Bauen

Der Quellepark hat eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern. (Foto: Stadt Nürnberg)

31.07.2020

Entsiegelung statt Bebauung

Der Quellepark: Ein starker Impuls für den Nürnberger Westen

Nach rund zehn Monaten Bauzeit ist der Quellepark im Nürnberger Stadtteil Eberhardshof fertiggestellt und wurde am 28. Juli 2020 der Öffentlichkeit übergeben. Die Geschichte des Areals im Nürnberger Westen ist wechselhaft und spannend. Als 2009 das Quelle Versandhaus Insolvenz anmeldet, geht hier ein die Stadt prägendes Stück Industriegeschichte zu Ende. Das aus dem ehemaligen Parkplatz nun ein grüner Park wird, ist ein deutliches Zeichen für den strukturellen Wandel der Frankenmetropole.

Wie mit dem Lineal gezogen erstreckt sich die Fürther Straße vom Rand der Nürnberger Altstadt bis zur Stadtgrenze. Es ist eine geschichtsträchtige Straße, die sich durch die Stadtteile Gostenhof, Eberhardshof, Muggenhof und Doos zieht. 1835 fuhr hier die erste Eisenbahn in Deutschland. Von 1945 bis 1949 fanden im Justizpalast die Nürnberger Prozesse statt. Hier waren die Werke von Triumpf-Adler, AEG stellte Haushaltsgeräte her und beim Versandhaus Quelle, einer Art Amazon der Wirtschaftswunderjahre, kaufte halb Deutschland per Katalog ein. Vorbei, aber nicht vergessen. Die großen Fabrikgebäude zeugen immer noch von einstiger wirtschaftlicher Größe. Mittlerweile sind zahlreiche kleine Unternehmen hier eingezogen und es herrscht durchaus eine gewisse Aufbruchsstimmung.

Temporärer Stadtgarten

Die starke industrielle Prägung des Nürnberger Westen, bei dem Arbeiten und Wohnen eng miteinander verbunden war, führte aber auch zu einer städtebaulichen Struktur, die bis heute nicht ganz unproblematisch ist. Es gibt wenig Straßenbäume und Grünflächen. Umso wichtiger ist die Entstehung des Quelleparks für die umliegenden Quartiere. Seit der Insolvenz der Quelle im Jahr 2009 steht das ehemalige Versandzentrum leer und der dazugehörige Busparkplatz war eine funktionslos gewordene Asphaltwüste. Da traf es sich gut, dass der gemeinnützige Verein Bluepingu unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft bauen – ökologisch, fair und regional“ das rund 10 000 Quadratmeter große Gelände entdeckte und im Frühjahr 2012 auf dem Parkplatz einen Stadtgarten errichtete. In zahlreichen Kisten und Containern wuchsen seitdem Obst und Gemüse heran. Es entstand eine grüne Oase auf Zeit.

2017 startete eine Bürgerbeteiligung, die zu einer dauerhaften Grünanlage führte. Auf dem Gelände des Quelle-Areals, so der Plan, sollte auf dem Standort des ehemaligen Busparkplatzes zwischen Wandererstraße, Augsburger Straße und Adam-Klein-Straße ein Quartierspark entstehen. Die Idee bestand darin, für das Quartier und seine Bewohner eine qualitativ hochwertige und zum Verweilen einladende Naherholungsfläche zu schaffen und den Menschen im Stadtteil somit einen Ort der Ruhe und Entspannung zu bieten. Das Vorhaben bildet zudem einen konkreten Baustein des kontinuierlichen Stadtentwicklungsprozesses in der Weststadt.

Neben vielen anderen Anregungen und Hinweisen wurde der Wunsch nach einem Nutzgarten beziehungsweise „essbarem Park“ geäußert. Daher wurde im nördlichen Teil des Quelleparks eine sogenannte Gemeinschaftsscholle mit 16 Obstbäumen und einem Pflanzstreifen entlang der Garagen für Obststräucher und Spalierobst angelegt. Um die Verwertung der Früchte sicherzustellen, haben Einrichtungen und Vereine Patenschaften für Obstbäume und Sträucher übernommen. Neben dem Kinderhort Wandererstraße und dem Kindergarten Grünschnabel werden die Einrichtungen HeHanI e.V. und die Beratungs- sowie Vermittlungsstelle Treffpunkt e.V. hier in den kommenden Jahren zusammen mit dem Quartiersmanagement gemeinsame Projekte im Quartierspark durchführen.

Obstbaumpatenschaften

Die Obstbäume wurden bereits Ende Mai, also rund zwei Monate vor der eigentlichen Eröffnung, an die Obstbaumpaten übergeben. Bei der Auswahl der Bäume wurden ausschließlich alte Sorten verwendet, die traditionell in Franken angebaut werden. Unter anderem findet man neben der Fränkischen Hauszwetschge die Birnensorten Köstliche von Charneux und Doppelte Philppsbirne sowie die Apfelsorten Jakob Fischer und Schöner von Herrnhut. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Zur Grundkonzeption des Quelleparks gehört die Einteilung in vier sogenannte Schollen. Die Einteilung weist auf die verschiedenen Nutzungsangebote der Grünanlage hin. Neben der bereits beschriebenen Obstbaumscholle gibt es auch noch die Bewegungsscholle mit einem abwechslungsreichen Angebot von Sportgeräten für Jung und Alt, die baumüberstandene Liegewiese und die Kinderspielscholle mit einem bodengleichen Wasserfontänen-Brunnen.

Vom Parkplatz zum Park. Erstmals hat die Stadt Nürnberg ein Grundstück in dieser Größenordnung erworben, um darauf einen Park zu errichten. Die Einwohnerzahlen der Stadt gehen weiterhin nach oben. Wohnen in Nürnberg ist attraktiver denn je und auch im Umfeld des ehemaligen Quelle Versandhauses kann man rege Bautätigkeiten beobachten. Es wird nachverdichtet und die letzten freien Bauplätze verschwinden. Da ist es umso wichtiger, dass mit dem Quellepark, gewissermaßen gegen den Trend, eine Fläche entsiegelt wird und eine Grünanlage mit großzügigen Rasenflächen sowie vielen Bäumen entsteht. Jeder zusätzliche Baum ist ein Verbündeter gegen den mit dem Klimawandel verbundenen Anstieg der Durchschnittstemperaturen.

Seine Unverwechselbarkeit bezieht der Park durch das stets präsente Quellegebäude. Das Versandzentrum wurde in der Zeit von 1955 bis 1958 errichtet. Als Architekt war mit Ernst Neufert einer der bekanntesten Gestalter der Nachkriegszeit engagiert worden. An der Fürther Straße ist das unter Denkmalschutz stehende Quellegebäude mit seinem hellen Klinker, den durchlaufenden Fensterbändern und der von der Formensprache der Neuen Sachlichkeit geprägten Architektur eines der Wahrzeichen der Stadt.

Mit dem Quellepark hat dieses architektonische Juwel einen neuen Nachbarn gefunden, der ungleich attraktiver ist als die Asphaltwüste des Busparkplatzes. Als grüne Lunge bringt der Park nun Jung sowie Alt zusammen und wird so zum lebendigen Treffpunkt des Stadtteils. (André Winkel)

(Die Bewegungsscholle - Foto: Stadt Nürnberg)

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