgehängten Sichtbetonelementen ab. Diese sind in einem hellen, warmen Grauton gehalten. Durch die leicht raue Oberfläche und dem braunen Zuschlagsstoff harmonieren die Flächen mit der Sandsteinoberfläche der gegenüberliegenden Stadtmauer. Aus ökologischen Gründen, jedoch auch um das anfallende Oberflächenwasser reduziert an den benachbarten Seeweiher abzuleiten, wurde die Dachfläche mit einer extensiven Begrünung versehen.

Um ein Wechselspiel zwischen Innen und Außen zu erzeugen, wurden die Fassaden großzügig, nahezu bodentief, verglast. Dies ermöglicht von allen außenliegenden Räumen einen ungehinderten Blick ins Freie und öffnet vorbeilaufenden Passanten gleichzeitig den Blick in die Schule. Die Transparenz des Gebäudes hat den positiven Effekt, dass die Mittelschule in der Öffentlichkeit als sehr offen und einladend wahrgenommen wird. Auch an den Flurenden wurden die Fensteröffnungen bewusst gesetzt, um den Blick ins Grün zu ermöglichen.

Nachdem im Umfeld der Schule die Farbe Grün dominiert und diese stark nach innen wirkt, wurden weitere Farben im Gebäude nur sehr reduziert eingesetzt. Die Wände, die Decken, die Türen und die Einbauschrankelemente der Klassenzimmer wurden weiß gehalten. Die Fassadenkonstruktion erhielt einen warmen Holzton und am Boden ist ein schwarzer Linoleumbelag verlegt. Auch die Tische und Stühle der Klassenzimmer fügen sich in dieses Konzept aus dem Material Holz und der weißen Farbe ein. Zur Vermittlung des Lernstoffes stehen den Lehrern neben einer Klapptafel auch ein Beamer und eine Dokumentenkamera zur Verfügung. So kann die Lehrkraft den Unterricht sowohl konventionell als auch mit digitalen Medien gestalten.

Um die Schüler für die digitale Zukunft fit zu machen, wurden drei Computerräume mit der neuesten Computertechnologie ausgestattet. In den Erschließungsflächen wird das zurückhaltende Farbkonzept weitergeführt. Die Flure und die Pausenhalle werden dominiert von weiß gestrichenen Wand- und Akustikdeckenflächen sowie von Sichtbetonwänden. Diese werden unterbrochen durch großformatige, vor die Wand gesetzte, weiße Türelemente. Als verbindender Bodenbelag ist in allen Verkehrsflächen ein geschliffener Estrich verlegt.

Durch vier große Dachverglasungen im westlichen und nördlichen Flügel sowie durch das Oberlicht der Pausenhalle wird viel Licht in die inneren Kerne gelenkt, sodass den Schülern auch im Gebäude helle und freundliche Räume zur Verfügung stehen. Farbtupfer finden sich in den grünen Sitzmöbeln der Aula und den beiden großen grünen Sofas der Lerninseln wieder.

Zur Wärmeerzeugung wurden zwei Systeme gewählt. Die Deckung der Grundlast erfolgt durch eine Wärmepumpe, die von 270 Energiepfählen gespeist wird; die Spitzenlastdeckung über den Fernwärmeanschluss an das benachbarte Hallenbad. Die Beheizung des Schulgebäudes findet über Flächenheizsysteme statt. Die unterschiedlichen Räume erhielten Fußbodenheizung und eine Betonkernaktivierung. Diese wird im Sommer auch zu Kühlzwecken verwendet und ermöglicht so in der Hitzeperiode einen Unterricht bei angenehmen Temperaturen. Zur Erhaltung der Raumluftqualität werden alle Unterrichtsräume mit einer zentralen CO2 gesteuerten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt.

Neues Rasenspielfeld

Bei der Gestaltung der Außenanlagen standen drei Punkte im Vordergrund: Die Schaffung von ausreichenden Pausenflächen für rund 550 Schüler, den Schulneubau in die Grün- und Parkfläche zu integrieren und die durch den Abriss der alten Schulgebäude entstandenen Freibereiche einer neuen Nutzung zuzuführen. Räumlich abgestimmt auf die Außenkanten des Gebäudes beziehungsweise den Gebäudezugängen entstanden aus diesen Vorgaben drei große befestigte Flächen. Südlich als großer Zugangshof mit angegliederten Fahrradstellplätzen, im Westen als Pausenhof für die Jahrgänge acht bis zehn mit einem abgesenkten offenen Klassenzimmer und nördlich für die Klassen fünf bis sieben mit diversen Sportgeräten.

Um den bewegungsfreudigeren Schülern zusätzliche Freiflächen bereitzustellen, wurde auf dem Baufeld der ehemaligen Seeweiherschule ein Rasenspielfeld angelegt. Nachdem verschiedene Bäume nachgepflanzt wurden und die Rasenfläche bis ans Gebäude herangeführt ist, fügt sich die Schule nun wie selbstverständlich in die Parkanlage ein.

Bei der Baumaßnahme mit einem Umfang von 20,9 Millionen Euro handelt sich um das größte bisher umgesetzte Bauprojekt der Stadt Weißenburg. (Thomas Winter)

(Rund 20,9 Millionen Euro wurden in den Neubau investiert; Blick in die Mensa - Fotos: Stefan Müller-Naumann)

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