Bauen

Der Wartebereich des neuen medbo Zentrums. (Foto: medbo KU, Katharina Tenberge-Holzer)

12.03.2026

Licht als zentrales Element

Das neue medbo Zentrum für Psychosomatik und Psychiatrie Parsberg

Wer in Parsberg Hilfe sucht, soll nicht erst Wege bewältigen müssen – weder geografisch noch organisatorisch. Genau darauf zielt der Neubau des medbo Zentrums für Psychosomatik & Psychiatrie ab: Kurze Wege, ein gebündeltes Angebot und ein Haus, das mit seiner Architektur Ruhe und Orientierung stiftet.

Wie wichtig dieses Angebot für die Region ist, betont Bezirkstagspräsident Franz Löffler (CSU): „Psychische Gesundheit entscheidet darüber, ob jemand arbeiten kann, Familie tragen kann, am Leben teilnimmt. Mit Parsberg stärken wir die Versorgung dort, wo sie gebraucht wird: verlässlich, wohnortnah und so aufgestellt, dass ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlung ineinandergreifen.“

Nach rund drei Jahren Bauzeit eröffneten die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) im Februar 2026 das neue Zentrum mit 25 vollstationären Betten, zehn teilstationären Plätzen (Tagesklinik) und einer integrierten psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) – baulich verbunden mit dem Haus der Gesundheit. Geplant wurde das Projekt von Kerschberger Architekten GmbH.

Das Grundstück zwischen Lupburger Straße und Aschenbrenner Straße gilt als anspruchsvoll, beengt, mit deutlicher Neigung. Die Planung reagierte darauf nicht mit brachialem Ausgleich, sondern mit einem präzisen Dialog mit der Topografie. Kerschberger Architekten integrierten den Baukörper in den Hang und ordneten die Funktionen so, dass Erschließung und Alltag funktionieren: Tiefgarage im zweiten Untergeschoss mit Zufahrt von der Lupburger Straße; im ersten Untergeschoss Ambulanz, Therapieflächen sowie Untersuchungs- und Behandlungsräume; im Erdgeschoss Tagklinik und stationärer Bereich, ebenerdig erreichbar von der Aschenbrenner Straße.

Warme Braun-
und Beigetöne

Technik- und Nebenflächen rücken hangseitig in unbelichtete Bereiche. So entsteht eine klare vertikale Gliederung: kurze interne Wege, logische Ebenen, unterschiedliche Zugänge – und zugleich städtebauliche Zurückhaltung.

In der Psychosomatik und Psychiatrie entscheidet die Umgebung mit – über Sicherheit, Anspannung, Orientierung. Der Neubau übersetzt diesen Anspruch in eine einfache, aber konsequent durchgearbeitete Idee: Licht als zentrales Element.

Weil das Gebäude die verfügbare Fläche nahezu ausnutzt, strukturieren zwei großzügige Lichthöfe das Volumen. Sie holen Tageslicht tief ins Haus und sorgen dafür, dass sogar das erste Untergeschoss natürlich belichtet wird. Breite, helle Flure vermeiden Enge, unterstützen die Orientierung und nehmen dem Gebäude das Gefühl der Institution. Dazu kommen bodentiefe Fenster, die den Innenraum eng mit dem Außenraum verzahnen – ein architektonischer Gegenentwurf zu Abschottung und Dunkelzonen.

Die Architektur setzt damit ein Zeichen, das zur Aufgabe passt: Wer mit Erschöpfung, Schmerzen, innerer Unruhe oder Depression kommt, braucht einen Ort, der Stabilität ausstrahlt – und der sich nicht wie ein Verwaltungsapparat anfühlt.

Auch die Innenarchitektur folgt diesem therapeutischen Grundsatz. Weiß, natürliche Holzelemente und warme Braun- und Beigetöne in der Fassade schaffen eine ruhige Grundstimmung; Einbaumöbel aus Holz geben dem Haus Wohnlichkeit.

Transparenz prägt auch den Betrieb: Verglaste Stützpunkte erleichtern den Kontakt zwischen Patientinnen, Patienten und Mitarbeitern. Punktuell gesetzte Farbakzente geben Orientierung und markieren identitätsstiftende Punkte im Gebäude. Trotz enger Grundstückssituation bleiben Freiräume: Westseitig entstanden Terrassenbereiche als Rückzugs- und Therapiezonen – kurze Wege nach draußen, ohne das Setting zu verlassen.

Gründach verbessert
das Mikroklima

Ein extensives Gründach verbessert das Mikroklima und fügt das Haus ruhiger in sein Umfeld ein. Gleichzeitig planten Bauherr und Architekt vorausschauend: Die Konstruktion erlaubt eine Aufstockung um zwei weitere Stationen.

Auch die Finanzierung des neuen medbo Zentrums unterstreicht den Infrastrukturgedanken: Insgesamt fließen rund 20,4 Millionen Euro in den Neubau; der Freistaat Bayern fördert mit 14,6 Millionen Euro, die Stadt Parsberg beteiligt sich mit 400 000 Euro an der Parkgarage; rund 5,4 Millionen Euro tragen Bezirk Oberpfalz und medbo aus Eigenmitteln.

Der Betrieb startet schrittweise im März und April 2026; gebaut wurde von November 2022 bis Ende 2025. Das Zentrum arbeitet mit einem multiprofessionellen Team; insgesamt entstehen 30 Vollzeitstellen.

Bauen im Gesundheitswesen bedeutet oft: Technik, Normen, Taktung. Parsberg zeigt, dass es zusätzlich um etwas anderes gehen muss: um Atmosphäre, Orientierung, Schwellen. Der Neubau beantwortet diese Aufgabe mit einfachen, aber konsequenten Mitteln – Licht, Klarheit, Sichtbeziehungen, Materialruhe, Freiraum. Und er nutzt die Hanglage nicht als Problem, das man verstecken müsste, sondern als Ausgangspunkt für eine funktionale und städtebaulich stimmige Lösung.

So entsteht in Parsberg ein Standort, der Versorgung erweitert – und zugleich demonstriert, wie Architektur im psychiatrisch-psychosomatischen Kontext wirken kann: nicht als Kulisse, sondern als Teil des Therapiealltags. (Johannes Müller)
 

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