Bauen

Blick in den neugestalteten Jamnitzerplatz in Nürnberg-Gostenhof. (Foto: André Winkel)

05.05.2022

Das Alte bewahren und das Neue wagen

Der Jamnitzerplatz im Nürnberger Westen wurde seiner Bestimmung übergeben

Der Jamnitzerplatz zeigt sich von seiner besten Seite. Ende März 2022 haben Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU), Dritter Bürgermeister und Erster SÖR-Werkleiter Christian Vogel (SPD) sowie Jugend- und Sozialreferentin Elisabeth Ries (SPD) den Jamnitzerplatz nach dem Umbau wiedereröffnet. Der Bund und der Freistaat Bayern unterstützen die erforderlichen öffentlichen Investitionen mit Zuschüssen in Höhe von 1,29 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für die Umgestaltung des Jamnitzerplatzes betragen rund 2,3 Millionen Euro.

Nach knapp einem Jahr Bauzeit ist umgesetzt, was sich Erwachsene und Kinder in verschiedenen Bürgerbeteiligungsterminen gewünscht haben. Der Platz, der eigentlich eher klein ist, bietet ein riesiges Angebot für Sport, Spiel und Entspannung, sodass für jeden und jede etwas dabei sein sollte. Das Alte bewahren und gleichzeitig das Neue aus der Taufe heben war das Motto bei der Neugestaltung.

Die alte Gestaltung aus den 1980er-Jahren besticht vor allem durch den hohen Anteil an Bäumen, die an heißen Sommertagen Schatten spenden. Fast alle Bäume wurden erhalten und die wenigen Fällungen wurden so kompensiert, dass der Platz nun mehr Bäume hat als vorher. Kühlung bringen im Sommer nicht nur die Bäume, sondern auch ein neues Fontänenfeld, das sicher bei den Kleinen sehr gut ankommt, während sich die Älteren auf den Picknickflächen oder den vielen Sitzmöglichkeiten erholen können.

Durch die intensive Beteiligung, in die Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus der Nachbarschaft viel Zeit und Engagement investiert haben, sind kreative und überzeugende Lösungen entstanden. Der neue Jamnitzerplatz ist eine Bereicherung für den bunten und vielfältigen Stadtteil Gostenhof.

Entstanden sind am Jamnitzerplatz ein Spielplatz für Kinder von sechs bis 14 Jahren sowie ein Kleinkinderbereich von drei bis sechs Jahren, dazu ein Streetballfeld, neue Tischtennisplatten und Tische mit Spielbrettern für Schach, Mensch ärgere Dich nicht und Halma. Das räumliche Konzept reagiert auf den keilförmigen Zuschnitt des Freiraums mit einem geknickten, sich verjüngenden, platzartigen „Aktions- und Aufenthaltsband“ an der Ostseite des Parkes zur Mittleren Kanalstraße. Auf diese Weise kann im westlichen Parkteil ein zweites, relativ breites „Grün-, Spiel- und Sportband“ entwickelt werden, das verschiedene Nutzungsbereiche wie Spielplatz und Picknickwiese aufnimmt.

Eine Querverbindung in Verlängerung der Rohmannstraße gliedert den Park in Nord-Süd-Richtung. Sitzmauern entlang des Platzbands bilden ein räumliches, vielfältig nutzbares Rückgrat der Struktur und grenzen die verschiedenen Nutzungsbereiche klar ab. Die Neuordnung der Flächen erfolgt unter weitestgehendem Erhalt der wertvollen Bestandsbäume, indem alle raumgreifenden Elemente wie zum Beispiel der Brunnenplatz oder auch der Spielplatz in den bestehenden Lichtungen platziert werden.

Im 19. Jahrhundert war Gostenhof noch ein ländlich geprägter Vorort und der Jamnitzerplatz eine Ackerfläche. In der Gründerzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts nahm die Entwicklung Fahrt auf und es taucht zum ersten Mal eine Jamnitzerstraße in den Urkunden auf. Der Jamnitzerplatz und die Jamnitzerstraße wurden nach dem Nürnberger Goldschmied Wenzel Jamnitzer (geboren um 1507/1508 bis 1585) benannt.

Gostenhof ist dicht besiedelt und wurde im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont. Die alte Bausubstanz gibt dem Viertel seinen besonderen Charme. Allerdings ist Gostenhof mit Grünflächen unterversorgt. Die Stadt Nürnberg hat Mitte der 1970er-Jahre damit begonnen, die Grundstücke auf dem Gelände des jetzigen Jamnitzerplatzes aufzukaufen. Vorher standen hier Gebäude, in denen größtenteils Kleingewerbe untergebracht war. Schon damals hatte man erkannt, dass Grün für Gostenhof und den Nürnberger Westen wichtiger ist als eine weitere Bebauung und Verdichtung.

Im Juli 1986 wurde dann der Jamnitzerplatz fertiggestellt und der Öffentlichkeit übergeben. Von der Gestaltung her war er ein Kind seiner Zeit und viele Gestaltungselemente, wie der längst nicht mehr funktionierende Brunnen, hatten ihre Funktionalität eingebüßt. Auch hatte es in den 1980er-Jahren keine aufwendige Bürgerbeteiligung gegeben, so wie es heuer bei der aktuellen Umgestaltung gemacht wurde. An vier Veranstaltungstagen wurden Kinder, Jugendliche und Erwachsene gefragt, wie sie sich den Jamnitzerplatz in Zukunft vorstellen. Dabei hat sich ein über alle Altersgruppen hinweg konstruktiver und manchmal auch kritischer Dialog entwickelt, der gezeigt hat, wie sehr die Nürnbergerinnen und Nürnberger ihren Jamnitzerplatz wertschätzen.

Gostenhofs wichtigste Grünanlage brauchte dringend eine Auffrischung und Umgestaltung. Dabei wurde Neues gewagt und Altes, wie der Baumbestand, bewahrt. Die Anforderungen an eine Grünanlage mögen sich durch die Jahrzehnte hinweg geändert haben. Aber die Menschen im Viertel haben sich an diesen Begegnungsort gewöhnt, schätzen ihn sehr und wollten ihn nach seiner Umgestaltung auch noch wiedererkennen.

Dass der Platz nach seiner Umgestaltung seinen Charme beibehalten hat und gleichzeitig mit seinem vielfältigen Freizeitangebot ein neues Kapitel aufschlägt, dafür haben die intensive Bürgerbeteiligung und die kreative Gestaltung des Landschaftsarchitekturbüros Hackl und Hofmann gesorgt. (André Winkel)

 

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