Bauen

Hell und offen präsentiert sich das neue Staatsarchiv. (Foto: Gerhard Hagen)

30.10.2026

Geschichte trifft auf Zukunft

Der Neubau des Staatsarchivs Kitzingen ist das "Gedächtnis Unterfrankens"

Im Neubau des Staatsarchivs in Kitzingen sind die Räumlichkeiten für das „Gedächtnis Unterfrankens“ optimal für seine Nutzung zugeschnitten und alle notwendigen Funktionen an einem Standort konzentriert sowie klimatisch und sicherheitstechnisch überwacht. Der Bezug des Gebäudes konnte termingerecht ab Februar 2026 erfolgen, im Juli 2026 begann eine schrittweise Öffnung des Gebäudes für Besucher.

Rund 75 Millionen Euro investiert der Freistaat Bayern in dieses Projekt. Für die Umsetzung des Bauwerks wurde gezielt das Realisierungsmodell mit einem Totalunternehmer gewählt. Der markante Bau in direkter Nachbarschaft zur historischen Altstadt mit Blickbeziehung zum Main ist durch Fußwege und neu geschaffene Stellplätze gut zu erreichen.

Gute
Flächeneffizienz

Im Rahmen der Heimatstrategie beschloss die Staatsregierung 2015, das Staatsarchiv nach Kitzingen zu verlegen. Bis zum Frühjahr 2026 war es in Würzburg sowohl in der Residenz als auch auf der Festung Marienberg untergebracht – Geschichte traf hier auf Geschichte.

In einem einphasigen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnehmerwettbewerb zeichnete das Preisgericht 2019 das renommierte Hamburger Büro GMP Architekten mit capattistaubach – urbane Landschaften einstimmig mit dem ersten Preis aus. Ziel des Wettbewerbs war die Entwicklung eines städtebaulich, architektonisch, funktional und wirtschaftlich überzeugenden Gesamtkonzepts. Der Siegerentwurf überzeugte insbesondere durch seine gute Flächeneffizienz sowie das ausgewogene Verhältnis von geschlossenen und transparenten Fassadenflächen.

Das Baufeld für das neue Staatsarchiv wurde vorab auf dem sogenannten Deuster-areal so ausgewählt, dass die denkmalgeschützten ehemaliger Bierkeller, Deusterkeller genannt, nicht tangiert werden. Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingung ist es den Planern von GMP Architekten gelungen den neuen Baukörper auf dem Areal so gut zu situieren, dass er sich trotz des großen Volumens wie selbstverständlich in die Topografie einfügt.

Das Gebäude besticht durch sein zeitloses Erscheinungsbild, es ist in drei Baukörper gegliedert und steht auf einem Sockel. Durch diese Gliederung erhält die Baumasse eine gewisse Kleinteiligkeit, die sich harmonisch in das Panorama der angrenzenden Altstadt einfügt, ohne sich aufzudrängen.

Zwei nahezu monolithische Kuben aus rötlich-beigem Travertin-Stein beherbergen das Archiv, sie sind durch einen pavillonartigen, niedrigeren Baukörper miteinander verbunden. Erdgeschoss und Eingangsbereich sind verglast. Das Haus öffnet sich so dem Besucher, während die Archivbereiche und deren Fassaden im Kontrast dazu, der Nutzung entsprechend, geschlossen gestaltet sind.

Im Inneren bietet das Archiv auf einer Nutzfläche von rund 8000 Quadratmetern nach modernstem fachlichem und technischem Standard voll klimatisierte Magazinräume, in denen rund 6000 Meter Rollregale für die Aufbewahrung der Archivalien eingerichtet wurden. Das sind in Summe mehr als 26 000 Regalmeter, in denen aktuell etwa 8 500 000 Archivalien eingelagert werden. Unter diesen idealen Bedingungen werden sie auch kommenden Generationen erhalten bleiben.

Trotz der hohen technischen Anforderungen an die Archivierung erfüllt das neue Gebäude den Passivhausstandard. Die Wärmeversorgung erfolgt regenerativ durch Wärmepumpen, die Erdwärme als Energiequelle nutzen. Hierfür wurden 118 Bohrpfähle aktiviert, die zur Gründung des Gebäudes an der Hanglage ohnehin notwendig waren. Zudem sorgen Flächenkollektoren unterhalb der Bodenplatte für die größtmögliche Nutzung des thermischen Potenzials im Untergrund.

Ausgestattet mit
einer Gaslöschanlage

Für besonders schützenswerte Archivalien sind Teile der Archivräume mit einer Gaslöschanlage ausgestattet. Sie ermöglicht eine direkte Feuerlöschung und verringert die Brandentwicklung bis zum Eintreffen der Feuerwehr. Aufgrund der vielfältigen Archivgüter unterscheiden sich sowohl die Anforderungen an Temperatur als auch an Feuchte innerhalb der verschiedenartigen Archivräume. Zur Einhaltung der Forderungen sind einzelne Räume als Sonderklimazonen konditioniert. Auf den Kuben des Gebäudes ist eine PV-Anlage mit etwa 80 kWp Leistung installiert. Zum Schutz der Archivgüter ist das Staatsarchiv mit einer Einbruch- und Brandmeldeanlage ausgestattet.

Im Staatsarchiv in Kitzingen werden bedeutende Kulturschätze Unterfrankens bewahrt, von Alltagsdokumenten bis zur ältesten Urkunde des Freistaats, einer Schenkungsurkunde Karls des Großen aus dem Jahr 777. Neben klassischen Aufgaben öffnen die Archive zusehends immer mehr ihre analogen und digitalen Türen. Klar ist, moderne Archivarbeit braucht auch moderne Räumlichkeiten. Nach einer Bauzeit von rund drei Jahren sind attraktive, nutzerfreundliche Räume für Mitarbeiter und Besucher entstanden. Geschichte trifft nun auf Zukunft, ein Gewinn für das Staatsarchiv, für die Stadt Kitzingen und für die gesamte Region. (Sophie Gerke, Gottfried Kämpf, Verena Gerber)
 

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