Bauen

Ostansicht des Neubaus mit Freiflächengestaltung und Kunstwerk (links). (Foto: Thomas Güra, StBA Würzburg)

23.01.2023

Klare Architektur

Neubau für die mathematische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Auf dem Areal der ehemaligen US-Kaserne „Leighton Barracks“ am Hubland in Würzburg ist ein neues Gebäude für die mathematische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) entstanden. Das Staatliche Bauamt Würzburg realisierte das Projekt in Eigenplanung. Mit einer Größe von rund 900 Quadratmetern steht es autark zwischen zwei ehemaligen Kasernengebäuden, die im Zuge der Konversionsmaßnahme bereits für die mathematische Fakultät umgebaut wurden. Es beherbergt neben Büros für Gast- und Nachwuchswissenschaftler*innen einen Seminarraum sowie offene Bereiche für studentische Arbeitsgruppen. Die Kosten belaufen sich auf rund 2,85 Millionen Euro. Der Baubeginn erfolgte im Oktober 2020. Im Frühjahr dieses Jahres konnte das Gebäude an den Nutzer übergeben werden.

Es entstand ein interdisziplinäres Forschungszentrum für Mathematik, unter Leitung der Humboldt-Professorin Stefanie Petermichl. Ihr wurde 2019 die Alexander-von-Humboldt-Professur, die mit 3,5 Millionen Euro ausgestattet ist und als höchstdotierter internationaler Forschungspreis Deutschlands gilt, verliehen. Ziel der neuen Einrichtung ist es, Kooperationen innerhalb des Instituts für Mathematik und mit anderen Einrichtungen der JMU zu begünstigen. Auch eine Nachwuchsforschergruppe zu Harmonischer Analysis soll entstehen und internationale Wissenschaftler*innen besonders fördern.

Der Neubau ist zwischen den Bestandsgebäuden der mathematischen Fakultät platziert – orientiert sich jedoch in seiner Lage, Ausrichtung und Dimension bereits an den Vorgaben des Rahmenplans. Dieser wurde im Jahr 2010 auf Basis eines Ideenwettbewerbs in Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg entwickelt. Er bildet die strukturelle Grundlage der Konversion des gesamten Areals für die Universität Würzburg. Mit dem aktuellen Neubau ist nun ein weiterer Baustein in der Entwicklung des Campus Hubland Nord fertiggestellt. Sowohl die technische Ausstattung als auch die innere Organisation des Gebäudes ermöglichen einen weiteren Bauabschnitt.

Der Bau markiert die westliche Grenze des Baufelds und gibt einen Ausblick auf die neue städtebauliche Struktur des Rahmenplans, die schrittweise durch verschiedene Neubau- und Erschließungsmaßnahmen am Campus Hubland Nord etabliert wird. Diese umfasst, neben der Aufteilung des Gebiets in themenbezogene Baufelder mit vorwiegender Blockrandbebauung, auch großzügige Grünflächen und – im Endausbau – einen Verzicht auf motorisierten Individualverkehr.

Die nachhaltige Ausrichtung des Rahmenplans wird im Bauvorhaben unter anderem in einer oberflächlichen Regenwasserbewirtschaftung, die in Verbindung mit dem Gründach das Einleiten von Regenwasser in den Abwasserkanal überflüssig macht, umgesetzt. Eine neu geschaffene Platzsituation mit Pergola, Sitzbänken und Bepflanzung erhöht die Aufenthaltsqualität im Freien erheblich und verdeutlicht den Zusammenschluss der drei Gebäude. Baumpflanzungen, wechselnde Strauch-, Wiesen- und Beetflächen tragen dem Artenschutz Rechnung und setzen den ökologischen Gedanken fort.

Der Künstler Olaf Taeuberhahn schuf bereits 1975 für den Standort der Fakultät am Altcampus die Skulptur „Ennepersche Minimalfläche“. Sie wurde nun nach dem neuen Rahmenplan platziert und markiert künftig eindrucksvoll den Zugang zum Campus von Süden.

Das Gebäude ist eine Kombination aus Stahlbeton-Skelettbau und vorgefertigten, elementierten Außenwänden in Holztafelbauweise. Dies unterstützt den nachhaltigen Gedanken des Gesamtcampus. Die Elemente sind gegenüber einem konventionellen Rohbau wirtschaftlich und auch zeitsparend. Durch die geringeren Maßtoleranzen konnten Einbauteile, wie beispielsweise Fenster, nach Plan gefertigt werden. Der Meilenstein „Dichtigkeit Gebäude“ konnte daher schneller erreicht werden und der Innenausbau begann bereits kurz nach Errichtung der Holzwände. Die Fassadenhülle ist atmungsaktiv und bereits in sich gedämmt. Auch der späteren Errichtung eines 2. Bauabschnitts kommen die Vorteile der Hybridbauweise zugute. Diese ermöglicht eine zügige Ausführung und bedeutet für den Nutzer weniger Einschränkungen der genutzten Gebäudeteile.

Anstelle konventioneller Tafeln wurde im Seminarraum ein hinterleuchtetes Whiteboard ausgeführt, das in Verbindung mit weiteren beschreibbaren Flächen im gesamten Gebäude durch seine raumhohen Abmessungen viel Raum für konstruktive Diskussionen verschiedenster mathematischer Fragestellungen bietet.

Der Neubau bietet optimale Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre, bei gleichzeitigem Entwicklungspotenzial für das mathematische Institut und stellt einen weiteren Baustein in der Entwicklung des Campus Hubland Nord dar. (Antina Hemmerlein, Elisabeth Schäfer)
 

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