Bauen

Der Große Saal des Nürnberger Z-Baus. (Foto: Simeon Johnke)

01.03.2019

Neues Dach, Kassenhaus und neue Probenräume

Die Sanierung des Nürnberger Veranstaltungshauses Z-Bau ist abgeschlossen

Nach vielen Monaten des Balanceakts zwischen Baustelle und laufendem Veranstaltungsbetrieb ist es geschafft: Die Sanierung des Kultur- und Veranstaltungshauses Z-Bau in der Frankenstraße 200 in Nürnberg ist mit dem Abschluss des zweiten Bauabschnitts beendet. Am 13. Februar 2019 fand die Bauabschlussfeier statt.

Vor knapp dreieinhalb Jahren öffnete der Z-Bau als Haus für Gegenwartskultur seine Türen auf dem ehemaligen Kasernengelände in der Frankenstraße. Seitdem hat sich der Veranstaltungsort als feste Größe in der Nürnberger Kulturlandschaft etabliert. Der rund 5500 Quadratmeter große Komplex mit seinem offenen Konzept, seinen zahlreichen Räumlichkeiten und Angeboten ist heute Anlaufstelle für Kulturschaffende und Kulturinteressierte in Nürnberg und der Region.

Ursprünglich von den Nationalsozialisten 1939 als Kaserne erbaut, wurde die Anlage nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern als Stützpunkt genutzt, bis 1992 der letzte Soldat die Merrell Barracks verließ. Nach der Sanierung belegte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) das Hauptgebäude. In den sogenannten Z-Bau der Südkaserne – er ist nach seinem Grundriss benannt – zog erstmalig im Jahr 2000 die Kultur mit verschiedenen Kollektiven und Vereinen ursprünglich nur zur Zwischennutzung ein.

Im Juli 2005 entschied sich der Nürnberger Stadtrat für die dauerhafte Nutzung des Z-Bau-Areals als Zentrum für Gegenwartskultur. Zunächst nutzten mehrere Betreiber in Eigenregie das Gebäude. Ab 2011 wurde ein neues Betreiberkonzept entwickelt, das der Kulturausschuss am 26. Oktober 2012 beschloss.

2014 gründete sich offiziell die „GkF – Gesellschaft für kulturelle Freiräume mbH“ – bestehend aus dem Kunstverein Hintere Cramergasse e.V., der Musikzentrale Nürnberg e.V. und der Stadt Nürnberg. Die Umsetzung des Konzepts wurde in einen baulichen Entwurf übertragen, der in zwei Bauabschnitten durchgeführt wurde. Das Gebäude befand sich teilweise im Rohbauzustand, nur mit einer veralteten technischen Grundinstallation ausgestattet. Wegen vorhandener Schadstoffe durfte das Gebäude nur in Teilbereichen genutzt werden.

Der erste Bauabschnitt – Umsetzung 2013 bis 2015 – beinhaltete im Wesentlichen die Schadstoffsanierung des Untergeschosses, Teilen des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses, Brandschutzmaßnahmen, statische Ertüchtigungen mit Betonsanierung, barrierefreie Erschließung sowie die teilweise Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung und der sicherheitstechnischen Anlagen. Zudem wurden Maßnahmen zur Aufwertung des Erscheinungsbilds und zur Verbesserung der nutzungsbedingten Organisation umgesetzt.
Die Kosten für den ersten Bauabschnitt betrugen 6,535 Millionen Euro. Bezuschusst wurde dieser mit 2,76 Millionen Euro aus dem Ziel-RWB-Städtebauförderungsprogramm der EU (RWB = Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung). Am 2. Oktober 2015 wurde der Z-Bau nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts eröffnet.

Das städtische Hochbauamt begann im Juli 2017 während des laufenden Veranstaltungsbetriebs im Z-Bau mit der zweiten Sanierungsphase, die im Dezember 2018 abgeschlossen wurde. Mit rund 6,59 Millionen Euro konnte die Stadt Nürnberg die notwendige Arbeiten durchführen: Neben der Erneuerung des Dachstuhls waren der Umbau und die technische Neuausstattung des Saals Herzstück der Bauarbeiten.

Von den Sanierungskosten trug das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat vier Millionen Euro, die Zukunftsstiftung der Sparkasse unterstützte mit 665 500 Euro die Ausstattung. Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme im Z-Bau betragen rund 14,13 Millionen Euro.

Zwei Bauabschnitte

Als Haus für Gegenwartskultur bietet der Z-Bau zahlreichen unterschiedlichen Formaten eine Bühne – von Konzerten über Theaterstücke, Discoveranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Lesungen und Tagungen bis hin zu Flohmärkten oder Fahrradrennen. Dass der umgebaute Saal diesen Ansprüchen jetzt gerecht wird, hat er mit den ersten Veranstaltungen nach der Umbauphase bereits unter Beweis gestellt.

Je nach Bedürfnissen der Veranstalter kann der Saal dank neuer Ausstattung angepasst werden: Eine neue Bühne mit höherer Tragkraft wird etwa für Theaterproduktionen beim Festival „Liminale“ Anfang April 2019 mit mobilen Anbauelementen größer gebaut, für Lesungen, wie der von Sarah Kuttner am 17. März 2019, kleiner. Die erneuerte Soundanlage, ein „Line Array System“, trägt Wort gleichermaßen gut wie Klang durch den gesamten Raum. Und eine Induktionsschleife im sanierten Boden sorgt in Zukunft für die störungsfreie Übertragung der Audiosignale an Hörhilfen. Fahrbare Traversen ermöglichen in Kombination mit neuer Lichttechnik die flexible Anpassung auf Ambiente-, Disco- und Konzert- oder Theaterlicht.

Essenzieller Teil der Umbauarbeiten war nicht zuletzt die Installation neuer Lüftungsanlagen und die Brandschutzertüchtigung des größten Veranstaltungsraums. Nun können bis zu 1000 Besucher im Saal des Z-Baus feiern. Hinzu kommen zahlreiche Neuerungen, die für die meisten Gäste im Verborgenen bleiben: Etwa eine neue Technikzentrale hinter der Bühne und die neu ausgestatteten Backstageräume im ersten Stock, in die sich die Künstler vor oder nach ihren Auftritten zurückziehen können.

Auch über, unter und vor dem Saal hat sich während des zweiten Bauabschnitts viel getan: Bereits im Sommer 2017 erhielt das Gebäude einen neuen Dachstuhl, weil die ursprüngliche Konstruktion schadstoffbelastet und stellenweise undicht war. Im Keller entstanden 2018 sieben neue Proberäume, die künftig Bands Platz bieten sollen. Bei Großveranstaltungen schützt eine neue Überdachung vor dem Eingangsbereich zu Saal und Galerie hin die Gäste vor Regen. Außerdem gibt es eine neue Garderobe und ein Kassenhäuschen ermöglicht den reibungslosen Ticketverkauf vor Konzerten.

Jetzt auch eine Bistroküche

Auch für die Gastronomie gab es Verbesserungen: Neben einem großen Tresen im Saal inklusive Bierleitung aus dem Kühlhaus entstand neben der Galerie, dem zweitgrößten Veranstaltungsraum des Z-Baus, eine Bistroküche. Zwei neue Kühlhäuser sorgen für gute Lagervoraussetzungen, um Durst und Hunger des wachsenden Publikums zu stillen.

Mit in die Liste der Neuerungen reihen sich noch zahlreiche weitere große und kleine Bau- und Sanierungsarbeiten – von einem Fernwärmeanschluss, einer Trafostation im Nordgarten und befestigten Anlieferflächen im Außenbereich über ein frisch gepflastertes Leergutlager bis hin zu Bodenversiegelungen im Keller.

Der Abschluss der Bauarbeiten im Haus für Gegenwartskultur ist ein Grund zum Feiern, aber kein Grund sich auszuruhen im Z-Bau, denn schließlich steht das umfangreiche Programm für die kommenden Monate schon in den Startlöchern. (BSZ)

(Im Sommer 2017 erhielt das Gebäude einen neuen Dachstuhl. Rund 14,1 Millionen Euro wurden in die Sanierung investiert - Fotos: 2-BS Architekten)

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