Mit dem neuen Städtischen Beruflichen Schulzentrum für Farbe und Gestaltung an der Carl-Wery-Straße hat München einen modernen und zentralen Standort für die Ausbildung in Handwerksberufen geschaffen. Der Neubau im Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach vereint erstmals sämtliche Fach-, Berufs- und Meisterschulen der sogenannten Münchner Farbe Schulen unter einem Dach. Damit endet die bisherige Aufteilung auf mehrere Standorte in der Luisenstraße und der Hofmannstraße.
Auf rund 11 000 Quadratmetern Nutzfläche bietet der fünfgeschossige Bau Platz für etwa 1000 Schülerinnen und Schüler in Block-, Tages- oder Vollzeitunterricht. Insgesamt werden hier 13 Aus- und Weiterbildungsgänge angeboten – vom Berufsvorbereitungsjahr bis hin zu Meisterabschlüssen. Neben klassischen Ausbildungsberufen wie Maler und Lackierer, Fahrzeuglackierer oder Schilder- und Lichtreklamehersteller finden sich auch hoch spezialisierte Handwerke wie Kirchenmalerei, Vergoldung oder Kerzenherstellung.
Kompakter Baukörper
Mit der Städtischen Meisterschule für das Vergolderhandwerk beherbergt München sogar deutschlandweit die einzige Meisterschule in diesem traditionsreichen Beruf. Die dort vermittelten „Mal-, Fass- und Vergoldetechniken der Kirchenmalerei und des Vergoldens“ zählen seit 2023 zum bundesweiten immateriellen Unesco-Kulturerbe.
Der Neubau wurde im Rahmen des zweiten Schulbauprogramms der Landeshauptstadt München realisiert. Entworfen hat ihn das Kölner Büro v-architekten. Das Gebäude präsentiert sich als kompakter, länglicher Baukörper mit fünf Vollgeschossen und zwei Untergeschossen. Während die äußere Gestaltung bewusst zurückhaltend und robust gehalten ist, entfaltet sich im Inneren eine lebendige und farbige Atmosphäre – passend zu einer Schule, in der Gestaltung und Handwerk im Mittelpunkt stehen.
Das Erdgeschoss ist als multifunktionale Ebene konzipiert. Hier befinden sich gemeinschaftliche Bereiche wie Speisesaal, Mehrzweckraum sowie eine großzügige Pausen- und Ausstellungshalle. Eine große Lackierhalle dient mehreren Fachbereichen gleichzeitig. In den vier Obergeschossen liegen Unterrichtsräume, Werkstätten, EDV-Räume und Lehrerzimmer der einzelnen Fachrichtungen. Unterirdisch ergänzt eine Zweifachsporthalle das Raumprogramm. Sie wird über umlaufende Lichtschächte mit Tageslicht versorgt und kann auch von Vereinen genutzt werden.
Hohe technische Anforderungen
Das Baureferat der Landeshauptstadt München hat den Bau trotz schwieriger Rahmenbedingungen termingerecht fertiggestellt. Pandemie, Lieferengpässe und Inflation hatten die Bauphase begleitet. Zudem stellte der Schulbau aufgrund seiner technischen Anforderungen eine besondere Herausforderung dar. Große Spannweiten, besonders belastbare Böden sowie komplexe Lüftungs- und Sicherheitskonzepte für Lackierarbeiten erforderten eine aufwendige Planung.
Auch in energetischer Hinsicht setzt der Neubau Maßstäbe. Das Gebäude hat eine energieeffiziente Hülle und moderne Haustechnik. Beheizt wird es über Fernwärme, während eine Grundwasserkühlung mit Saug- und Schluckbrunnen für angenehme Temperaturen sorgt. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung reduziert den Energieverbrauch zusätzlich.
PV-Anlage auf dem Dach
Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit einer Modulfläche von rund 342 Quadratmetern. Sie erzeugt jährlich etwa 75 700 Kilowattstunden Strom und deckt damit rund 11 Prozent des Eigenbedarfs des Schulzentrums. Gleichzeitig reduziert die Anlage den CO2-Ausstoß um etwa 45 Tonnen pro Jahr. Ergänzt wird das Nachhaltigkeitskonzept durch eine extensive Dachbegrünung und zusätzliche Baumpflanzungen im Außenbereich.
Ein prägendes Element des Neubaus ist die Kunst am Bau. Im Rahmen des Münchner Programms QUIVID gestaltete der Künstler Wawrzyniec Tokarski das Projekt „Test Pattern“. Zwei großformatige Wandbilder aus polierten Edelstahlplatten mit geometrischen Farbflächen sind im Gebäude installiert. Besonders bemerkenswert: Schülerinnen und Schüler der Schule wirkten selbst an der Umsetzung mit. Damit verbindet das Kunstwerk Architektur, künstlerische Gestaltung und die Ausbildung der Lernenden.
Der Neubau ist Teil der Münchner Bildungsbauoffensive, mit der die Stadt seit 2014 massiv in ihre Bildungsinfrastruktur investiert. Insgesamt fließen mehr als 8,7 Milliarden Euro in über 200 Projekte, darunter neue Schulen, Kitas und Sportanlagen sowie zahlreiche Erweiterungen und Sanierungen bestehender Einrichtungen.
Mehrwert für Stadtteil
Die Baukosten für das neue Schulzentrum wurden vom Stadtrat mit rund 127,8 Millionen Euro genehmigt, die voraussichtliche Abrechnung liegt bei 121 Millionen Euro. Die Bauarbeiten begannen im Juli 2021, im Herbst 2025 konnte das Gebäude fertiggestellt und übergeben werden.
Neben seiner schulischen Funktion soll der Neubau auch für den Stadtteil einen Mehrwert bieten. So kann die Sporthalle für den Vereinssport genutzt werden, und auch eine außerschulische Nutzung von Unterrichtsräumen – etwa durch die Münchner Volkshochschule – ist vorgesehen. Der Leitsatz dahinter lautet: „Quartier macht Schule, Schule macht Quartier.“
Mit dem neuen Standort verfügt München nun über ein zukunftsfähiges Zentrum für die Ausbildung in gestalterischen Handwerksberufen – ein Ort, an dem Tradition und moderne Technik ebenso zusammenkommen wie Ausbildung, Kreativität und moderne Münchner Schulbauten. (BSZ)
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