Bauen

Zwischen Augsburg und Ulm soll künftig eine deutlich schnellere ICE-Strecke entstehen. (Foto: dpa/Jan Woitas)

20.05.2026

ICE-Strecke Augsburg–Ulm: Kosten könnten auf 13 Milliarden Euro steigen

Schneller von Augsburg nach Ulm – aber wann und zu welchem Preis? Der Bundestag entscheidet nun über die nächsten Schritte zum ICE-Projekt. Doch zentrale Fragen zu Bauzeit und Kosten sind ungeklärt

Der Bundestag soll an diesem Donnerstag für die weiteren Planungen bezüglich der neuen ICE-Strecke zwischen Ulm und Augsburg grünes Licht geben. Falls das Parlament die nächsten Schritte für das Milliardenprojekt beschließt, werden trotzdem manche Fragen vorläufig noch unbeantwortet bleiben. Insbesondere der voraussichtliche Zeitraum des Baus der Bahnstrecke sowie die konkreten Kosten sind noch unklar. Bislang seien die Haushaltsmittel auch noch nicht gesichert, heißt es in der Beschlussvorlage des Bundestages. Die Debatte um Bahnprojekte in Bayern läuft seit Jahren.

Worum geht es bei dem Projekt?

Die beiden benachbarten Großstädte sollen deutlich schneller miteinander verbunden werden. Die Fernzüge sollen künftig 26 Minuten von einem Hauptbahnhof zum anderen brauchen. Zum Vergleich: Im Moment sind die ICE etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs.

Die Strecke soll dafür so ausgebaut werden, dass die Züge bis zu 300 km/h fahren können. Ein Ziel ist es, die schnellen ICE und die langsameren Regionalzüge besser voneinander trennen zu können. Denn die Verbindung Ulm-Augsburg ist auch eine stark frequentierte Nahverkehrsstrecke. Bislang müssen alle Züge die gleiche Trasse nutzen.

Die Deutsche Bahn (DB) will deswegen die künftige ICE-Strecke überwiegend neu bauen, eng angebunden an den Verlauf der Autobahn 8 (München-Stuttgart). Einzelne Fernzüge sollen allerdings auch künftig unterwegs einen Abstecher auf die alte Strecke und einen Zwischenhalt in Günzburg machen.

Dass Günzburg ICE-Bahnhof bleibt, war eine der Vorgaben der bisherigen Planung. Die Stadt ist auch wegen des deutschen Legoland-Freizeitparks ein beliebtes touristisches Ziel. Die ICE mit Halt in Günzburg werden dann künftig 40 Minuten zwischen Augsburg und Ulm brauchen - kaum schneller als bisher.

Wie teuer wird der Streckenbau?

Nach der Vorplanung geht die DB von Kosten in Höhe von knapp 8,2 Milliarden Euro aus. Dieser Betrag weist zwar bereits einige Risikozuschläge auf, er ist aber auf dem Stand des Jahres 2022 berechnet. Die DB InfraGo, die für Infrastruktur zuständige Bahntochter, hat daraus eine weitere Kostenprognose erstellt. Damit sollen die sich erfahrungsgemäß im weiteren Projektverlauf erhöhenden Investitionskosten berücksichtigt werden, wie in der Bundestagsvorlage erläutert wird. Diese Prognose liegt bei 13,3 Milliarden Euro.

Trotz der enormen Summe sollen etliche Vorschläge aus der Region nicht umgesetzt werden. So wurden weitere Haltepunkte gefordert und zusätzliche Tunnel, beispielsweise um Lärm zu reduzieren. Nach Angaben der Bundesregierung hätten diese Vorschläge noch einmal Kosten von mehr als 8 Milliarden Euro verursacht. Das dann verschlechterte Nutzen-Kosten-Verhältnis würde dazu führen, dass das Projekt insgesamt nicht umgesetzt werden könnte. Teilweise gehe es bei den Forderungen auch um den regionalen Bahnverkehr, wofür nicht der Bund, sondern der Freistaat Bayern zuständig sei.

Welche Bedeutung hat die Strecke?

Die Strecke zwischen Ulm und Augsburg sei eine der meistbefahrenen in Süddeutschland, betont die DB. Denn sie ist nicht nur Teil der Verbindung zwischen Stuttgart und München, darüber hinaus gehört sie zu der europäischen Magistrale von Paris über Wien nach Budapest.

Die bisherige, rund 85 Kilometer lange Schienenverbindung stammt im Kern noch aus der Zeit der Eisenbahnpioniere, die Strecke ist etwa 170 Jahre alt. Das Schienen-Großprojekt zum Ausbau der Verbindung wird seit Jahrzehnten vorbereitet. Im Jahr 2019 ging die DB daran, verschiedene Varianten zu prüfen und eine davon als die sinnvollste herauszuarbeiten. Da durch einen reinen Ausbau der Bestandsstrecke die Geschwindigkeitsziele nicht erreicht worden wären, soll die künftige Trasse weitgehend neu verlaufen.

Worüber entscheidet der Bundestag?

Den Abgeordneten liegt ein mehr als 330 Seiten starkes Dokument vor, in dem die bisherigen Planungsschritte dargelegt werden. Zudem wird erläutert, welche ergänzenden Forderungen aus welchen Gründen abgelehnt werden. Letztlich soll das Parlament die weiteren Schritte für die von der Bahn favorisierte Vorzugsvariante freigeben. Dies wäre ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Realisierung. Anschließend könnte die Detailplanung beginnen.

Wann könnte die Strecke starten?

Auch wenn es ein positives Votum aus Berlin gibt, wird es noch viele Jahre dauern, bis der erste Zug auf der Strecke fährt. Dies liegt auch daran, dass die Finanzierung noch völlig ungewiss ist, da das Bundesverkehrsministerium für den Ausbau von Bahnstrecken in den kommenden Jahren Milliardenlücken in der Finanzplanung sieht.

Unabhängig von dem Neubau plant die DB allerdings auch die Sanierung der historischen Altstrecke, die für den Regionalverkehr große Bedeutung behalten wird. Dieses Projekt ist Teil der laufenden Generalsanierung wichtiger Schienenabschnitte in ganz Deutschland. Die Strecke Augsburg-Ulm sollte ursprünglich 2030 modernisiert werden, mittlerweile ist das Vorhaben jedoch auf das Jahr 2034 verschoben worden. Weitere Diskussionen über Bahn-Ausbau und Infrastruktur laufen weiter. (dpa)

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