Bauen

Die neue Talbrücke Geigerhaid wurde in zwei Bauabschnitten erstellt. (Foto: Hajo Dietz, Nürnberg Luftbild)

23.01.2019

Auf Bohrpfählen gegründet

Ersatzneubau der Talbrücke Geigerhaid im Zuge der Bundesautobahn A 3 zwischen Nürnberg und Regensburg

Seit 1. Oktober 2018 stehen den Verkehrsteilnehmern wieder alle vier Fahrstreifen der Talbrücke Geigerhaid auf der A 3 im Bereich zwischen den Anschlussstellen Velburg und Parsberg zur Verfügung. Der Ersatzneubau war erforderlich, da die bestehende Brücke 1970 mit einem hydrophilen Spannstahl gebaut wurde.

Die Autobahn ist im besagten Abschnitt hochbelastet. Bei Verkehrszählungen 2015 betrug der durchschnittliche tägliche Verkehr (DTV) 42 000 Kfz/24h. Davon waren 10 724 Kfz/24h Schwerlastfahrzeuge. Insbesondere der europäische Güterverkehr nutzt die Brücke jeden Tag vielfach.

Die alte Brücke bestand aus einem zweizelligen Hohlkastenquerschnitt, sie war intern sowohl längs als auch quer vorgespannt. In den Jahren 1997/1998 wurden die Koppelfugen durch den Einbau externer Spannglieder instandgesetzt. Weitere Maßnahmen im Zeitraum zwischen 2005 bis 2007 konnten den Verfall jedoch nicht aufhalten. Maßgeblich war im Jahr 2013 die Nachrechnung gemäß „Handlungsanweisung zur Überprüfung und Beurteilung von älteren Brückenbauwerken, die mit vergütetem, spannungsrisskorrosionsgefährdetem Spannstahl erstellt wurden“. Sie brachte das Ergebnis, dass ein ausreichendes Ankündigungsverhalten für die Längs- und die Quervorspannung der Spannglieder nicht nachgewiesen werden konnte. Somit war eine weitere Sanierung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr möglich. Die bestehende Brücke musste einem Ersatzneubau weichen.

Im Zuge der Maßnahme wurden natürlich auch streckenbauliche Anpassungen durchgeführt, insbesondere auch im Hinblick auf die Brückenentwässerung. Auch wenn die Trasse und Gradiente der alten Talbrücke für den Ersatzneubau wiederverwendet wurde, war für die regelgerechte Anpassung an den Regelquerschnitt RQ31B eine Strecke von etwa 150 Metern auf beiden Seiten des Bauwerks erforderlich.

Für den Ersatzneubau an gleicher Stelle musste ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, da insbesondere die Umweltbelange im Umfeld des Bauwerks nicht unerheblich waren. Zwischenzeitlich wurde im überspannten Talraum ein FFH-Gebiet ausgewiesen. Ebenfalls war ein Wasserschutzgebiet betroffen.
Im August 2015 erging dann der Planfeststellungsbeschluss der Regierung der Oberpfalz. Dieser enthielt außer den üblichen Auflagen und Bestimmungen umfangreiche naturschutzfachliche Auflagen. Neben einer umfangreichen Pflanzenwelt waren insbesondere vier Lebewesen zu schützen beziehungsweise bevorzugt zu behandeln: die Eidechse, der Biber, die Fledermaus und heimische Fischarten.

Naturschutzauflagen

Für die Eidechse wurden abseits der zukünftigen Baustellenfläche magere und trockene neue Lebensräume geschaffen. Ebenfalls wurden Vergrämungsmaßnahmen im ursprünglichen Lebensraum durchgeführt. Diese Maßnahmen wurden bereits sehr frühzeitig vor dem tatsächlichen Baubeginn durchgeführt. Viel einschneidender war jedoch die Auflage bezüglich des natürlichen Bachlaufs, der von der Talbrücke überführt wird und während der Baumaßnahme geschützt werden musste. Da nur eine gewisse Bachstrecke verrohrt werden durfte, lag jeweils die Hälfte des Bachs im Baufeld frei. Dieser wurde durch den Biber bewohnt, der sich durch den Bau der Talbrücke nicht stören ließ. Vielmehr wurde er motiviert, ebenfalls zu bauen, und zwar gleich einen ganzen Damm. Der eigentlich zu schützende Bachlauf unter der Geigerhaidbrücke wurde schließlich zu einem kleinen See.

Die neue Brücke ist als durchlaufender Mehrfeldträger geplant, die Stützweiten der neuen Brücke teilen sich auf sechs Felder auf. Die beiden Randfelder besitzen eine Einzelstützweite von 29 und 23 Metern, die vier Mittelfelder eine Stützweite von je 40 Metern. Der Querschnitt der beiden getrennten Richtungsfahrbahnen stellt jeweils einen zweistegigen Plattenbalken dar. Diese Wahl des Querschnitts ermöglichte einen deutlich schlankeren Überbau als beim ursprünglichen Bestandsbauwerk. Die Gesamtkomposition ruht auf besonders geformten Stützen. Diese greifen die hochwertigen landschaftlichen Gesichtspunkte auf und stellen aufgehende Baumwipfel dar.

Zwei Bauabschnitte

Das Bauwerk wurde in zwei Bauabschnitten erstellt. 2016/2017 wurde die Richtungsfahrbahn Regensburg erstellt und 2017/2018 die Richtungsfahrbahn Nürnberg. Als Bauverfahren kam das Traggerüst zur Ausführung. Aufgrund der sehr schwierigen geologischen Verhältnisse wurde im Rahmen der Vergabe auch diskutiert, das Bauwerk im Taktschiebeverfahren zu erstellen. Dem Gebot der Wirtschaftlichkeit folgend war das Traggerüstverfahren jedoch das Maß der Dinge.

Das Bauwerk liegt im Karstgebiet des oberpfälzischen Jura. Deshalb musste beim Bau jederzeit mit Dolinen gerechnet werden, die zu Gründungsversagen führen können. Aus diesem Grund sind alle Teile des Bauwerks im Talgrund auf Bohrpfählen gegründet, die auch in einem Karstgebiet eine sichere Lastabtragung ermöglichen. Die umfangreiche geologische Betreuung durch die Autobahndirektion stellte sicher, dass kein Bohrpfahl einem erkundeten Hohlraum zu nahe kam. Die beiden Widerlager konnten aufgrund des sehr massiv anstehenden natürlichen Felsens eine Flachgründung erhalten.

Doch es gibt nicht nur Erfreuliches vom Bau der Brücke zu berichten: Auch wenn das Thema Arbeitssicherheit auf allen Baustellen der Autobahndirektion Nordbayern ein hohes Gut darstellt, kam es bei der Talbrücke Geigerhaid zu einem gefährlichen Zwischenfall. Das vorhandene Traggerüst erhielt eine Abdeckung mit sogenannten Seekiefer- beziehungsweise Sperrholzplatten, damit keine Gegenstände ins Tal fallen konnten. Auf eine dieser Platten sprang ein Bauarbeiter gezielt, um eine Abkürzung auf dem Traggerüst zu nehmen.

Aufgrund des Alters der Platten (zwei Jahre) brach diese Seekieferplatte und der Arbeiter stürzte ins Tal. Auch wenn das Verhalten des Arbeiters nicht den Vorschriften entsprach, sind Seekieferplatten seit diesem Zeitpunkt auf Traggerüsten nicht mehr zugelassen. Die Baustelle wurde nach diesem Vorfall seitens der Polizei eingestellt und der Unfall durch die Berufsgenossenschaft untersucht. Die Luftrettung brachte den Arbeiter nach Regensburg; er konnte bereits am selben Tag wieder mit seiner Familie reden. Ihm geht es heute wieder gut. Dieser Vorfall passierte beim sechsten und somit letzten Betonierabschnitt der Brücke nach zwei Jahren Bauzeit ohne Vorfälle. Dies zeigt, dass die Beachtung der Arbeitssicherheit und deren Überwachung bis zum Ende der Baustelle ein wichtiges Thema ist.

Am 1. Oktober 2018 war es dann soweit: Auch die zweite Richtungsfahrbahn konnte wieder dem Verkehr übergeben werden. Die Rest-arbeiten dauern noch bis nach der Winterpause 2018/2019. Danach sollte kein Wanderer mehr bemerken, dass es im Tal der Geigerhaid einmal eine Baustelle gab. (Andreas von Dobschütz )

(In den Ersatzneubau wurden 14 Millionen Euro investiert - Foto: Hajo Dietz, Nürnberg Luftbild)

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