Bauen

Der Haupteingang für Personal und Lehrbetrieb ist mit einem Rahmen aus Stahlbeton-Fertigteilen formal betont und vom Campusanger weithin sichtbar. (Foto: Anton Brandl, München)

13.01.2022

Der Campus in Oberschleißheim wächst

Neubau der Pferdeklinik mit Energiezentrale für die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München

Bereits seit Anfang der Neunzigerjahre wird die Tierärztliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München am Englischen Garten schrittweise nach Oberschleißheim verlagert, um mittelfristig auch die renommierte Physik-Fakultät auf einem eigenen Forschungscampus in der Münchner Innenstadt vereinen zu können. Seit 1991 befindet sich bereits die Vogelklinik auf dem zukünftigen Campus in Oberschleißheim, die Klinik für Schweine und Wiederkäuer folgte 2003 und ein Neubau mit Zentralen Einrichtungen konnte zuletzt 2018 in Betrieb genommen werden. Um darüber hinaus zukünftig Forschung, Lehre und Patientenversorgung an einem zentralen Ort vereinen zu können, entschloss man sich, alle veterinärmedizinischen Einrichtungen auf dem Campus der Tiermedizin in Oberschleißheim zu konzentrieren. Der zugrundeliegende städtebauliche Funktionsplan von Bizer Architekten gliedert hierfür das Campusgelände in drei Bereiche. Die Institutsspange im Osten bildet das Rückgrat. Westlich sind die Klinikbauten angeordnet. Dazwischen liegt ein großzügiger Grünanger mit Verbindungsstegen zwischen Kliniken und Instituten.

Südlich der bereits bestehenden Klinik für Schweine und Wiederkäuer konnte nun im Juli 2021 die Klinik für Pferde, ein weiterer wichtiger Baustein der Campusentwicklung, dem Nutzer übergeben werden. Neben einer umfassenden Patientenversorgung – behandelt werden können hier jährlich knapp 800 Pferde stationär und knapp 400 ambulant – ermöglicht der Neubau zukünftig mit einer im Untergeschoss integrierten Energiezentrale auch die Versorgung des gesamten Campusgeländes mit Wärme und Kälte.

Die von den Architekten Claus + Forster aus München geplante Anlage aus fünf Gebäudeteilen greift die bewährte Kammstruktur der angrenzenden Klauentierklinik auf und bildet so eine städtebauliche Einheit auf dem Tiermedizinischen Campus. In einem in Nord-Süd-Richtung langgestreckten, zweigeschossigen Institutsgebäude sind die Verwaltungs- und Unterrichtsräume sowie im eingeschossigen Gebäudetrakt die Behandlungsräume für die drei Fachabteilungen Chirurgie, Innere Medizin und Gynäkologie beziehungsweise Reproduktionsmedizin angeordnet. Ein dem Campusanger zugewandter, großzügiger Eingangsbereich mit Foyer öffnet dieses Gebäude formal betont für Studierende und Besucher*innen. Die zentrale Anmeldung der Patienten erfolgt dagegen über einen separaten Zugang im Süden des Institutsgebäudes.

Rechtwinkelig zum Hauptgebäude liegen die eingeschossigen Stalltrakte, die neben den Pferdeställen weitere spezifische Behandlungs- und Untersuchungsräume beherbergen. Ergänzt werden diese Gebäudeteile durch eine kompakte Bewegungshalle, die neben einer Garage auch die Schmiede aufnimmt und städtebaulich zwischen den Stalltrakten positioniert ist. Bei der Wahl der Fassadenmaterialien nehmen die Architekten Rücksicht auf die funktionellen Anforderungen einer Tierklinik. Wandflächen, mit denen die Pferde in Kontakt kommen können, werden deshalb massiv und mit unempfindlichen Betonfaserplatten verkleidet. Ansonsten zeigt sich der Institutsbau in einer Fassade aus vorgegrauter Weißtanne. Der zugehörige Außenbereich grenzt im Westen an Einrichtungen des Lehr- und Versuchsguts, einer landwirtschaftlichen Betriebseinheit der Tierärztlichen Fakultät. Neben einer bestehenden Heulagerhalle und einem Hühnerstall mit Freilaufgehege finden sich hier auf etwa einem Hektar alle für den Betrieb einer Pferdeklinik erforderlichen Flächen und Einrichtungen wie Auslaufkoppel verschiedener Größen, Paddocks, Unterstände für die Pferde, eine Führanlage, eine Longierhalle und natürlich eine Mistplatte. Die Umsetzung von Energie- und CO2-Einsparmaßnahmen und das Thema Nachhaltigkeit waren dem Freistaat Bayern auch bei diesem Bauvorhaben ein besonderes Anliegen. Nicht nur der hochgedämmte Neubau erfüllt erhöhte Energiestandards, auch hinsichtlich der Gesamtversorgung des Campus wird ein nachhaltiges Konzept verfolgt. Hierfür befindet sich neben der eigenen Technikzentrale für die Klinik im Untergeschoss auch die umfangreiche Energiezentrale zur Versorgung des gesamten Campus mit Nahwärme und Nahkälte. Der überwiegende Teil des Wärme- und Kältebedarfs wird dabei über oberflächennahe Geothermie gedeckt. Eine Brunnenwasseranlage auf dem Campusgelände in Kombination mit Wärmepumpen ermöglicht die Nutzung von Grundwasser als regenerative Energiequelle. Eine konventionelle Anlagentechnik sichert lediglich die Spitzenlastabdeckung.

Nach der haushaltsrechtlichen Genehmigung durch den Bayerischen Landtag wurde im April 2017 mit dem Bau der Klinik begonnen. Das Richtfest konnte nach 18 Monaten Bauzeit am 24. September 2018 gefeiert werden. Ab Juli 2021 konnte der Nutzer nun von der Königinstraße am Englischen Garten und dem Oberwiesenfeld in die neue Klinik nach Oberschleißheim einziehen und mittlerweile auf 3600 Quadratmetern Nutzfläche den Klinikbetrieb aufnehmen. Die Kosten der Maßnahme betragen rund 40 Millionen Euro.

Mit der Ansiedlung der Klinik für Pferde bestärkt der Freistaat Bayern in Oberschleißheim sein Bekenntnis zur Ludwig-Maximilians-Universität. Mit dem Neubau ist der Tierärztlichen Fakultät ein Wunsch nach mehr Flexibilität in Erfüllung gegangen. Die Verhältnisse in den Gebäuden am Englischen Garten waren sehr beengt, sodass die klinikeigenen Pferde auf einem eigenen Gelände am Oberwiesenfeld in München untergebracht werden mussten. In der neuen Klinik besteht nun die Möglichkeit, Pferde parallel in mehreren Behandlungsräumen zu untersuchen oder Eingriffe in Stehend- und Liegend-Operationsräumen durchzuführen. Ab Herbst 2021 wurde mit neu angeschafften Großgeräten für Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) die Bandbreite der Untersuchungsmöglichkeiten noch zusätzlich erweitert. Die weitläufigen Außenanlagen zum Auslauf der Tiere, eine eigene Vortrabstrecke und eine helle Bewegungshalle erleichtern zudem den Klinikalltag. (Stefan Zunhamer)

 

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