Bauen

Der Fertigbau ist mit seinem breiten Angebot an nachhaltigen Lösungen gut aufgestellt. (Foto: Friedrich H. Hettler)

07.08.2026

Hohe Fertigbauquote im Freistaat

Der Bundesverband Deutscher Fertigbau besuchte vier Holz-Fertighaushersteller aus dem Bayerischen Wald

Die diesjährige zweitägige Informationsfahrt des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF) fand heuer unter dem Motto „Eine Erfolgsgeschichte: Holz-Fertighäuser aus dem Bayerischen Wald“ statt. Besucht wurden dabei die vier BDF-Mitgliedsunternehmen HBB Holzbau Bayern (Bodenwöhr), Wolf System (Osterhofen), Sonnleitner Holzbauwerke (Ortenburg) und Haas Fertigbau (Falkenberg).

Die HBB Holzbau Bayern GmbH & Co. KG gehört zu den führenden Spezialisten für Holzbau in Bayern. Das inhabergeführte Unternehmen vereint unter seinem Dach die Marken Holzbau Bayern, FischerHaus, das in diesem Jahr 65 jähriges Jubiläum feiert, und Naturholzhaus. Sie stehen für zukunftsorientierten Wohnungs- und Objektbau in Holz- und Holzhybridbauweise sowie für individuelle Einfamilienhäuser in nachhaltiger Holzbauqualität.

Naturholzhaus verzichtet bei den Wänden bewusst auf Folien und synthetische Dampfbremsen. Der diffusionsoffene Wandaufbau ermöglicht es, dass das Haus „atmen“ kann. Schadstoffgeprüfte, emissionsarme Materialien und die antibakterielle Wirkung von Holz machen das Haus zu einem Ort der Erholung und Gesundheit. So entsteht Lebensqualität, die man nicht nur sieht, sondern auch spürt, so Barbara Fuchs, Inhaberin und Geschäftsführerin von HBB Holzbau Bayern.

Jedes Haus ein Unikat

Durch jahrzehntelange Erfahrung, umfangreiche Planungstiefe und eigene Fertigung gelingt es HBB Holzbau Bayern, die Vorzüge des nachwachsenden Werkstoffs Holz in eine große Bandbreite von Projekten einzubringen. Sie reichen vom seriellen Wohnungsbau über komplexe Gewerbe- und Sonderbauten bis hin zu architektonisch anspruchsvollen Einfamilienhäusern.

Bodenständig und leistungsstark, das ist der Fertighaushersteller Wolf System im niederbayerischen Osterhofen. Die fast 60-jährige Erfahrung spiegelt sich wieder in hochwertigen Fertighäusern, Behältern, Hallen sowie Industrie-, Stahl- und Gewerbebauten, aber auch im Design, der Individualität und Nachhaltigkeit. Mit Herz und Leidenschaft arbeiten rund 3200 Mitarbeiter – davon mehr als 1400 in Osterhofen – an 31 Standorten in 19 Ländern. 

Jedes Wolf-Haus ist einzigartig, ein Unikat, und steckt voller durchdachter und kreativer Ideen, so Georg Wenzl, Geschäftsführer der Wolf System GmbH. Der Fertighaushersteller legt größten Wert auf eine individuelle Planung, die exakt auf die Wünsche und Lebensumstände der Kunden zugeschnitten ist. Wolf System verzichtet deshalb auf fertige Typenhäuser und sucht gemeinsam mit den Kunden nach maßgeschneiderten Lösungen – getreu dem Motto: Haustypen statt Typenhäuser, wie Wenzl betont.

Das Thema Ökologie ist nach den Worten des Geschäftsführers schon seit der Unternehmensgründung in der Firmenphilosophie tief verankert. Bauen mit umweltfreundlichen und schadstofffreien Rohstoffen bedeutet für Wenzl, der Umwelt, aber auch den Baufamilien Gutes zu tun.

Aktuell produziert Wolf System in Osterhofen über 230 individuelle und energieeffiziente Holzfertighäuser pro Jahr – Tendenz steigend. Neben Fertighäusern baut das Unternehmen auch stylische Modulhäuser, die binnen kürzester Zeit schlüsselfertig aufs Grundstück gestellt werden können. Frei nach dem Motto: morgens geliefert, abends einzeihen. Speziell für Senioren hat Wolf ein Modulhaus konzipiert, das das Leben im Alter komfortabler und sicherer gestaltet.

Die Sonnleitner Holzbauwerke mit Sitz im niederbayerischen Ortenburg blickt auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurück. Was 1919 als Sägemühle begann, hat sich über ein Jahrhundert hinweg zu einem der führenden Holzhausbauer im deutschsprachigen Raum entwickelt. Nachhaltiges Denken ist bei Sonnleitner seit drei Generationen fest in der DNA verankert, wie auch das Bekenntnis zum Baustoff Holz, betont Firmeninhaber Gotthard Sonnleitner.

In der über 60 000 Quadratmeter großen Fertigungsstätte in Ortenburg entstehen jährlich zwischen 60 und 80 individuelle Holzhäuser. Das tief verwurzelte Know-how der über 100 Mitarbeitenden bleibt der zentrale Qualitätsfaktor. Es werden überwiegend heimische Hölzer verarbeitet. Mit einer Erfahrung aus über 3600 realisierten Projekten und einem Jahresumsatz von über 25 Millionen Euro ist Sonnleitner ein stabiler und verlässlicher Partner im Fertigbau.

Die konstruktive Basis der Sonnleitner-Module bildet die patentierte Twinligna Klimawand. Der doppelwandige Blockbohlen-Wandaufbau zielt speziell auf Sonnleitner-Häuser mit sichtbarer Holzfassade ab. Sie besteht vorwiegend aus regionalem Holz und ist nahezu zu 100 Prozent recyclebar. Die Klimawand ist diffusionsoffen und sorgt für eine ausgeglichene Luftfeuchte sowie ein angenehmes Wohnklima – Sommer wie Winter. Das System bietet zudem einen wirksamen Schallschutz. Auf Wunsch fertigt Sonnleitner die Twinligna-Wand auch mit einer hochwertigen Design-Fassade an, bei der durch das Einfräsen eines dezenten Längsprofils eine attraktive und moderne Optik entsteht.

Virtual Reality

Haas Fertigbau in Falkenberg, einer der führenden Produzenten im europäischen Holzfertigbau, begann 1972 als kleine Zimmerei und beschäftigt heute fast 1000 Mitarbeiter an den Standorten in Falkenberg sowie in Österreich und Tschechien. 2026 plant Haas mit Hausbau, Gewerbe-, Industrie- und Landwirtschaftsbau sowie Konstruktion und Wohnbau rund 225 Millionen Euro Umsatz in der Gruppe, gut 160 Millionen davon in Deutschland.

Kundenindividuelle Planung ist bei Haas fester Bestandteil des Qualitätsverständnisses und gilt für Hausbau und Objektbau gleichermaßen. Mit dem Haas Virtual Studio etabliert das Unternehmen einen innerstädtischen Ort für zeitgemäße Hausbauentscheidungen. Der integrierte Haas Smart Room ermöglicht es Bauinteressierten und Projektverantwortlichen, Vorhaben mithilfe eines realitätsnahen Virtual Reality Erlebnisses räumlich zu erfassen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Grundlage ist ein ganzheitlicher Digitalansatz, bei dem IT, Projektmanagement und Prozessmanagement eng verzahnt zusammenarbeiten und durchgängige Prozesse über alle Geschäftsbereiche hinweg ermöglichen.

Im Rahmen der Informationsfahrt erklärte BDF-Geschäftsführer Achim Hannott zur aktuellen Lage der Branche: „Wir befinden uns in einer Zeit zwischen leichter Markterholung und neuen Unsicherheiten. Viele Eigenheimwünsche und ein immenser Neubaubedarf stehen einer vorsichtigen Investitionsbereitschaft gegenüber. Gründe dafür sind die Kriege im Iran und in der Ukraine, die sich auf Energiepreise und Lieferketten und damit auch auf Materialkosten und Bauzinsen auswirken. Der Fertigbau ist mit seinem breiten Angebot an nachhaltigen Lösungen jedoch gut aufgestellt. Er bietet Lösungen für die beiden wichtigsten baupolitischen Herausforderungen unserer Zeit, nämlich erstens den steigenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum und zweitens die zum Erreichen der Klimaschutzziele notwendige CO2-Neutralität von Gebäuden.“

Die Baugenehmigungszahlen für das erste Quartal 2026 belegen laut Hannott den Aufwärtstrend. Bundesweit wurden von Januar bis März 13 921 Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäuser erteilt, davon 3806 in Fertigbauweise. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet das ein Plus von 14,9 Prozent für den Gesamtmarkt und 20,3 Prozent für den Fertigbau, erklärte der BDF-Geschäftsführer. „Der Marktanteil unserer Branche stieg auf nunmehr 27,3 Prozent an, nach einem Allzeithoch von 26,5 Prozent im Gesamtjahr 2025.“

Noch etwas höher war die Fertigbauquote in den ersten drei Monaten in Bayern, sie lag bei 28,6 Prozent, freute sich Hannott. Von insgesamt 3737 Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser (+19,2 Prozent) entfielen 1069 auf ein Haus in Fertigbauweise (+25,5 Prozent). Die absoluten Zahlen waren in keiner anderen Region höher als im flächengrößten Bundesland. Angesichts der Nachfrage und Vorzüge der modernen Holz-Fertigbauweise erwartet Hannott, dass ihr Anteil an neugenehmigten Gebäuden bundesweit weiter steigen wird. 

Nach Hannotts Worten ist der Bedarf an bezahlbarem und schnell bezugsfertigem Wohnraum ungebrochen hoch. Die politischen Rahmenbedingungen würden sich jedoch nicht merklich verbessern. Für ihn leidet der Wohnungsbau unter zu viel Bürokratie und zu wenig langfristiger Planungssicherheit.

Der BDF steht daher im politischen Diskurs für Wohneigentum, für das serielle Bauen in Neubau und Bestand sowie für den Baustoff Holz. Dabei sind für den Verband Nachhaltigkeit und Resilienz wesentliche Anforderungen für zukunftssichere Gebäude, „an denen wir uns messenlassen wollen“, so Hannott. „Das Kerngeschäft unserer Unternehmen sind individuell gepnate und seriell vorgefertigte Ein- und Zweifamilienhäuser.“ Daneben wachse allerdings die Bedeutung neuer Geschäftsfelder wie der Mehrfamilien-, Geschoss- und Reihenwohnungsbau, der Objektbau, Aufstockungsprojekte, die Quartiersentwicklung sowie serielles Sanieren.

Bauen ist nach Hannotts Worten Vertrauenssache. „Und wenn schon gesamtwirtschaftlich manche Unsicherheiten bestehen und auch das Vertrauen in die Politik eher weniger wird, dann sollen sich zumindest Bauherren von BDF-Unternehmen bei ihren Bau- und Kaufentscheidungen so sicher wie möglich fühlen – mit einer Festpreisgarantie, mit kurzer und verbindlich geregelter Bauzeit sowie einem nachweislich hohen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandard für ihr Gebäude.“ (Friedrich H. Hettler)
 

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