Bauen

Der aufgeständerte Modulbau über einer Parkplatzfläche. (Foto: STBAA, Matthias Köhn)

10.11.2023

Neubau über einem Parkplatz

Ein Modulbau für die Technische Hochschule Augsburg – Umsetzung der Hightech Agenda Bayern

Nachhaltiges Bauen in Hochgeschwindigkeit kann funktionieren, aber auch Schwierigkeiten hervorrufen. Beide Seiten zeigt der neue zweigeschossige Modulbau an der Technischen Hochschule Augsburg, der im Zuge der Hightech Agenda unter der Leitung des Staatlichen Bauamts Augsburg ressourcenschonend aus Holz und zugleich flächensparend über einem Parkplatz errichtet wurde.

Im Rahmen der Hightech Agenda, welche die bayerische Staatsregierung im Oktober 2019 auf den Weg brachte, investiert der Freistaat rund 5,5 Milliarden Euro in Forschung und Wissenschaft. Rund 550 Millionen Euro stehen hierbei für Bau- und Sanierungsprojekte in ganz Bayern zur Verfügung. In diesem Zuge wurde auch ein Programm für Modulbauten an den Universitäten und Hochschulen im gesamten Freistaat gestartet. Es sollen neue Räume sowohl für die derzeitigen Studierenden und Mitarbeitenden als auch für die bayernweit rund 2500 neuen Stellen geschaffen werden, die mit der Hightech Agenda Bayern bis 2023 an den bayerischen Hochschulen entstehen sollen.

Platzsparende Bauweise

Im Vordergrund des Baues an der Technischen Hochschule Augsburg stand eine platzsparende Bauweise und eine zügige Umsetzung. Auch die Kosten sollten so gering wie möglich gehalten werden, um möglichst viel neuen Raum mit möglichst geringen Haushaltsmitteln schaffen zu können. Daraus resultierend gestaltete das Bauamt Augsburg einen einfachen, funktionalen und in seinen Dimensionen modulbaugerechten Grundriss, welcher eine wirtschaftliche Konstruktionsweise zuließ. Auch die Haustechnik wurde dem Konzept entsprechend so einfach wie möglich gestaltet. So wurde der Bau an das bereits bestehende Fernwärmenetz der Hochschule angeschlossen. Nichtsdestotrotz wurde auch bereits die Errichtung von Ladesäulen für Elektromobilität vorbereitet. Auf dem Dach wurden Photovoltaikmodule installiert. Diese versorgen das Gebäude mit regenerativer Energie. Zukünftig sollen sie 8000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Neben den PV-Modulen befindet sich auf dem Dach die Lüftungsanlage, welche die darunterliegenden Hörsäle mit Frischluft versorgt.

Um keine neuen Flächen versiegeln zu müssen, wurde der Bau als ein aufgeständertes Bauwerk geplant und über einem Parkplatz der Hochschule errichtet. Die Standortwahl bietet auch den Vorteil, dass keine Parkplatzflächen entfernt werden mussten, die dringend für Mitarbeitende und Studierende benötigt werden. Mit dem Konzept wurde das Staatliche Bauamt sowohl dem Bedarf der Hochschule als auch der Nachhaltigkeit gerecht.

All diese Überlegungen flossen bereits in die Planungen für den Modulbau ein. In Anbetracht der durch das Programm vorgegebenen knapp bemessenen Planungs- und Ausführungsphase, wurde die Leistungsstufe 1 bis einschließlich des Entwurfs nicht wie üblich an freiberuflich Tätige vergeben, sondern vom Staatlichen Bauamt Augsburg übernommen. An die Standortsuche schloss sich eine intensive und herausfordernde Entwurfsphase an, in der das Bauamt und die Technische Hochschule einen genauen Plan entwickelten. Dieser beinhaltete die Lage, Ausrichtung, Geschossigkeit, Grundrisse und Ansichten sowie die Haustechnik und die Außenanlagen. Auf Grundlage des entstandenen Entwurfs übernahm das Bauamt die Abstimmung mit der Stadt Augsburg und das Zustimmungsverfahren konnte durchgeführt werden.

Schnell war klar, dass der gesetzte Zeitrahmen, vom Auftrag an das Bauamt im Januar 2021 bis zur ursprünglich geforderter Abrechnung der Maßnahme Ende 2023, nur gehalten werden konnte, wenn die Leistungen mit Funktionaler Leistungsbeschreibung ausgeschrieben und an einen Totalunternehmer zur Realisierung vergeben werden. So wurde auf Grundlage des Entwurfs durch das Staatliche Bauamt Augsburg die funktionale Leistungsbeschreibung aufgestellt. Diese ließ die Art der Konstruktion bewusst offen, um ein möglichst breites Spektrum an Angeboten zu ermöglichen. Lediglich die Konstruktion des Betontisches im Bereich der Parkflächen im Erdgeschoss, auf welchem die Räume aufgebaut sind, wurde als Stahlbetonkonstruktion vorgegeben. Die Ausschreibungen der Leistungen des Totalunternehmers wurden schließlich mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb durchgeführt.

Lärchenholzschalung

Im Rahmen des Teilnahmewettbewerbs gingen zunächst sieben Bewerbungen ein, welche nach Auswertung durch das Bauamt alle zur Angebotsabgabe zugelassen werden konnten. In der zweiten Phase gingen fünf Angebote ein. Den Zuschlag erhielt die Firma Kleusberg. Durch den Einsatz von Holzmodulen konnte die Firma den gesetzten Fertigstellungstermin im Juli 2023 als realistisch darstellen.

Im Dezember 2022 wurde der Baustellenbetrieb von Kleusberg mit der Errichtung des Betontisches im Erdgeschoss gestartet. Zunächst fanden die Erdarbeiten statt, bei der die Verlegung der erforderlichen Leitungen erfolgte. Daran schloss sich direkt der Bau der tischartigen Stahlbetonkonstruktion an, auf die die einzelnen Gebäudeteile des Modulbaus platziert wurden. Durch den Einsatz von vorgefertigten Wand- und Deckenelementen aus Brettschichtholz konnten die beiden darüber gelegenen Geschosse bis April 2023 im Rohbau fertiggestellt werden. Anschließend erhielt das Gebäude eine hinterlüftete Lärchenholzschalung als Fassade.

Der Innenausbau wurde bis Herbst fertiggestellt. Aufgrund des engagierten Einsatzes aller Beteiligter im Bauamt, konnte der ungewöhnliche Rahmen, in welchem die Maßnahme abgewickelt wurde, gemeistert und das Gebäude zu Beginn des Wintersemesters 2023/24 an die Technische Hochschule Augsburg übergeben werden. (Tanja Krois, Nora Held)
 

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