Bauen

Auf dem etwa 1,3 Hektar großen Gelände im Deggendorfer Gewerbegebiet wurde der Neubau der Flussmeisterstelle erbaut. (Foto: Rainer Täpper)

14.01.2022

Drei lang gestreckte, zeilenartige Baukörper

Neubau der Flussmeisterstelle Deggendorf

Der reinen Größe nach liegt sie unbestritten bayernweit auf Platz eins. Aber auch in Sachen Modernität ist sie jetzt ganz vorne dabei: die Flussmeisterstelle Deggendorf. Weil die bestehenden Gebäude bauliche Mängel bei Brand- und Wärmeschutz hatten und nicht mehr den funktionalen Anforderungen an den Betrieb genügten, hatte der Freistaat Bayern deren Abriss und einen Neubau für 22 Millionen Euro an derselben Stelle beschlossen. Einzig das denkmalgeschützte Schiffmeisterhaus blieb erhalten.

Im Herbst 2021, dreieinhalb Jahre nach den ersten Arbeiten, wurde die Maßnahme unter der Regie des Staatlichen Bauamts Landshut abgeschlossen. Die neuen Gebäude nach einem Entwurf von bogevischs buero (München) sind schon länger in Betrieb, zuletzt wurde noch eine alte Werkstatthalle, die während der Arbeiten benötigt wurde, ersetzt.

Eine 96 Meter lange Halle

Drei lang gestreckte, zeilenartige Baukörper mit markantem Steildach, zueinander versetzt, in der Mitte ein Betriebshof – das ist die neue Flussmeisterstelle in Deggendorf. Von Norden nach Süden her nehmen ein dreigeschossiges, 30 Meter langes Verwaltungsgebäude, eine 96 Meter lange Halle für Einsatzfahrzeuge mit Lagerflächen für den Hochwassereinsatz und ein 105 Meter langes Werkstattgebäude (mit Schlosserei, Dreherei, Lkw-Werkstatt, Schreinerei und Elektrowerkstatt) die Bautypologie der Umgebung auf. Durch ihre Anordnung rücken sie das daneben stehende, historische Schiffmeisterhaus in den Vordergrund und machen es zum „Kopf“ des neuen Ensembles. Zudem sollen dadurch die Auswirkungen der Emissionen auf die benachbarte Bebauung beschränkt werden.

Die Gebäude sind als Massivbau mit Flachdecken und tragenden Außen- sowie Innenwänden aus Stahlbeton errichtet. Im Erdgeschoss wurde eine vorgestellte schützende Bekleidung aus durchgefärbten Stahlbeton-Fertigteilen ausgeführt. Oberhalb der Tore wird die Fassade flächenbündig mit einer hinterlüfteten Trapezblechbekleidung fortgeführt.

Die Dachtragwerke der drei Neubauten sind einheitlich aus Holz unter Berücksichtigung der jeweiligen Spannweiten und wirtschaftlicher Konstruktionsprinzipien umgesetzt. Für Bereiche, die stützenfrei zu überspannen sind, kam ein Hallentragwerk aus Brettschichtbindern in einem einheitlichen Raster zur Ausführung.

Die Dachdeckung ist wie die Teilbereiche der Fassade mit beschichteten Trapezblechen als hinterlüftete Konstruktion ausgeführt. Insbesondere in den Bereichen mit weit spannenden Hallentragwerken wurde die Trapezblechdeckung aufgrund des deutlich geringen Eigengewichts gegenüber einer Ziegeldeckung nach den Ergebnissen einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung als wirtschaftliche Bauweise gewählt.

Die Fassade des Verwaltungsgebäudes öffnet sich im Bereich der Büros, um den notwendigen Sichtbezug zu Einfahrt, Werkhof und den gegenüberliegenden Werkstätten sicherzustellen. In allen anderen Räumen, insbesondere in den Lagerräumen, wurden die Fensterflächen aus wirtschaftlichen Gründen auf das erforderliche Mindestmaß zur Sicherstellung der Lüftungsmöglichkeit reduziert.

Insgesamt stehen auf dem etwa 1,3 Hektar großen Gelände im Gewerbegebiet nahe der Donau rund 5150 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung – mit modernster Technik: Das barrierefrei zugängliche Verwaltungsgebäude mit Büro- und Sozialräumen wurde im Passivhausstandard errichtet. Die Beheizung erfolgt über ein Blockheizkraftwerk. Elektrische Energie wird zudem über eine große Photovoltaikanlage gewonnen. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes geleistet.

Im Obergeschoss gibt es eine kleine Werkswohnung und Ruheräume, in denen sich die Mitarbeiter*innen im Katastrophenfall während der 24-Stunden-Einsätze ausruhen können.

Im Werkstattgebäude befinden sich Schlosserei, Dreherei und Lkw-Werkstatt sowie die Schreinerei und Elektrowerkstatt. Die Halle für den Hochwassereinsatz und die Rüsthalle für größere Fahrzeuge bilden den Abschluss. Das Garagengebäude besteht aus einer langen Reihe von Garagen für Einsatzfahrzeuge. Eine Waschhalle vervollständigt die Anlage.

Die vor allem im Bereich des Schiffmeisterhauses umgesetzte Freiraumplanung übernahmen grabner huber lipp (Freising/Hamburg).

Nominierung für Architekturpreis

Um die Einsatzbereitschaft der Flussmeisterstelle Deggendorf sicherzustellen, waren die Mitarbeiter*innen während der Maßnahme im Außenlager in Plattling untergebracht. Dorthin waren auch Einsatzgeräte und Material verlagert worden. Die Abbrucharbeiten in Deggendorf begannen im März 2018, die eigentlichen Bauarbeiten im Spätsommer 2018.

Beim renommierten deutschen Architekturpreis 2021 erhielt das Projekt eine Anerkennung und bestach dabei gegen enorme Konkurrenz – insgesamt waren 133 Projekte eingereicht worden. Die Jury sah in ihrer Bewertung trotz der unterschiedlichen Funktionen der Bauwerke ein „gestalterisches einheitliches Ensemble ablesbar“ und urteilte: „Der dreifache Bauwerkshybrid verbindet Zweckdienlichkeit, Robustheit, Wirtschaftlichkeit und gestalterische Eleganz zu einem stimmigen Ganzen. Neben funktionaler Klarheit und Sorgfalt sowohl bei der Einfügung in die Umgebung als auch bei der Wahl der Baustoffe steht die Hausgruppe auch für energetisches Verantwortungsbewusstsein.“

Darüber hinaus wurde die neue Flussmeisterstelle in der Kategorie „Gewerbe-/Verwaltungsbau“ für den Preis des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten in Bayern, kurz: BDA-Preis Bayern 2022, nominiert. Ob es mit einer Prämierung klappt, entscheidet sich am 25. Februar 2022 bei der Preisverleihung in der Alten Kongresshalle in München.
(Tobias Nagler)

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