Bauen

Die umgebaute und erweiterte Grundschule Vötting. (Foto: Dirk Daniel Mann)

20.08.2025

Neuer Lernort für die Zukunft

Grundschule Vötting nach Umbau und Erweiterung eröffnet

Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit ist die Grundschule Vötting in Freising seit dem 7. Januar 2025 offiziell in Betrieb. Mit dem Umbau und der Erweiterung der bestehenden Schule aus dem Jahr 1969 wurde ein zukunftsorientierter Bildungsstandort geschaffen, der sowohl pädagogisch als auch baulich neue Maßstäbe setzt.

Die Stadt Freising als Trägerin und Bauherrin reagierte mit dem Projekt auf mehrere Herausforderungen zugleich: Neben dem Sanierungsbedarf des Bestandsgebäudes spielte die demografische Entwicklung im Stadtteil und in geplanten Neubaugebieten eine zentrale Rolle.

Zudem sollte die Schule um einen voll ausgestatteten Ganztagsbereich ergänzt werden. Das Ergebnis ist ein umfassend modernisierter und erweiterter Grundschulcampus, der den Anforderungen einer modernen, inklusiven und digitalen Grundschule gerecht wird.

Die Planung und Umsetzung des Projekts gestaltete sich komplex: Insgesamt waren rund 20 Fachplaner, Sachverständige und Gutachter sowie 45 ausführende Firmen an der Realisierung beteiligt. Als Architekturbüro wurden balda architekten aus Fürstenfeldbruck beauftragt. Die technische Gebäudeausrüstung plante das Ingenieurbüro FDW aus Gaimersheim. Der Baubeginn erfolgte im Mai 2022 und trotz verschiedener Herausforderungen – baulich im Umgang mit dem Bestandsgebäude und durch schwierige Bodenverhältnisse aber auch durch externe Faktoren, wie den einsetzenden Krieg in der Ukraine oder extreme Starkregenereignisse – konnte der Zeitplan weitgehend eingehalten werden.

Der Neubau wurde in Stahlbetonskelettbauweise errichtet und erhielt, wie auch der aufgestockte und ertüchtigte Bestandsbau, eine gedämmte Holzfassade. Die Schule wurde mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet und wird über Fernwärme beheizt. Sie wird vollständig über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung belüftet; zum persönlichen Komfort der Nutzer wurden dabei in jedem Raum auch manuell bedienbare Öffnungsflügel vorgesehen. Insgesamt wurden damit nicht nur ästhetisch ansprechende, sondern auch klare nachhaltige Akzente gesetzt.

Die gesamte Schule ist barrierefrei zugänglich und erfüllt moderne Anforderungen an Inklusion, Aufenthaltsqualität und Energieeffizienz – der Standard EnEV-55 wird übererfüllt. Um auf klimatische Veränderungen zu reagieren, wurde das Gebäude durch Drainageanlagen und gestalterisch-konstruktive Maßnahmen im Bereich der Außenanlagen gezielt gegen Starkregenereignisse geschützt, mit denen in Zukunft immer häufiger gerechnet werden muss.

Die Schule besteht aus drei Bauteilen, dem sanierten Bestandsgebäude, das die Verwaltung und das Ganztagszentrum mit Küche und Mensa beherbergt, dem sogenannten Lernhaus mit den Klassenräumen sowie der Turnhalle mit der Aula als Schnittstelle zwischen diesen Bauteilen. Verbunden sind sie über einen zentralen Erschließungsflur, die Magistrale.

Das Lernhaus
ist viergeschossig

Wichtiger Bestandteil des neuen pädagogischen Konzepts ist das viergeschossige Lernhaus: Pro Geschoss sind jeweils vier Klassenzimmer um eine gemeinsame Mitte und einen Lichthof gruppiert. Sie werden ergänzt durch zwei Mehrzweckräume, eine gemeinsame Garderobe, einen Teamraum für die Lehrkräfte und eine Sanitäreinheit. Die offene und vernetzte Raumstruktur unterstützt individualisiertes Lernen und fördert die Zusammenarbeit unter den Schülern. Die Grundschule Vötting ist derzeit vierzügig ausgelegt, kann jedoch mit minimalem baulichen Aufwand auf fünf Züge erweitert werden – ein Pluspunkt im Hinblick auf die langfristige Schulentwicklungsplanung.

Ein weiterer Fokus liegt auf Ganztagsbetreuung und Bewegungsförderung: Der Schulcampus verfügt über eine moderne Doppelturnhalle, eine Mensa mit Schulküche sowie großzügige Außenanlagen mit Pausenhof, Sportflächen, Verkehrsübungsplatz und einem begrünten Dachgarten, der als zusätzliche Pausen- und Erholungsfläche dient. Der gesonderte Ganztagsbereich ist für zehn Gruppen ausgelegt und bietet Raum für vielfältige pädagogische Angebote über den Unterricht hinaus.

Die Schule ist vollständig digitalisiert. Im Unterricht kommen in jedem Klassenzimmer Smartboards als digitale Tafeln zum Einsatz, wobei bewusst auf zusätzliche Kreidetafelflügel nicht verzichtet wurde – ein ausdrücklicher Wunsch der Schulleitung, um händisches Arbeiten weiterhin zu fördern.

Auch konzeptionell geht die Schule neue Wege: Sie orientiert sich am „Churer Modell“, einem in der Schweiz entwickelten Lernkonzept, das klassische Frontalunterrichtsformen weitgehend ersetzt. Die Architektur des neuen Schulgebäudes unterstützt diesen Ansatz durch offene, flexible und kommunikative Lernräume in idealer Weise.

Zur Inbetriebnahme am 7. Januar 2025 starteten rund 110 Kinder und 25 Lehrkräfte in den Schulalltag am Standort der alten Schule. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv: Sowohl Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern als auch Ganztagsbetreuer und externe Besucher zeigen sich begeistert vom neuen Gebäude, der Atmosphäre und den pädagogischen Möglichkeiten. Die Identifikation mit dem neuen Schulhaus zeigte sich schon zum Abschied vom alten: Die Kinder verabschiedeten sich mit einem selbst gemalten Tafelspruch – „Mach es gut, altes Haus!“ – und freuten sich auf das moderne Lernumfeld ihrer zukünftigen, umgebauten Schule.

Mit Investitionskosten von 49,7 Millionen Euro brutto, unterstützt durch Fördermittel des Bundes und der Staatsregierung, setzt die Stadt Freising ein klares Zeichen für die Bedeutung von Bildung und Schulentwicklung. Die Grundschule Vötting präsentiert sich nun als leistungsfähiger und zukunftsfähiger Lernort, der pädagogische Innovation, bauliche Qualität und soziale Teilhabe in besonderer Weise vereint. (BSZ)

 

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