Bauen

Das neue Gerätehaus der Feuerwehr Treuchtlingen. (Foto: Maier + Hertlein Architekturbüro)

04.04.2023

Markanter Übungsturm

Neubau eines Stützpunkt-Feuerwehrgerätehauses in Treuchtlingen

Nach 87 Jahren im alten, sehr beengten und mittlerweile überhaupt nicht mehr zeitgemäßen Gerätehaus im Zentrum von Treuchtlingen konnten am 26. November 2022 die Treuchtlinger Floriansjünger in ihr neues Domizil umziehen (Planung: Maier + Hertlein architekturbüro). Das neue Feuerwehrgerätehaus befindet sich auf einer Konversionsfläche an der Elkan-Naumburg-Straße innerhalb der Treuchtlinger Kernstadt. 2018 bot sich der Stadt die Gelegenheit, das Gelände einer ehemaligen Fabrik zu erwerben, um hier das neue Gerätehaus zu bauen. Das Grundstück liegt in einem Gewerbegebiet, nördlich und südlich davon befinden sich zwei kleinere Gewerbeeinheiten, auf der Rückseite des Grundstücks grenzt direkt der Kurpark an.

Das neue Gerätehaus ist in seiner Längsausdehnung parallel zur Elkan-Naumburg-Straße angeordnet. Der Gebäudekörper springt gegenüber der Straße zurück, um den nötigen Stauraum für die Einsatzfahrzeuge vor den Toren zu schaffen. Alle acht Tore der Fahrzeughalle und das Tor zur Rüst- und Waschhalle münden somit direkt auf die davorliegende Straße. Auf der Rückseite des Gebäudes befindet sich ein großzügiger Parkplatz für die alarmierten Einsatzkräfte, der auch als Übungsbereich genutzt werden kann.

Baukörper
mit Lochfassade

Die Zufahrt erfolgt unabhängig von der Alarmausfahrt, sodass im Einsatzfall Kollisionen ausgeschlossen sind. Auch der Zugang im Alarmfall erfolgt über einen separaten Eingang direkt vom Parkplatz auf der Gebäuderückseite. Über die beiden Umkleideräume gelangen die Feuerwehrleute direkt in die Fahrzeughalle, um hier die Einsatzfahrzeuge zu besetzen.

Wenn man aus der Innenstadt in Richtung Gerätehaus fährt, fallen einem als erstes der anthrazitfarbene Übungsturm und der markante Balken in Feuerwehrrot RAL 3000 mit dem schwarzen Schriftzug „Feuerwehr Treuchtlingen“ über der Fahrzeughalle und den anthrazitfarbenen Toren auf. Die Farbkombination ist natürlich aus dem Thema Feuerwehr im Allgemeinen und dem Farbkonzept der Treuchtlinger Wehr im Speziellen entstanden. Die Treuchtlinger Feuerwehr verwendet an ihren neueren Fahrzeugen anthrazitfarbene Elemente und Beschriftungen in Schwarz. Gegenüber den Akzenten in Feuerrot und Anthrazit hält sich das Bauwerk ansonsten farblich zurück, dezent in Weiß und einem hellen Grau gehalten.

Auch bei der Fassadengestaltung an sich wurde auf eine ruhige und zugleich klare Optik Wert gelegt. Es ist ein Baukörper mit einer sogenannten Lochfassade entstanden, die auch dem Geldbeutel der Stadt Rechnung trägt. Aufgrund der begrenzten Finanzmittel wurde generell ein spezielles Augenmerk auf preiswerte und gleichzeitig ansprechende Lösungen gelegt. Durch den betont zurückgesetzten Haupteingang gelangt man von der Südseite aus in das zentrale Foyer. Von hier aus erreicht man im Erdgeschoss einerseits das Kommandantenbüro mit der angeschlossenen Einsatzzentrale und auf der anderen Seite den großzügigen Aufenthaltsraum mit Küchen- und Thekenbereich.

Über eine lichte Stahltreppe wird das Obergeschoss erschlossen. Im südlichen Bereich befinden sich hier weitere Büroräume, der Jugendraum, Sanitäranlagen und die zentrale Kleiderkammer für alle Feuerwehren der Gemeinde. Nach Norden hin ist der große Schulungsraum angeordnet. Er kann bei Bedarf, mittels mobiler Trennwand, in zwei kleinere Einheiten unterteilt werden. Hierdurch wird dem Wunsch an eine größtmögliche Flexibilität Rechnung getragen, gerade auch in Hinblick auf die, teils landkreisweiten, Schulungen und Ausbildungsmaßnahmen, die in Treuchtlingen abgehalten werden.

Foyer und Flure im Verwaltungstrakt sind mit einem Kautschukbelag mit Rundnoppe belegt, der den technischen Grundcharakter des Gebäudes thematisiert. Der stumpfe Türkiston des Noppenbelags harmoniert bestens mit den orangefarbenen Wänden. Abgerundet wird die Farbkombination durch Türblätter in einem helleren Türkis und Sockelleisten und Türzargen in Anthrazit. Im Gegensatz zu den farbintensiven Verkehrsflächen sind die Nutzräume dezent gehalten. Decken und Wände in Weiß, der Boden ist mit Industrieparkett aus Eiche belegt, das eine optische Wärme ausstrahlt. Als Akzent dienen die türkisfarbenen Türblätter mit ihren anthrazitfarbenen Zargen.

Neben dem Verwaltungsbereich erschließt das Foyer auch die große Fahrzeughalle. Hier ist Platz für bis zu acht Einsatzfahrzeuge und Anhänger. Im vorderen Hallenbereich stehen die erstausrückenden Fahrzeuge. Hier befinden sich auch die Zugänge aus den beiden Umkleideräumen und der zentrale Informationsbereich mit dem Alarmmonitor, auf dem die aktuellen Einsätze angezeigt werden. Per Knopfdruck lassen sich von hier aus auch die Hallentore öffnen.

Weiter hinten in der Fahrzeughalle befinden sich die Zugänge zum Werkstatt- und Lagerbereich sowie zur kombinierten Rüst- und Waschhalle. Letztere kann zudem von den Ortsteilfeuerwehren genutzt werden, die hier ebenfalls ihr benutztes und kontaminiertes Einsatzmaterial gegen neues austauschen können. Hierfür grenzen direkt and die Rüst- und Waschhalle zwei Schleusenräume an, die eine Schwarz-Weiß-Trennung ermöglichen.

Mit dem Neubau hat man alle technischen Dienste für die gesamte Gemeinde zentralisiert. Eine Schlauchtrocknung im Turm ist durch die Kompaktanlage heutzutage nicht mehr nötig, weswegen der Feuerwehrturm als reiner Übungsturm erstellt wurde. Der Turm ist ein sogenannter Vollturm, der Rettungsübungen mit Steckleiter und Drehleiter aus Höhen von bis zu 21 Metern ermöglicht. Aufgrund der kompletten Verkleidung mit Sandwichpaneelen ist es zudem möglich den Innenraum zu vernebeln und den Innenangriff mit Atemschutztrupps zu simulieren. Der Übungsturm wurde so angeordnet, dass er zugleich als zweiter baulicher Flucht- und Rettungsweg für das Obergeschoss genutzt werden kann. (Martin Hertlein)
 

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