Bauen

Das sechsgeschossige tomorrow mit zwei Untergeschossen umfasst insgesamt 12 700 Quadratmeter. (Visualisierung: Falk von Tettenborn Architects)

06.08.2026

Bayerns erstes Cradle-to-Cradle-Gebäude

Wie das Bürohaus „tomorrow“ im Münchner Werksviertel Begrünung, Kreislaufwirtschaft und neue Arbeitswelten miteinander verbindet

Direkt am Münchner Ostbahnhof entsteht an der Friedenstraße 2 mit „tomorrow“ ein Bürogebäude, das Nachhaltigkeit in eine neue Ära führt. Das von Falk von Tettenborn Architects für die Stadtsparkasse München entworfene Gebäude verbindet Kreislaufwirtschaft, Klimaanpassung und moderne Arbeitswelten in einem ganzheitlichen architektonischen Konzept.

Das Werksviertel hat sich in den vergangenen Jahren von einem ehemaligen Industrieareal über die Zeit des Kunstpark Ost und der Kultfabrik zu einem lebendigen, gemischt genutzten Stadtquartier entwickelt. Historische Industriegebäude stehen heute neben Neubauten, Kultur und Gastronomie treffen auf Büroflächen, Hotels, Wohnungen und Freizeitangebote. Mit „tomorrow“ kommt nun ein Gebäude hinzu, das den Transformationsgedanken des Quartiers konsequent weiterführt.

Die markante Hauptfassade orientiert sich zu den Bahngleisen des Ostbahnhofs und prägt damit die Ansicht des gesamten Werksviertels an einer der sichtbarsten Stellen Münchens. Täglich passieren mit S-Bahnen und Zügen tausende Pendlerinnen und Pendler sowie Reisende auf dem Weg vom und zum Flughafen das Gebäude – „tomorrow“ wird damit zu einem weithin sichtbaren Gesicht des sich wandelnden Quartiers.

Das sechsgeschossige Bauwerk mit zwei Untergeschossen verfügt über rund 12 700 Quadratmeter flexibel nutzbare Mietfläche. Vorgesehen sind moderne Büros unterschiedlicher Größe, ein großzügiges Atrium über drei Ebenen als zentraler Kommunikationsraum sowie Co-Working-Bereiche und ein Café mit Terrasse im Erdgeschoss. Im obersten Geschoss ergänzen weitere Gastronomieflächen, eine Lounge, Konferenzräume und eine großzügige Dachterrasse mit Blick über die Stadt das Nutzungskonzept.

Das prägende Element des Entwurfs ist die sich nach oben verjüngende Gebäudekubatur mit ihren begrünten Fassaden und Terrassen. Eine filigrane, elegante Aluminiumkonstruktion dient den Kletterpflanzen als Rankgerüst und schafft gemeinsam mit den Pflanzflächen eine zweite, lebende Ebene vor der eigentlichen Gebäudehülle. Insgesamt sind mehr als 70 verschiedene Pflanzenarten sowie zahlreiche Bäume vorgesehen, die neue Lebensräume schaffen, zur Biodiversität beitragen und zugleich für eine natürliche Verschattung des Gebäudes sorgen. Dadurch entsteht zwischen Vegetation und Gebäudehülle eine kühlere Luftschicht, die von der dezentralen Lüftung genutzt werden kann. Architektur, Landschaft und Gebäudetechnik greifen damit unmittelbar ineinander und tragen gemeinsam zu einem angenehmen Raum- und Mikroklima bei.

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist der Gedanke der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. „tomorrow“ wurde nach den Prinzipien des sogenannten Cradle-to-Cradle-Ansatzes entwickelt. Materialien werden dabei soweit möglich so ausgewählt, dass sie nach ihrer Nutzung möglichst sortenrein getrennt und wiederverwendet beziehungsweise in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können. Das Gebäude zählt damit zu den ersten Büroprojekten in Bayern, die diesen Ansatz in einer derart konsequenten Form umsetzen.

Besonders innovativ ist das Regenwassermanagement des Gebäudes. Niederschlagswasser wird gespeichert und für die Bewässerung der Begrünung sowie als Betriebswasser wiederverwendet. Gleichzeitig tragen Retentionsflächen dazu bei, die Kanalisation bei Starkregen zu entlasten und durch Verdunstung das Mikroklima im unmittelbaren Umfeld des Gebäudes zu verbessern.

Ergänzt wird das Nachhaltigkeitskonzept durch Photovoltaikmodule auf Dach- und Fassadenflächen, eine energieeffiziente Gebäudetechnik sowie bedarfsgesteuerte Lüftungs- und Energiesysteme. Die Photovoltaik wird dabei nicht versteckt, sondern als sichtbarer Bestandteil der Architektur in die filigrane Fassadenstruktur integriert. Die Module prägen das Erscheinungsbild des Gebäudes und übernehmen zugleich eine zweite Funktion als Verschattungselemente. Nachhaltigkeit wird damit nicht als einzelne technische Maßnahme verstanden, sondern als integraler Bestandteil von Architektur, Materialwahl und Nutzungskonzept.

Mit „tomorrow“ entsteht im Münchner Werksviertel ein Bürogebäude, das die Anforderungen an zeitgemäße Arbeitswelten mit den Herausforderungen des zirkulären und klimaangepassten Bauens verbindet – und dabei zeigt, wie die Gebäude von morgen bereits heute geplant und gebaut werden können. (BSZ)
 

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