Bauen

Westansicht der Peter-Vischer-Schule in Nürnberg. (Foto: simoarts.com)

19.03.2020

Gedrungene Geschosse

Aufstockung des IZBB-Gebäudes der Peter-Vischer-Schule in Nürnberg

In dem 1913/1914 im historistischen Stil von Georg Kuch errichteten Schulgebäude bestand große Raumnot, insbesondere an Klassenräumen. Zudem sollten im Rahmen des Konzepts zum Ausbau des Ganztags die Jahrgangsstufen 5 und 6 der Realschule und des Gymnasiums im gebundenen Ganztag geführt werden.

Schon 2009 wurde der unter Denkmalschutz stehende Altbau um ein weiteres zweigeschossiges Gebäude, das für Ganztagsangebote benötigt wurde, ergänzt. Die Bundesregierung förderte im Zuge des Investitionsprogramms Zukunft Bildung und Betreuung (IZBB) die Erweiterung der Schule.

Um das IZBB-Gebäude städtebaulich vernünftig mit dem Altbestand verbinden zu können, wurde von der Architektengemeinschaft Scherzer/Heid unter der Federführung von Heid + Heid Architekten, Fürth, schon damals entschieden, die Baumasse auf den polygonalen Ursprungsbau mit seinem rustizierten Sockel abzustimmen. So wurde das Gebäude auf die Sockelhöhe des Altbaus bezogen.

Eine Aufstockung wurde beim zweigeschossigen IZBB-Erweiterungsbau von vornherein vorgesehen. So konnte gut zehn Jahre später mit einer viergeschossigen Aufstockung auf den bestehenden, zweigeschossigen Erweiterungsbau begonnen werden. Der Grundriss weist für diese Regelgeschosse jeweils drei Unterrichtsräume, einen Lehrerstützpunkt, einen Differenzierungsraum sowie den „Marktplatz“ aus.

Der Vorteil an dieser Grundriss-einteilung ist, dass die gesamte Fläche als ein Brandabschnitt gesehen werden kann. Auch wenn Bypasstüren den zweiten Rettungsweg sichern, so ist der Gewinn an Transparenz und Variabilität erheblich. Wie an anderen Schulen schon beobachtet, zeichnet sich die Anordnung von Klassenräumen um einen Kommunikationsraum wie dem Marktplatz mit großen Fensterflächen oder weggelassenen Wänden sogar durch eine extreme Ruhe in diesen Bereichen aus. Unterstützt wird diese Einrichtung noch durch den verlegten Teppichboden, der auch optisch und akustisch zur Ruhe beiträgt. Die Marktplätze sind Dreh- und Angelpunkt des neuen pädagogischen Konzepts für die Aufstockung.

Im Süden schließt der Neubau an den viergeschossigen Dreiflügelbau mit Mansardwalmdach mit Giebelgauben und kupfernen Laternen der Peter-Vischer-Schule von 1914 an. Vorgabe des Amts für Denkmalschutz war, eine Fuge zwischen Alt- und Neubau zu schaffen. Deswegen wurde das Treppenhaus zwischen den beiden Baukörpern ein wenig verkröpft. Das Treppenhaus selbst ermöglicht nun den Zugang zwischen Alt- und Neubau über die den verschiedenen Ebenen angepassten Treppen. Zur barrierefreien Erschließung des Bestandsgebäudes wurde vom Haupttreppenhaus des Erweiterungsbaus ein Zugang in die bestehenden Geschosse der Peter-Vischer-Schule geschaffen.

Das Kataster sah eine Blockrandbebauung vor. Das Amt für Denkmalschutz hatte zur Auflage gemacht, dass die Gebäudeoberkante nicht über die Traufkante des Altbaus hinweggehen durfte. So wurden die Geschosse vergleichsweise gedrungen ausgeführt. Für eine zentrale Lüftungsanlage war somit kein Platz vorhanden. Die lichte Höhe zwischen Rohbeton- und abgehängter Decke beträgt lediglich 15 Zentimeter. Somit konzentrierte man sich auf ein dezentrales Lüftungssystem, das den Anforderungen an einen vernünftigen Luftaustausch mit guter CO2-Rate gerecht werden konnte.

Der Digitalpakt für die bayerischen Schulen ermöglichte es, dass alle Klassenräume mit Tablet-PC’s ausgestattet werden konnten. Hierdurch verspricht man sich neben den neuen Recherchier- und Arbeitsmethoden auch den Wegfall von Gewicht im Schulranzen. Das Lernen in den Klassenräumen erfolgt nicht im Frontalunterricht, sondern dezentral. Baulich haben die Klassenräume deswegen keine Hauptausrichtung. Drei Seiten jedes Klassenraums sind daher mit Einbaumöbeln und Einhängetafeln ausgestattet. Lediglich eine Seite musste mit einer Leinwand versehen werden. Jedes Kind hat sein Ranzenfach, seinen eigenen Utensilienkorb, den Garderobenhaken und abschließbare Fächer.

Tische und Stühle werden je nach Arbeitsaufgabe in den Klassenräumen verrückt. Ziel ist es, die Kinder individuell nach Arbeitstempo oder Lerngeschwindigkeit zu betreuen. Die Lehrer müssen demnach nicht mehr vor der Klasse unterrichten, sondern können die Kinder vom Stützpunkt aus betreuen. Die Stützpunkte sind mit Arbeitsflächen und einem Konferenztisch ausgestattet.

Solarstation auf dem Dach

Auf dem Dach ist eine Solarstation eingerichtet. Sämtliche Beleuchtungskörper sind standardmäßig mit LED ausgestattet. Über die Regeltechnik laufen Licht, Heizung, Sonnenschutz und Lüftung. Jedoch können sämtliche technischen Ausstattungsgegenstände individuell bedient werden. Die Oberlichter wurden mit Motoren ausgestattet, um eine Nachtauskühlung zu ermöglichen. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Decken war dies eine Forderung des Bauherrn.

Es gab die Vorgabe, dass Akustikelemente in die Treppenhäuser aufgenommen werden. Hierfür wurde die Künstlerin Barbara Engelhard beauftragt, die Akustikelemente zu gestalten. Die Lochbleche sind so vielfältig und bunt wie die Herkunft der Kinder.

Neben der Aufstockung des IZBB-Baus wurde noch während der Bauphase die Bestandsmensa im Erdgeschoss erweitert. Aufgrund der starken Auslastung der Mensa der Peter-Vischer-Schule, die ein kooperatives Schulzentrum mit Realschulzweig und gymnasialem Zweig ist, musste die Küche und die Essensausgabe von 100 Essensausgaben pro Tag auf bis zu 250 Mahlzeiten erhöht werden.

Durch eine neue Anordnung des Spülbereichs und der Personalräume sowie der Umwidmung eines Aktivraums zum Essbereich konnte vermieden werden, dass ein Anbau oder gar ein Neubau notwendig wurde. Auf dem Grundstück der Peter-Vischer-Schule wäre dies rein räumlich nicht möglich gewesen.

Die Küche wurde mit teils neuen Gerätschaften ausgestattet. Durch eine geschickte Anordnung der Geräte musste der zentrale Küchenbereich nicht vergrößert werden.

Die Stadt Nürnberg versucht, mit diesem Aufwand das optimierte Lernen zu fördern. Dabei haben die Bauherren und die Architektengemeinschaft Scherzer/Heid mit den angesetzten 8 865 000 Euro für das Projekt nicht mehr Geld in die Hand genommen als für solche Bauvorhaben üblich. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt mit rund 1,777 Millionen Euro. (BSZ)

(Knapp neun Millionen Euro wurden in die Aufstockung der Schule investiert. Die Klassenzimmer sind um einen Kommunikationsraum angeordnet - Fotos: simoarts.com)

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