Bauen

Der Neubau ist Teil einer langfristig angelegten Campusentwicklung des BFW in Kirchseeon. (Foto: BFW München)

09.04.2026

Ökologische Architektur, moderne Infrastruktur

Neubau für das Berufsförderungswerk (BFW) München in Kirchseeon

Mit dem Bezug seines neuen Ausbildungsgebäudes hat das Berufsförderungswerk (BFW) München einen entscheidenden Schritt in der Modernisierung seines Campus in Kirchseeon vollzogen. Nach rund vierjähriger Planungs- und Bauzeit startete der Unterricht Mitte Februar 2026 in den neuen Räumen. Insgesamt investiert die Einrichtung rund 63 Millionen Euro in den Neubau und die Bestandssanierung – ein Projekt mit hoher bildungs-, sozial- und arbeitsmarktpolitischer Bedeutung für die Region.

Der Neubau ist Teil einer langfristig angelegten Campusentwicklung. Ziel ist es, die seit 1974 genutzten Gebäude schrittweise zu erneuern und den Standort zu einem modernen, barrierefreien Bildungszentrum für berufliche Rehabilitation weiterzuentwickeln. Neben dem neuen Schulungs- und Mensagebäude umfasst das Gesamtvorhaben auch eine umfassende Brandschutzsanierung sowie weitere infrastrukturelle Maßnahmen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen.

Berufsförderungswerke übernehmen eine wichtige Funktion im deutschen Bildungs- und Sozialsystem: Sie qualifizieren Menschen, die aus gesundheitlichen Gqründen ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können, für neue Tätigkeiten und ermöglichen damit eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftebedarfs gewinnt diese Aufgabe zusätzliche Bedeutung.

„Diese Investition ist ein klares Bekenntnis zur Zukunft der beruflichen Rehabilitation in unserer Region“, betont Geschäftsführer Günther Renaltner. Moderne Lern- und Arbeitsbedingungen seien entscheidend, um Teilhabe zu ermöglichen und zugleich einen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten.

24 zusätzliche Ausbildungsräume

Am Standort Kirchseeon begleiten rund 250 Beschäftigte jährlich bis zu 700 Teilnehmende auf ihrem Weg in eine neue berufliche Perspektive. Der Campus verfügt über ein Internat mit etwa 450 Plätzen sowie über Werkstätten und Schulungsbereiche für Qualifizierungen unter anderem in IT-, Elektro-, Maschinenbau-, kaufmännischen, Bau-, sozialen, Sicherheits- und Gesundheitsberufen.

Der Neubau präsentiert sich als weithin sichtbares neues Herzstück des Campus. Der quadratisch angelegte Baukörper mit begrüntem Innenhof liegt zentral auf dem Gelände und bildet den Kern eines neu gestalteten, barrierefreien Campusbereichs mit repräsentativem Zugang von der Moosacher Straße. Großzügige Panorama-Fensterflächen, lichtdurchflutete Schulungsräume und weitläufige Flure prägen das architektonische Konzept.

Auch die Mensa ist als moderner Begegnungsort konzipiert: Mit umfassender Verglasung und Rundumblick über das Gelände schafft sie eine offene Atmosphäre und verbindet Lernen, Aufenthalt und Gemeinschaft räumlich miteinander. Insgesamt stehen im Neubau 24 zusätzliche Ausbildungsräume mit zeitgemäßer Medientechnik zur Verfügung. Neue Bereiche für Küche, Cafeteria und Aufenthaltszonen sollen das Campusleben nachhaltig stärken.

Mit rund 13 000 Quadratmetern Bruttogrundfläche und einem umbauten Raum von etwa 52 000 Kubikmetern zählt das Projekt zu den größten aktuellen Bildungsbauvorhaben im Landkreis Ebersberg. Die Umsetzung erfolgte bei laufendem Betrieb – eine organisatorische Herausforderung, die eine modulare Bauweise sowie die Verlagerung von Logistikbereichen ins Untergeschoss erforderte. Zu den technisch anspruchsvollen Maßnahmen zählte unter anderem die Unterfangung bestehender Gebäude.

Dachbegrünung verbessert Mikroklima

Ein prägendes Element der neuen Architektur ist die extensive Dachbegrünung. Sie verbessert das Mikroklima, speichert Regenwasser und trägt zur Energieeinsparung bei. Gleichzeitig schafft sie zusätzliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere: Moose, Kräuter und Gräser sowie integrierte Nist- und Rückzugsbereiche für Vögel und Fledermäuse machen das Gebäude selbst zu einem Bestandteil eines ökologischen Netzwerks. Darüber hinaus schützt die Vegetationsschicht die Dachkonstruktion vor Witterungseinflüssen und verlängert deren Lebensdauer.

Damit wird Nachhaltigkeit am BFW München nicht nur planerisch berücksichtigt, sondern auch im Alltag sichtbar – als Verbindung von Architektur, Bildung und Umweltschutz.

Bereits bei der offiziellen Eröffnung des Neubaus Anfang Dezember 2025 hatten Vertreter aus Politik und Verwaltung die Bedeutung des Berufsförderungswerks für den Bildungsstandort Kirchseeon und den Landkreis Ebersberg hervorgehoben. Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation leisten einen wichtigen Beitrag zur Chancengerechtigkeit, zur sozialen Stabilität und zur wirtschaftlichen Entwicklung.

Der Neubau steht damit exemplarisch für eine Strukturpolitik, die Bildungsinfrastruktur, soziale Teilhabe und Fachkräftesicherung zusammenführt. Für Kirchseeon bedeutet die Investition nicht nur eine architektonische Aufwertung des Campus, sondern auch ein klares Signal für die Zukunftsfähigkeit beruflicher Rehabilitation in Bayern.

Mit dem Start des Unterrichts in den neuen Räumen wird die Modernisierung nun auch im Ausbildungsalltag greifbar – als Ausdruck eines Wandels, der Bildungschancen eröffnet, Integration stärkt und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitsmarktes unterstützt. (BSZ)
 

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