Bauen

Das blau-grün-azurfarbene Farbkonzept der neuen Grund- und Mittelschule in Pfaffenhofen. (Foto: Rolf Sturm)

29.11.2018

Hell, freundlich und modern

Neubau einer Grund- und Mittelschule in Pfaffenhofen/Ilm

Ein moderner Lern- und Lebensort mit kulturellem Herz, so könnte man den Neubau der Grund- und Mittelschule Pfaffenhofen kurz und knapp beschreiben. Bereits an der Außenfassade wird dieser freundliche und lebendige Gesamteindruck deutlich. Die große Kubatur des dreigeschossigen Gebäudes wird durch die leicht zueinander versetzten Baukörper gebrochen, wobei das besondere Fassadengestaltungsmerkmal des konsequent umgesetzten blau-grün-azurfarbenen Farbkonzepts sofort ins Auge fällt.

Inspiriert von der Nähe zum Gerolsbach und der naturnahen Uferlandschaft stellt diese einprägsame und prägnante Farbgebung das übergeordnete Farbkonzept für alle Bauabschnitte im Rahmen der vollständigen Neustrukturierung des Schul- und Sportzentrums Pfaffenhofen dar.

Während im ersten Bauabschnitt – dem Neubau der Dreifachsporthalle – die harmonische Einbettung in die Uferlandschaft mit einer als Wellenspiel gestalteten vorgehängten Plattenfassade realisiert wurde, wird das Farbenspiel bei der Grund- und Mittelschule in die Ebene der Fensterfassade verlegt. Die Einzelfenster werden durch die leuchtend und lebendig wirkenden Alu-Blech-Fassadenplatten zusammengefasst und somit die beiden Baukörper strukturiert. Gleichzeitig tritt die an der Fassadenaußenseite vollständig in schwarz ausgeführte vorgehängte Stülpschalungsfassade optisch deutlich in den Hintergrund.

Mit der Fertigstellung der Grund- und Mittelschule ist nun mit rund 29 Millionen Euro der vorletzte Bauabschnitt in der Gesamtmaßnahme abgeschlossen. Nach der Umsetzung aller Maßnahmen wird das neue Schul- und Sportzentrum mit dem diagonal hindurchfließenden Gerolsbach klar gegliedert sein; auf der nördlichen Uferseite der Neubau der Grund- und Mittelschule und auf der südlichen Uferseite die Sportstätten mit der Turnhalle und dem Schwimmbad als derzeit in Planung befindlichem letzten Bauabschnitt.

Die Beschlüsse zur Umsetzung der Gesamtmaßnahme wurden bereits 2009 gefasst und nach der Durchführung eines VOF-Verfahrens im Jahr 2011 wurde die ARGE köhler-eichenseher-architekten-ingenieure zur Gesamtplanung und Baudurchführung aller Bauabschnitte beauftragt. Eine derartig komplexe Maßnahme einer vollständigen Neustrukturierung eines Schulgeländes mit dem Abriss und Neubau von Schulgebäuden und Sportstätten erfordert nicht nur lange Ausführungszeiträume über mehrere Bauabschnitte, sondern vielmehr auch lange und intensive Planungszeiträume; Zeiträume zur Entwicklung von modernen Raumkonzepten, die in intensiver Auseinandersetzung mit den pädagogischen Konzepten der Schule, aber auch mit Bedacht auf wirtschaftliche, nachhaltige und dauerhafte Lösungen entstehen können. Bei der Umsetzung der neuen Grund- und Mittelschule Pfaffenhofen ist dieses hervorragend gelungen.

Vorrangig bei der funktionalen Anordnung der verschiedenen Unterrichtsräume für die Grund- und Mittelschüler war eine Verzahnung der miteinander genutzten Bereiche. So entstand die Idee der zwei zueinander versetzten Würfel, in deren Mitte sich der gemeinsame Zentralbereich befindet. Prägend für die Ausbildung der beiden Würfel ist die Gruppierung um jeweils einen lichtgebenden Innenhof, um den sich die komplette innere Erschließung der Schule organisiert.

Bemerkenswert ist hierbei, dass sich die vier Treppenhäuser nicht nur als helle und transparente Erschließungszonen darstellen, sondern diese vielmehr als offene und kommunikative Zonen zwischen den Bauteilen filtern.

Als besonderes und eigenständiges Merkmal der Schule ist jedoch die zukunftsorientierte und gleichzeitig zeitgemäße Clusterorganisation der Klassenzimmer hervorzuheben, die speziell für die Grund- und Mittelschule seitens köhler-eichenseher-architekten-ingenieure entwickelt wurde. An den Ost- und Westseiten der beiden Würfel werden zwei Cluster je Geschoss ausgebildet, jeweils auf einer Fläche von rund 620 Quadratmetern; jedes Cluster besteht aus sechs Klassenzimmern, aufgeteilt in zwei Bereiche mit drei Klassenzimmern, einer mittig im Cluster befindlichen Lehrerstation mit Lehrerarbeitsplätzen, eigenständigen WC-Bereichen sowie einem „individuell nutzbaren pädagogischen Raumbereich“.

Klassencluster

Die Zugänge zu allen Klassenzimmern sowie auch zur Lehrerstation sind vollständig verglast – offen und licht, aber nicht vollständig transparent. Entsprechend dem Alter der Schüler, der Schulart, den Anforderungen aus den Ganztagsangeboten sowie dem pädagogischen Konzept der Schule werden unterschiedliche Ausformungen des Klassenclusters auf einer einheitlichen Grundform ausgeführt.

So wird der „individuell nutzbare pädagogische Raumbereich“ im Grundschulcluster zum offenen und fließenden Raumbereich mit Schuhregalen und Sitzmöbeln zum Toben, Schuhe aus- und anziehen oder für eine Auszeit. Statt des dritten Klassenzimmers steht jeweils ein individuell eingerichteter Ganztagesraum zur Verfügung. Im Mittelschulcluster hingegen wird mit zwei verglasten Gruppenräumen für Seminar-, Einzel- oder Gruppenarbeit der pädagogische Raum gefüllt. In den Fluren steht für jeden Schüler ein Spind zur Verfügung. Im Mittelschulganztagescluster wiederum gibt es stattdessen einen offenen Raumbereich mit Bibliotheksregalen und Sofabereichen zum Wohlfühlen.

Neben diesen funktionalen Zusammenhängen und Konzeptüberlegungen wurden verschiedenen Aspekten und Kriterien der Gestaltung von modernen Unterrichtsräumen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Entstanden ist eine helle, lichtdurchflutete und freundliche Schule. Zum einen durch große lichtspendende Fensteröffnungen in den Klassenzimmern und Treppenhäusern, zum anderen aber durch die Verbindung von den zwei Materialien, Holz und Beton, für eine angenehm warme und heimelige Atmosphäre. Die Grundsatzentscheidung der Stadt Pfaffenhofen, die Schule vollumfänglich mit mechanischer Be- und Entlüftung auszustatten und somit eine deutliche Steigerung der Luftqualität in den Klassenzimmern zu ermöglichen, spielt eine zentrale Rolle zur Steigerung des Lernfortschritts.

Besonderes Highlight der Schule ist aber sicherlich die zentrale zweigeschossige Pausenhalle. Auf Beschluss des Stadtrats konnte hier eine voll funktionsfähige Veranstaltungs- und Bühnentechnik mit technisch anspruchsvollen Akustikmaßnahmen umgesetzt werden. Damit bildet die Pausenhalle nicht nur die zentrale Mitte des Gebäudes – das lebendige Herz der Schule –, sondern sie ist gleichzeitig auch die neue Veranstaltungshalle der Stadt Pfaffenhofen – das zukünftige kulturelle Herz der Stadt. In Summe nicht nur eine Vorzeigeschule für modernen Unterricht, sondern auch eine kulturelle Bereicherung für die Stadt Pfaffenhofen. (BSZ)

(Die Aula. Der Flur und der Marktplatz der Schule - Fotos: Rolf Sturm)

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