Bauen

Die Freianlagen wurden vorwiegend als Trockenstandorte mit Granitschotter gestaltet. (Foto: Eva Donat)

27.11.2019

Klare Architektur

Neues Bürogebäude des bfz in Passau

Nach nur 16 Monaten Bauzeit wurde das lichtdurchflutete und technisch auf höchstem Niveau ausgestattete Gebäude fertiggestellt. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) und der Vorstandsvorsitzende des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw), Günther G. Goth, eröffneten den Bau am 9. September 2019 offiziell. Dass der Schulbetrieb planmäßig beginnen konnte, war für den Auftraggeber, die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz), sehr wichtig. Denn der alte Standort in der Passauer Bahnhofstraße war zu klein geworden.

Nachdem ein Baugrundstück mit guter Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr und die Autobahn in nur drei Kilometern Entfernung zur Passauer Stadtmitte gefunden worden war, ging es an die Planung. Die bfz entschieden sich für einen architektonisch ansprechenden und energetisch innovativen Neubau. Er sollte den zeitgemäßen Vorstellungen eines modernen Bildungshauses entsprechen.

Steile Hanglage

Auf einer begrenzten Fläche in steiler Hanglage am südlichen Rand des Donautalraums mussten Büroflächen für rund 40 Mitarbeiter, elf Seminarräume und drei Werkstätten für die Bereiche Elektro, Farbe, Lager-/Logistik und Metall zur Aus- und Weiterbildung entstehen. Außerdem sollten Aufenthaltsräume für Angestellte und Teilnehmer sowie 30 Pkw-Stellplätze untergebracht werden.

Das Auswahlverfahren entschied das Architekturbüro Donath Bickel aus Passau für sich. Der Entwurf für die Organisation der Hauptnutzflächen und der erforderlichen Kfz-Stellplätze überzeugte aufgrund der geschickten Nutzung der vorhandenen Gefällesituation. Ein weiteres Plus: die Einbindung des Gebäudes in die natürliche Topografie in Form gestaffelter Geschosse. Auf diese Weise wurden drei Vollgeschosse mit insgesamt rund 2400 Quadratmetern Brutto-Grundfläche auf einer zweigeschossigen Tiefgarage mit etwa 1800 Quadratmetern Brutto-Grundfläche erreicht.

Nach der Planungsphase und einem EU-weiten Ausschreibungsverfahren wurde im Frühjahr 2018 die Baugrube ausgehoben und anschließend mit den Neubauarbeiten begonnen. Mehr als 50 – meist lokale – Firmen waren an dem Entstehungsprozess des Gebäudes beteiligt. Die tiefe Baugrube stellte eine besondere Herausforderung dar. Die steilen Wände zu den beiden Nachbargrundstücken sowie der höher liegenden Straße wurden durch Bodenvernagelungen und Spritzbeton gegen Abrutschgefahr gesichert.

Die Fassadenelemente aus gedämmten Aluminiumpaneelen als Brüstungsfelder und Wärmeschutzverglasungen – wechselweise als Festverglasungen und Drehkippflügel – lassen Tageslicht in die Innenräume. Sie bieten auch in der unteren Ebene angenehme Arbeitsbedingungen. In die Brüstungsfelder sind dezentrale Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung integriert, die eine aufwendige Leitungsführung überflüssig machen und den Raumverbrauch für Installationswege minimieren.

Das Gebäude erfüllt alle Anforderungen an die Barrierefreiheit. Gleichzeitig weist die Grundrissorganisation eine hohe Übersichtlichkeit auf. Sollten zukünftig Raumänderungen nötig sein, ist dies aufgrund folgender Begebenheiten flexibel möglich: das Tragwerk des Gebäudes in Stahlbeton-skelettbauweise, die konsequente Umsetzung des Fassaden- und Ausbaurasters sowie die Bündelung der technischen Installationen im zentralen Gebäudekern.

Treppenhaus mit Aufzug

Der Hauptzugang zum Gebäude ist auf der mittleren Ebene der Vollgeschosse und liegt an der hangseitig angrenzenden Äußeren Spitalhofstraße. Dort befindet sich der Empfangsbereich, aus dem die Büro- und Seminarräume in alle drei Geschosse erreichbar sind. Die Pausenräume für die Mitarbeiter und Teilnehmer befinden sich an der nördlichen Gebäudeseite. Im Erd- und Obergeschoss steht jeweils eine Terrasse mit Blick über das Donautal zum Aufenthalt zur Verfügung. Im Außenbereich gibt es eine Tischtennisplatte, eine Slackline und eine Boulderwand.

Der Grundriss sieht auf der Ostseite eine Raumtiefe von knapp acht Metern für die Seminarräume und Werkstätten vor. Die Büroflächen auf der Westseite des Gebäudes sind rund fünf Meter tief. Dadurch konnten – in Kombination mit dem Fassaden- beziehungsweise Ausbauraster von 1,35 Metern – Büroräume mit unterschiedlichen Größen gebildet werden.

Im Zentrum der rund 20 Meter breiten und rund 33 Meter langen Geschosse sind das Treppenhaus mit Aufzug, die Sanitärräume sowie die Installationsschächte für die technische Gebäudeausrüstung untergebracht. Zur Bereitstellung der erforderlichen Pkw-Stellplätze befindet sich unter den Vollgeschossen eine zweigeschossige Tiefgarage, die direkt an die talseitige Haitzinger Straße angebunden ist. Weil die Fassade der Tiefgarage am Hang liegt, konnte auf eine mechanische Belüftung verzichtet werden. Diese ist über den zentralen Erschließungskern mit den Vollgeschossen verbunden. In den Untergeschossen befinden sich Lager-, Archiv-, Hauswirtschafts-, Server- und die Anschlussräume der technischen Gebäudeausrüstung. Die Energieerzeugung zur Heizung und optionalen Kühlung des Gebäudes erfolgt umweltfreundlich mittels einer Wärmepumpe.

Trotz eines engen Zeitplans konnte das Gebäude termin- und kostengerecht im Juni 2019 fertiggestellt werden. In knapp eineinhalb Jahren Bauzeit entstand der moderne Neubau der bfz mit hoher Funktionalität und hochwertiger Gestaltung. Hier zeigt sich intelligente Architektur unter Berücksichtigung der Gegebenheiten des Orts, städtebaulicher, gestalterischer und ökologischer Aspekte sowie der Anforderungen an ein zeitgemäßes Fortbildungs- und Bürogebäude.

Von den Gesamtkosten in Höhe von 8,7 Millionen Euro hat der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 3,5 Millionen Euro übernommen, weitere 700 000 Euro kamen aus Mitteln des bayerischen Wirtschaftsministeriums. (Philipp Donath)

(Der Neubau des bfz in Passau - Foto: Eva Donath)

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