Bauen

Die neue Werkstätte für Menschen mit psychischer Behinderung. (Foto: Florian Holzherr)

26.02.2016

Licht und frische Luft

Werkstatt-Neubau der Lebenshilfe in Ingolstadt

Am Freitag, den 16. Oktober 2015, wurde der von der Lebenshilfe errichtete Neubau einer Werkstätte für Menschen mit psychischer Behinderung mit 120 Plätzen offiziell eröffnet.
Die in diesem Neubau angebotenen tagesstrukturierenden Angebote für Menschen mit psychischer Behinderung gliedern sich in die zwei Bereiche Berufsbildungsbereich und Arbeitsbereich. Die berufsbildenden Angebote erstrecken sich über zwei Jahre und setzen beim individuellen Leistungsniveau des Mitarbeiters mit Behinderung an. Ziel ist es das Potenzial jedes Einzelnen nach und nach wieder zu entfalten.

Teilnahmevoraussetzung ist die Befürwortung der Maßnahme durch den zuständigen Rehabilitationsberater der Agentur für Arbeit oder der Deutschen Rentenversicherung. Über ein Orientierungspraktikum kann man einen Einblick in die Förder- und Beschäftigungsmöglichkeiten der Beruflichen Bildung erhalten. Letztlich entscheiden die Kostenträger über die Aufnahme sowohl in den Berufsbildungsbereich als auch in den Arbeitsbereich der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM).
Im Arbeitsbereich werden folgende Angebote vorgehalten: Industriemontage; Garten- und Landschaftspflege; Kochküche/Hauswirtschaft; Bürodienstleitung/Pforte sowie Lagerlogistik.
Die Teilhabe am Tagesablauf der Werkstätte mit ihren personenorientierten Angeboten dient der beruflichen und persönlichen Stabilisierung des Menschen mit psychischer Einschränkung und bereitet im Weiteren auch die Integration auf externe Arbeitsplätze vor. Ein wichtiger Zwischenschritt kann hierbei im Einzelfall auch eine Tätigkeit im LieblingsCafé der Lebenshilfe Werkstätten sein.
Neben der individuellen Förderung am Arbeitsplatz bilden Lernmodule zu Arbeits- und Persönlichkeitskompetenzen die Basis für das Arbeiten in der Lebenshilfe. Hierzu bietet das Fachpersonal pädagogische Unterstützung und individuelle Hilfestellung an. Neben der Arbeit spielt auch das gemeinsame Miteinander eine wichtige Rolle, das Kollegen auch während des Arbeitstags sowie bei arbeitsbegleitenden Kursen und bei sportlichen Aktivitäten, die in den Arbeitsalltag integriert sind, erfahren können.

Die jetzt räumlich verbesserten Beschäftigungsbereiche der neuen P-Werkstätte bieten eine Bereicherung für den Personenkreis Menschen mit psychischer Behinderung, indem die Individualität des Mitarbeiters und seine Entwicklungspotenziale in enge Verzahnung mit der Arbeits- und Lebenswelt der Wirtschaft in der Region 10 gebracht werden.

Baukosten:
8,5 Millionen Euro


Die Lebenshilfe Werkstätten betreuen derzeit über 900 Menschen mit einer Behinderung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der gesamten Region 10 finden hier Arbeit, ein soziales Miteinander sowie zahlreiche Möglichkeiten sich fachlich und persönlich weiter zu entwickeln.
Das Betreuungsangebot der Lebenshilfe umfasst Werkstätten in Ingolstadt, Gaimersheim und Neuburg/Donau, Wohnbereiche, Förderstätten in Gaimersheim und Neuburg/Donau, den Hand-in-Hand-Laden, eine Reittherapie- und Begegnungsstätte auf Gut Aufeld in Hagau, ein Lern- und Ausbildungszentrum, das LieblingsCafé in der Goethestrasse, einzelbetreute Außenarbeitsplätze sowie Angebote der Offenen Hilfen.

Im Jahr 2002 haben die Lebenshilfe Werkstätten mit acht Personen begonnen Menschen mit einer psychischen Behinderung in einem eigenen Bereich zu unterstützen. Heute werden in diesem Bereich bereits 95 Personen betreut, durch den Neubau wurde nun unter einem Dach Platz für 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen.

Mit der Planung der neu erbauten P-WfbM der Lebenshilfe Werkstätten für Menschen mit psychischer Behinderung beauftragt war das Ingolstädter Architekturbüro OFICINAA architektur+städtebau. Die Baukosten beliefen sich auf rund 8,5 Millionen Euro netto. Bauzeit war vom September 2013 bis Juli 2015. Der Neubau ist 68 Meter lang sowie 63 Meter breit und hat eine Nutzfläche von rund 4000 Quadratmetern, davon sind 520 Quadratmeter Lager.

Bereits im Dezember 2012 wurde den Lebenshilfe Werkstätten der Region 10 GmbH eine staatliche Baukostenförderung von bis zu 3,4 Millionen Euro verbindlich vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration zugesagt. Ein Teil dieser Fördermittel stammt von der Agentur für Arbeit und vom Bezirk Oberbayern.

Die neue Werkstätte der Lebenshilfe bietet für Menschen mit einer psychischen Behinderung gut ausgestattete Arbeitsplätze, die technisch auf dem neuesten Stand sind. Arbeitssicherheit der Mitarbeiter, wirtschaftliche Effizienz und langfristige Flexibilität stehen im Vordergrund, dafür wurden die Waren- und Arbeitsabläufe differenziert geplant, betont Architekt C. Alexander Häusler vom mit der Planung beauftragten Büro. Die Räume der neuen Werkstätte schaffen eine Atmosphäre der Gelassenheit, der Offenheit und der Gemeinschaft.

Weit spannende Betonfertigdecken und kleinere Aufteilungen in Trockenbauweise, optimieren das Gebäude für die funktionellen Anforderungen auf kostengünstige Weise und machen die Arbeitsbereiche für sich ändernde Anforderungen langfristig flexibel.

Die Gestaltung reduziert sich laut Häusler auf das Wesentliche und rückt damit die Menschen in den Vordergrund. Sie versucht mit Ruhe und Großzügigkeit den Mitarbeitern einen Rückhalt im Arbeitsalltag zu bieten, sodass sich diese idealerweise wieder in den regulären Arbeitsmarkt eingliedern können.
Ein geräumiger, möblierter Hauptflur verbindet die verschiedenen Bereiche des Gebäudes und dient auch als Pausen- und Aufenthaltsbereich. Vier verglaste und begrünte Innenhöfe bringen Licht und frische Luft in die Arbeitsräume und bieten im Alltag einen Ausblick auf die Natur und die Jahreszeiten. Gleichzeitig können sich dort die Mitarbeiter in einer Rosenlaube entspannen, sich bei einem Fußfühlpfad selbst erleben oder beim Tischtennisspiel gemeinsam sportlich sein, beschreibt Häusler den Neubau.

Die Baumaterialien sind einfach gehalten, der notwendige Beton bleibt sichtbar, große Glasflächen ermöglichen den Blick nach draußen und das für die verschiedensten Einbauten verwendete Eschen-Holz bietet Wärme, erklärt der Architekt. „Mit der Stille der Materialien und Farben wird das Gebäude zu einem ruhenden Gefäß, welches die heterogene Umgebungslandschaft und den Arbeitsalltag einlässt.“ (FHH)

(Große Glasflächen und vier Innenhöfe lockern den Neubau auf - Fotos: Florian Holzherr)

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