Bauen

Ulrich Scholz, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. (Foto: Tobias Hase)

23.06.2026

Ingenieurekammer fordert Umdenken: „Qualität hat ihren Preis – fehlende Qualität einen höheren“

Kammerkolumne: Ulrich Scholz zu „Qualität hat ihren Preis – fehlende Qualität einen höheren“. Für das Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, ist klar: "Billigware überschwemmt den Markt, Qualität und Sicherheit stehen hier nicht mehr an erster Stelle"

Bei vielen Online-Marktplätzen geht es heute darum, möglichst billige Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Billigware überschwemmt den Markt, Qualität und Sicherheit stehen hier nicht mehr an erster Stelle. Das Qualitätsbewusstsein, das lange mit dem Siegel „Made in Germany“ verbunden war, hat an Wert verloren und ist durch eine nahezu ausschließliche Orientierung am Preis ersetzt worden. Dies widerspricht den Grundsätzen wirtschaftlichen Handelns, wie schon John Ruskin (1819 – 1900), englischer Sozialphilosoph, treffend formuliert hat: „Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten.“ Trotzdem wird das immer wieder versucht.

Bei der Planung von Bauvorhaben wird von den Planenden eine geistig schöpferische Leistung mit hoher Qualität erwartet. Wie kann man für einen solchen Auftrag den Preis überhaupt als Kriterium heranziehen? Bei der Auftragsvergabe ist die Aufgabenstellung noch nie so klar definiert, dass man eine zutreffende belastbare Kalkulation anfertigen kann. Meist ist es so, dass das vereinbarte Honorar die Menge an Zeit und Arbeit bestimmt, die aufgewendet wird.

Wenn einfacher zu planende Lösungen im Hinblick auf die Erstellung oder den laufenden Unterhalt des Bauwerks bevorzugt werden, wird die Leistung zum Nachteil des Bauherrn auf ein Minimum reduziert. An die Stelle von aufwendigen Berechnungen treten auf der sicheren Seite liegende Vereinfachungen. Oder es kommt zu Nachträgen, über die dann diskutiert, oft auch gestritten wird. Nutznießer sind Rechtsanwälte und Sachverständige. Kreativität bleibt dabei oft auf der Strecke.

Am Ende bestimmt der Preis was man bekommt

Auch eine Vergabe an einen Generalunternehmer unterliegt den gleichen Gesetzen. Am Ende bestimmt der Preis, was man bekommt. Auch hier ein Zitat von John Ruskin: „Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte. Und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.“

Um diesen Effekt zu verhindern, hilft nur eine detaillierte Planung vor der Ausschreibung, die im weiteren Prozess dann auch nicht mehr geändert wird. Sonst gibt es berechtigte Nachträge, wie sie bei der heute üblichen baubegleitenden Planung unvermeidbar sind. An einen Generalunternehmer mit vergebene Planungsleistungen, zum Beispiel eine Ausführungsplanung, sind sehr restriktiv hinsichtlich der geforderten Qualitäten zu formulieren. Sonst kann es passieren, dass der Bauherr am Ende ein Produkt bekommt, das seinen Vorstellungen nicht entspricht. Oder er sieht sich Nachforderungen ausgesetzt, weil die Anforderungen nicht vorher eindeutig formuliert waren.

Bei Einsatz eines Totalunternehmers sind die Risiken noch stärker zu erkennen. Eigentlich will man ein fertiges Produkt mit definierten Eigenschaften kaufen. Wenn man in einen Laden geht, kann man entsprechende Produkte vergleichen, und zwar hinsichtlich Qualität (wenn sie erkennbar ist) und Preis. Bei einem Bauvorhaben kauft der Bauherr zunächst vor allem ein Leistungsversprechen vom Bieter ein. Ob er letztlich das Gewünschte bekommt, hängt insbesondere von der Detailtiefe der Leistungsbeschreibung ab, die idealerweise keinerlei Spielraum für Interpretationen lässt. Nach Ruskin: „Es ist unklug zu viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zu viel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zu wenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.“

Eine vorbereitende Planung kann so etwas verhindern. Sie darf aber, um den Ansprüchen gerecht zu werden, nicht an den billigsten vergeben werden, wie bereits ausgeführt. Dafür gibt es auch positive Beispiele. Einzelvergaben an vorher nach Qualitäts- und Zuverlässigkeitskriterien ausgewählte Büros und Firmen, fairer Umgang miteinander und Gespräche unter allen Beteiligten auf Augenhöhe sind dafür Voraussetzung und führen regelmäßig zum Erfolg.

Ein Umdenken in unserer Gesellschaft ist erforderlich. Qualität sollte wieder an erster Stelle stehen und die Orientierung am Preis als Entscheidungskriterium ablösen! Qualität hat ihren Preis – fehlende Qualität aber meist einen deutlich höheren. 
 

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