Am 18. Dezember 2025 wurde in Berlin der Deutschlandfonds vorgestellt. Der Bund stellt dafür öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit. Damit sollen insgesamt Investitionen von gut 130 Milliarden Euro ausgelöst werden. Die KfW übernimmt die Koordination. Zentrale Felder, in denen der Deutschlandfonds private Investitionen anregen soll, sind Industrie und Mittelstand, Wagniskapital sowie die Energieinfrastruktur.
Dafür sind drei Stufen geplant. Die im Dezember 2025 gestartete erste Stufe umfasst ein Absicherungsinstrument für Transformationsindustrien, ein Kreditprogramm zur Förderung von Geothermie-Projekten sowie ein neues Finanzierungsinstrument für Start-ups und Scale-ups.
In der zweiten Stufe sollen Instrumente zur Modernisierung der Energieinfrastruktur, sowie neue private Kreditfonds für Start-ups und das Wachstums- und Innovationskapital, durch welches der Zukunftsfonds aufgestockt und somit die Wagnisfinanzierung in Deutschland weiter gestärkt wird, hinzukommen. Außerdem sollen Finanzierungslücken für den Mittelstand adressiert werden können.
Privates Kapital für den Wohnungsbau anreizen
In einer dritten Stufe soll auch der Wohnungsbau adressiert werden. Die Bundesregierung hat daher gemeinsam mit der KfW einen Prozess gestartet, unter dem Dach des Deutschlandfonds ein neues Modul für den Wohnungsbau zu entwickeln. Dieses Modul soll die Situation am Wohnungsmarkt verbessern und private Investitionen forcieren.
Der neue Lösungsansatz für den Wohnungsbau heißt also nicht fördern, sondern privates Kapital mobilisieren. Auf den ersten Blick ist der Unterschied kaum erkennbar, da ja auch Förderungen private Investitionen anreizen. So wurde zum Beispiel in einer vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beauftragten Studie festgestellt: „Die aus der Wohneigentumsbildung resultierenden Investitionen haben Investitionen in Höhe von etwa 22 Milliarden Euro im Baugewerbe angestoßen. Diese bewirkten eine Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktion im Wert von etwa 38 Milliarden Euro – und damit direkte und indirekte Bruttowertschöpfungseffekte in Höhe von etwa 18 Milliarden Euro. Die Bruttowertschöpfung ist eng mit den Beschäftigungseffekten verknüpft, die wiederum von der Arbeitsproduktivität abhängen. Insgesamt wurden etwa 291.000 Beschäftigungsstellen in Personenjahren zwischen 2018 und 2020 gesichert bzw. neu geschaffen. Aus der Steigerung der volkwirtschaftlichen Produktion und den Beschäftigungseffekten resultieren Einnahmen für die öffentliche Hand in Höhe von 13 Milliarden Euro über den Evaluationszeitraum. Der fiskalischen Entlastung steht ein Fördervolumen von etwa 3,5 Milliarden Euro gegenüber, die generierten Staatseinnahmen übersteigen somit die vom Bund eingesetzten Mittel. Ein Euro angestoßene Investition generiert etwa 60 Cent Staatseinnahmen, ein Euro Fördermittel generiert etwa 3,7 Euro Staatseinnahmen.“
Wenn also die Baukindergeldförderung mit 3,5 Milliarden Euro Investitionen von 22 Milliarden Euro im Baugewerbe angestoßen haben, dann ist das eine bessere Quote, als der Einsatz von 30 Milliarden Euro im Deutschlandfonds, um 130 Milliarden Euro Investitionen anzureizen.
Anreizen – aber wie am besten?
Die Anreizeffekte sind aber nur eine Seite der Medaille. Viel wichtiger ist, was angereizt wird. Und das ist im Wohnungsbau kompliziert, denn der Bund hat keine Wohnungsbaukompetenz: diese liegt bei den Ländern. Um den Wohnungsbau zu fördern, braucht es daher immer noch ein zusätzliches Element. Entweder soziale Aspekte, Familienförderung oder energetische und umweltpolitische Auflagen.
Das Problem: alle diese zusätzlichen Anforderungen machen die Förderung oder das Bauen zusätzlich besonders teuer. Entweder braucht es viel Geld, um die bedürftigen Haushalte über langfristige Mietpreisbindungen oder hohe Zuschüsse zum Eigentumserwerb zu unterstützen oder aber es werden Mehrkosten für zusätzliche Dämmung, haustechnische Anlagen oder den Einsatz erneuerbarer Energien fällig, die den Fördervorteil schrumpfen lassen. Wohnungsbau allein aus dem Grund, weil Wohnungen fehlen, ist damit nicht möglich.
Der Deutschlandfonds könnte neue Wege eröffnen
Das könnte beim Deutschlandfonds anders sein. Zur Unterstützung des Wohnungsbaus braucht es hier kein Förderkonzept, sondern nur die Aussicht auf eine wirtschaftlich sinnvolle Tätigkeit, die im Einklang mit den gesellschaftlichen Zielen steht.
Deutschland kann derzeit nicht genügend bezahlbaren Wohnraum schaffen. Die Neuerrichtung von Wohnungen in diesem Segment wird somit auf lange Zeit wirtschaftlich sinnvoll sein. Der Bau von Mietwohnungen in einem Basisstandard, wie er zum Beispiel in Schleswig-Holstein praktiziert wird, zeigt, dass bezahlbarer Wohnungsbau auch ohne Abweichung von den geltenden ökologischen und sonstigen ordnungsrechtlichen Anforderungen möglich ist.
Würde sich der Deutschlandfonds also darauf spezialisieren, bezahlbaren Wohnraum im Basisstandard oder nach Gebäudetyp E zu ermöglichen, könnte er eine gute Ergänzung der Wohnungsbauförderung darstellen, da damit auf Bundesebene ein klar adressiertes Instrument zur Bekämpfung der Wohnungsnot entstehen würde. (Christian Bruch)
Der Autor ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM).
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