Bauen

Aus einem ehemaligen Supermarkt wird in Beratzhausen das „Kinderhaus Farbenzauber“. (Visualiserung: AI GENERATED, Beraten und Planen Holding GmbH)

17.08.2026

Ein Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung

Vom Supermarkt zur Kita: Wie Beratzhausen mit Weitblick und Tatkraft ein Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen schafft

Im Landkreis Regensburg entsteht derzeit ein großartiges Beispiel dafür, wie kommunales Engagement und nachhaltiges Bauen zusammenwirken können: Ein ehemaliger EDEKA-Markt in Beratzhausen wird zum „Kinderhaus Farbenzauber“ umgebaut. Betreiber der künftigen Einrichtung, die fünf Gruppen Platz bieten soll, ist das Bayerische Rote Kreuz (BRK). Geplant wurde das Projekt von der beraten + planen Gruppe (Burglengenfeld) – und das in beeindruckender fachlicher Breite: Architektur, Statik, Außenanlagen und Energieberatung liegen komplett in einer Hand, was eine durchdachte, ganzheitliche Umsetzung des Projekts von der Tragwerksplanung bis zur Energiekonzeption ermöglicht. Die Fertigstellung ist für März 2027 geplant.

Möglich wurde dieses Vorzeigeprojekt maßgeblich durch den Weitblick der Marktgemeinde und ihres Ersten Bürgermeisters Matthias Beer. Statt in eine teure Sanierung des in die Jahre gekommenen Vorgängergebäudes zu investieren oder einen kostspieligen Neubau auf dem Feld zu errichten, entschied sich die Gemeinde nach einer sorgfältigen Machbarkeitsstudie für den konsequenten Weg: Umbau statt Neubau, Bestand statt Abriss. Eine Entscheidung, die sich ökologisch wie wirtschaftlich auszahlt – allein die diskutierte Container-Übergangslösung hätte rund 600.000 Euro gekostet, ganz ohne die eigentlichen Sanierungskosten.

Dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Vernunft hier die Hand reichen, zeigt sich auch an anderer Stelle: Gerade weil das Projekt konsequent auf Bestandssanierung und Umwidmung statt Neubau setzt, kann die Marktgemeinde mit rund 3,8 Millionen Euro Fördermitteln aus verschiedenen Förderprogrammen rechnen – ein Signal, dass sich nachhaltiges, ressourcenschonendes Bauen zunehmend auch auf Förderebene auszahlt.

Auch bei der Namensfindung bewies die Gemeinde ihre Beteiligungskultur: Den Namen der neuen Einrichtung, „Kinderhaus Farbenzauber“, durften Eltern, Kinder und Mitarbeitende gemeinsam bestimmen – ein sprechendes Zeichen dafür, wie sehr dieses Projekt von Anfang an auf Mitwirkung statt reiner Verwaltungsentscheidung setzt.

Dass ausgerechnet ein ehemaliger Supermarkt zur Kita wird, ist dabei kein Zufall: Die offene, stützenfreie Grundrissfläche, der ebenerdige Zugang und die bereits vorhandene Erschließung machen solche Gebäude für eine Umnutzung besonders geeignet – Vorteile, die über die reine Kostenersparnis hinausgehen.

Wie konsequent dabei auf Ressourcenschonung geachtet wurde, zeigt sich an der Dachkonstruktion – und damit an der statischen und planerischen Expertise der beraten + planen Gruppe. Um die neuen Holzständerwände im Inneren zu montieren, musste zunächst das komplette Bestandsdach mit den alten Nagelbindern abgenommen werden. Nach der Montage der Innenwände wurden dieselben Nagelbinder wieder an ihren ursprünglichen Platz gehoben – statt sie zu entsorgen und neu zu fertigen.

Gedeckt wurde anschließend mit einem leichten Stehfalzdach aus Blech, das zugleich die statischen Voraussetzungen für eine geplante Photovoltaikanlage schafft. Gerade diese Lösung zeigt, wie sich statisches Know-how und Weitblick in der Energieberatung sinnvoll ergänzen können, wenn beide Disziplinen aus einer Hand kommen.

Erhaltung
statt Neubau

Der Ansatz, Bestand zu erhalten statt neu zu bauen, hat einen ökologischen Hintergrund, der über das Einzelprojekt hinausweist: Studien zeigen, dass durch Sanierung statt Abriss und Neubau bis zu 70 Prozent der CO2-Emissionen und bis zu 75 Prozent der Kosten eingespart werden können. Beratzhausen bezeichnet das Vorhaben daher folgerichtig als ein Musterbeispiel an Nachhaltigkeit.

Was in Beratzhausen im Kleinen gelingt, betrifft eine Herausforderung, mit der bayerische Kommunen im Großen zu kämpfen haben: Leerstand in den Ortskernen. Durch die Verlagerung von Handel und Gewerbe an die Ortsränder sowie den anhaltenden Strukturwandel im Einzelhandel stehen vielerorts einst zentrale Gebäude leer und drohen zu verfallen – ein Umstand, den viele Gemeinden in Befragungen als eine ihrer größten Herausforderungen benennen. Gerade früher zentral gelegene Handelsimmobilien, die durch Neubauten am Ortsrand ersetzt wurden, hinterlassen dabei oft besonders große, schwer nachnutzbare Leerstände.

Der Freistaat Bayern unterstützt Kommunen bei genau solchen Vorhaben mit gezielten Förderinitiativen wie „Leerstand nutzen – Lebensraum schaffen“ oder „Innen statt Außen“.

Beratzhausen zeigt mit dem Kinderhaus Farbenzauber, wie ein solcher Weg konkret aussehen kann: Eine leerstehende Handelsimmobilie wird nicht abgerissen, sondern intelligent für eine gänzlich neue, dringend benötigte Nutzung umgewidmet – unter Beibehaltung wesentlicher Bauteile wie der Dachkonstruktion. Für andere Kommunen liefert das Projekt damit einen übertragbaren Blaupausen-Charakter: Kreativität im Umgang mit Bestand kann ökologisch wie wirtschaftlich sinnvoll sein und soziale Infrastruktur dort schaffen, wo sie gebraucht wird – mitten im Ort, statt am Ortsrand.

Mit dem Kinderhaus Farbenzauber entsteht so, getragen von der Tatkraft der Gemeinde, den klugen Ideen ihres Bürgermeisters und der fachübergreifenden Expertise der beraten + planen Gruppe, weit mehr als nur eine neue Kita: Ein Ort, an dem Ressourcenschonung, Beteiligung und wirtschaftliche Weitsicht von Anfang an mitgedacht wurden – und ein Beispiel, das zeigen könnte, wie viele weitere leerstehende Gebäude in Bayerns Ortskernen künftig eine zweite Bestimmung finden. (Martina Schildhauer)
 

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