Bauen

Die Logistikimmobilie in Holzbauweise im Straubinger Hafen. (Foto: Mareike Schlegel)

06.02.2026

Europas größte Logistikimmobilie aus Holz

Im Straubinger Hafen ist ein Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen in riesigen Dimensionen entstanden

Bayern gehört zu den dynamischsten Logistikregionen Deutschlands. Wegen der geografischen Lage fungiert das Bundesland als wichtige Drehscheibe für den Warenverkehr aus und in Richtung Süd- und Osteuropa. Neben dem Münchner Umland hat sich vor allem Niederbayern zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Logistikstandort entwickelt. Im Zentrum, der Hafen Straubing-Sand. Dort, nur wenige Meter von der Donau entfernt, ist ein Musterbeispiel für nachhaltiges Bauen in riesigen Dimensionen entstanden, die derzeit größte Logistikimmobilie aus Holz in Europa.

Das Objekt mit trimodaler Verkehrsanbindung verfügt über eine Hallenfläche von etwa 24 500 Quadratmetern. Hinzu kommen etwa 1500 Quadratmeter Lagermezzanin sowie ungefähr 1100 Quadratmeter für Büros und Sozialräume. Das Besondere daran: Sowohl das komplette Tragwerk der Halle inklusive Stützen und Binder als auch die Mezzaninebenen und die Fassade bestehen aus Holz. Außerdem wurde der Verladetunnel an der Rückseite des Logistikzentrums und der Aufzugschacht, der die Halle mit der Büro- und Mezzaninebene verbindet, aus dem nachwachsenden Rohstoff errichtet.

Leuchtturmprojekt

Hinter diesem Leuchtturmprojekt, das weit über die Grenzen Bayerns hinaus für Aufmerksamkeit sorgt, stecken das Immobilienunternehmen Garbe Industrial mit Hauptsitz in Hamburg und der Joint-Venture-Partner Logicenters. Beide haben zusammen rund 31 Millionen Euro in die Realisierung investiert und den Beweis erbracht: Der Holzbau ist in der Logistik angekommen. Denn überwiegend kommt der nachwachsende Rohstoff nach wie vor im Büro- und Wohnungsbau zum Einsatz. Im industriellen Hallenbau spielt Holz bislang eher eine untergeordnete Rolle.

Insgesamt rund 4400 Kubikmeter Holz wurden für den Neubau in Straubing benötigt. Es stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft aus PEFC-zertifizierten Wäldern (PEFC: Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes). Für die Konstruktion wurden Fichte und Kiefer aus dem Bayerischen Wald und Österreich verwendet.

Für die Fassade, die rundum eine Gesamtfläche von rund 7600 Quadratmetern ausmacht, kam Douglasie aus dem Schwarzwald als Außenschalung zum Einsatz. Diese Baumart gilt als besonders witterungsbeständig. Allein das Äußere des Objekts hebt sich optisch deutlich von sonst üblichen Logistikimmobilien ab. Insgesamt 4500 Tonnen CO2 sind in der verbauten Holzmenge gebunden.
Als nachwachsender Rohstoff bietet Holz wegen seiner Ökobilanz ganz neue Möglichkeiten, beim Bau von Logistikimmobilien CO2 einzusparen. Für das Gesamtgebäude – ohne Berücksichtigung der Bodenplatte, die aus CO2-reduziertem Beton gegossen ist – reduziert sich der CO2-Fußabdruck um 127 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen Stahlbetonbauweise. Das haben Berechnungen des von Garbe Industrial beauftragten Generalunternehmers Köster ergeben.

Neben der deutlichen Reduktion der CO2-Emissionen zeichnet sich das Gebäude in Straubing durch einen hohen Vorfertigungsgrad und eine auf Kreislaufwirtschaft ausgerichtete Konstruktion aus. Das Objekt inklusive Fassade und Tragwerk wurde nach den Grundsätzen des zirkulären Bauens errichtet. Das bedeutet: Die Immobilie kann im Laufe ihres Lebenszyklus jederzeit demontiert und an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden. Bereits während der Planungsphase wurde im Sinne der Kreislaufwirtschaft Wert gelegt auf rückbaubare Konstruktionen und selektive Rückbaukonzepte.

Die einzelnen Elemente für die Fassade und das Tragwerk wurden vorproduziert, vor Ort zusammengesteckt und mithilfe von Holzschrauben statt mit Dübeln miteinander verbunden. Die 140 Holzstützen, die das Dach tragen, stehen jeweils auf einem ein Meter hohen Betonsockel und sind mit Stahlplatten befestigt. Die Elemente wurden so eingefasst, dass sie bei Bedarf ohne Eingriff in die Gesamtstruktur schneller, sicherer und kosteneffizienter ausgetauscht werden können als bei herkömmlichen Massivbaukonstruktionen.

Verkürzte Bauzeit

Das geringere Gewicht von Holz im Vergleich zu Beton erleichtert nicht nur die Montage, sondern kann auch dazu beitragen, die Bauzeit zu verkürzen. Hebevorgänge, Anpassungen und Befestigungen können schneller ausgeführt werden. Bei einer Größe der Logistikimmobilie wie in Straubing kann das durchaus zwei bis drei Monate weniger ausmachen im Vergleich zur Stahlbetonweise. Weiterer Vorteil: Da die Einzelteile aus Holz weniger wiegen als solche aus Beton, fallen weniger Transporte zur Baustelle an. Statt einem Träger aus Beton kann ein Lkw bis zu acht Stützen aus Holz gleichzeitig transportieren. Weniger Fahrten bedeuten wiederum weniger CO2-Emissionen.

Maßgebliche Unterstützung für den Bau der Logistikimmobilie aus Holz kam vom Zweckverband des Straubinger Hafens. Er stellte als Erbbaurechtsgeber das rund 47 000 Quadratmeter große Grundstück zur Verfügung und fand in Garbe Industrial und Logicenters als Investoren die passenden Partner. Mit dem Projekt kommen alle Beteiligten ihrer unternehmerischen und ökologischen Verantwortung nach und sehen sich als Vorreiter für eine zukunftsgerichtete, nachhaltige Bauweise. (Michael Marcinek)
 

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