Bauen

Die Brücke befindet sich unmittelbar vor dem Ortseingang von Hammelburg. (Foto: Nürnberg Luftbild, Hajo Dietz)

12.03.2019

Massive Schäden am Tragwerk

Ersatzneubau der Saalebrücke Hammelburg

Die Stadt Hammelburg liegt im Regierungsbezirk Unterfranken im südwestlichen Teil des Landkreises Bad Kissingen. Das Bauwerk Saalebrücke Hammelburg befindet sich im Zuge der Staatsstraße 2790 (ehemals B 27) unmittelbar vor dem Ortseingang von Hammelburg. Es überspannt bei Flusskilometer 26,4 die Fränkische Saale, ein Gewässer I. Ordnung, einen Geh- und Radweg, einen Wirtschaftsweg sowie parallel zum Fluss verlaufende Entwässerungsgräben.

Aufgrund seiner Verbindungsfunktion zwischen dem Bahnhof von Hammelburg und dem Bundeswehrstützpunkt Lager Hammelburg wurde das alte Bauwerk in der Vergangenheit mit schwerem militärischen Gerät befahren, was zu massiven Schäden am Tragwerk geführt hat (Schubrisse in den Stützenbereichen). Im Zuge der Abstufung der Bundesstraße B 27 zur Staatsstraße St 2790 wurde der Ersatzneubau nun realisiert.

Die umgesetzte Planung des Ersatzneubaus wurde in enger Abstimmung mit der Stadt Hammelburg entwickelt. Es wurden verschiedene Varianten im Stadtrat präsentiert und diskutiert. Man kam überein, dass die Variante mit einem Fahrbahnteiler auf der Westseite vor dem Bauwerk, einem kombinierten Geh- und Radweg auf der oberstromigen Kappe sowie ein Kreisverkehr östlich der Brücke für alle Beteiligten die beste Lösung darstellt. So wurde die Lage der Brücke in der Sichtachse vom Marktplatz in Hammelburg und dem Schloss Saaleck, dem Wahrzeichen der Stadt, gewählt.

Mit den Arbeiten des Ersatzneubaus wurde im Herbst 2015 begonnen und der Verkehr konnte bereits noch vor Weihnachten 2016 auf das neue Bauwerk verlegt werden. Bis auf eine zwölftägige Vollsperrung für die Asphaltierungsarbeiten ohne Mittelnaht erfolgten alle Arbeiten unter Aufrechterhaltung des Verkehrs.
Das neue Brückenbauwerk ist ein siebenfeldriger Spannbeton-Plattenbalken mit zwei Stegen. Die lichte Weite der Konstruktion beträgt 171,45 Meter, die Breite zwischen den Geländern 11,50 Meter. Die Stützweiten betragen 22,50 Meter, 3 x 27,00 Meter, 29,00 Meter, 21,50 Meter und 18,75 Meter.

Die Konstruktionshöhe von 1,15 Metern ergibt eine Schlankheit von 1/25. Die lichte Höhe ergibt sich aus den Vorgaben des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen und richtet sich nach einem 100-jährlichen Hochwasser zuzüglich einem Freibord von einem Meter. Im Hinblick auf den Hochwasserabfluss wurde der Abflussquerschnitt optimiert. Durch zurückgesetzte Widerlager und kleinere Pfeilerquerschnitte konnte eine Vergrößerung von im Bestand 276,50 Quadratmetern auf 305,50 Quadratmeter erzielt werden. Der Überbau wurde konventionell auf einem Traggerüst in drei Abschnitten hergestellt.

Natursteinoptik
bei den Unterbauten

Dem Wunsch der Stadt, die Unterbauten in Natursteinoptik herzustellen, wurde durch den Einsatz einer Matrizenschalung Rechnung getragen. Ein weiteres gestalterisches Merkmal der neuen Saalebrücke sind die längeren Kappenschürzen, hinter denen sich ein Großteil der Versorgungsleitungen verstecken lässt.
Westlich der Brücke wurde ein Fahrbahnteiler errichtet, der das sichere Queren der Radfahrer garantiert. Die Reduzierung der Geschwindigkeit vor dem Bauwerk bereits auf 50 km/h ermöglichte zudem einen Neubau ohne zusätzliche Schutzeinrichtungen auf den Kappen. Die gemäß RPS 2009 erforderliche Mindestschrammbordhöhe von 15 Zentimetern in Verbindung mit einem Geländer mit Stahlseil wurde berücksichtigt.

Auf der Ostseite schließt sich eine Stadtstraße (Weihertorstraße) an die Staatsstraße St 2790 an. Die Ausbildung des Knotenpunkts als Kreisverkehr wurde ebenfalls intensiv mit der Stadt Hammelburg abgestimmt. Nachdem der Verkehrsfluss über die Weihertorstraße in die Stadt Hammelburg hinein die Bagatellgrenze überschreitet, ist die Stadt kostenbeteiligt.

Durch den Ersatzneubau der Brücke und die damit verbundene Dammverbreiterung wurde in den Überschwemmungsbereich der fränkischen Saale eingegriffen. Der etwa 4685 Kubikmeter große Retentionsraum, der durch das Zurücksetzen der westlichen Uferböschung der fränkischen Saale verloren ging, konnte etwa 200 Meter nordwestlich der Saalebrücke und somit ortsnah ausgeglichen werden.

Im Herbst 2016 bekundete die Technische Universität München (Lehrstuhl für Massivbau) ihr Interesse, im Zuge des Rückbaus der alten Saalebrücke Versuche durchzuführen, um die maximale Querkrafttragfähigkeit von in Längsrichtung vorgespannten Plattenbalken experimentell zu ermitteln. Hierfür wurde auf der Fahrbahn eine Belastungsvorrichtung aufgebaut, die jeweils an zwei Pfeilerachsen verankert war. Die Versuchsdurchführung zur Ermittlung der Durchlaufwirkung erfolgte ausschließlich am Mittelträger der drei Brückenstege (fünf Stück).

Diese Untersuchungen ergänzen aktuell laufende theoretische und experimentelle Untersuchungen im Labormaßstab. Durch die Einbeziehung realer Bestandsbauwerke können die an neuen Versuchskörpern durchgeführten experimentellen Untersuchungen im Labormaßstab (Durchlaufträger mit Bauteilhöhen bis 80 Zentimetern) validiert werden und insbesondere auch Maßstabseffekte analysiert werden. Die Versuchsdurchführungen fanden in der Zeit von Juli bis Ende September 2017 statt. Somit konnte der Abbruch des Bestandsbauwerks erst im Herbst 2017 beginnen.

Die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme Ersatzneubau der Saalebrücke Hammelburg konnte im Frühjahr 2018 besiegelt werden. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf sechs Millionen Euro, einschließlich der Kosten für die Durchführung der Querkraftversuche. Die Kosten trägt, noch im Zuge der Abstufung der B 27 zur St 2790, der Bund, abzüglich des Kostenanteils der Stadt Hammelburg für den neuen Kreisverkehr im Bereich der Weihertorstraße. (BSZ)

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