Bauen

Die neue Ortsumfahrung. (Foto: Luftbild, Mathias Wild)

25.11.2022

Rund 100 Millionen Euro investiert

B 16 Ortsumfahrung Marktoberdorf/Bertoldshofen (B 472) fertig

Mit dem Neubau der Ortsumfahrungen für Marktoberdorf und Bertoldshofen im Zuge der B 16 und B 472 mit einem gemeinsamen Anschluss an die B 12 wird der gesamte überörtliche Verkehr im Raum Marktoberdorf neu geregelt. Herzstück des Projekts ist dabei der Tunnel Bertoldshofen. Mit dem räumlich unmittelbar anschließenden Ausbau der B 472 östlich Marktoberdorf bis Ob wird auf diesem Streckenabschnitt ein verkehrsgerechter und sicherer Standard hergestellt.

Beide Baumaßnahmen sind eigenständige Projekte, sie bilden aber eine durchgehende verkehrliche Einheit im Zuge der B 472, der südlichsten West-Ost-Spange Bayerns. Zum einen werden die derzeit hochbelasteten Ortsdurchfahrten Marktoberdorf und Bertoldshofen spürbar vom Durchgangsverkehr entlastet. Zum anderen wird die wichtige Verbindung aus dem oberbayerischen Raum ins Ostallgäu und weiter über die B 12 nach Westen gestärkt und für den Verkehrsteilnehmer deutlich sicherer und komfortabler.

Nach Erlangen des Baurechts und der Finanzierungszusage im Rahmen des Investitionspakets des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur vom September 2016 und des Bundesverkehrswegeplans 2030 wurde bei beiden Projekten unmittelbar mit der Ausführungsplanung und vorbereitenden Maßnahmen begonnen. Seit 2017 sind beide Maßnahmen in Bau. Der Bauablauf beider Maßnahmen besteht aus mehreren Bauabschnitten mit unterschiedlichen Gewerken wie Brückenbau, Tunnelbau, Erdbau, Entwässerung sowie Ausstattung. Alle Bauabschnitte wurden über die Bauzeit von 2017 bis 2023 aufeinander abgestimmt und konnten soweit möglich nach Fertigstellung entweder bereits unter Verkehr genommen werden oder sie dienen noch den darauffolgenden Bautätigkeiten. 

Die Ortsumfahrung B 16 Marktoberdorf – Bertoldshofen (B 472) wird vom Bau des Tunnel Bertoldshofen bestimmt. Hier stand zunächst der aufwendige Tunnelvortrieb im sehr anspruchsvollen Untergrund im Mittelpunkt. Der Weg für die Tunnelbauer wurde seit Juli 2017 mit dem Bau der Geltnachbrücke bereitet, welche seither der Zufahrt zum Tunnel dient. Auf der seit 2018 hergestellten Trasse der künftigen B 472 konnte so die Zwischenlagerfläche des Tunnelausbruchs angefahren werden, ohne die Ortsteile Hausen und Bertoldshofen vom Materialtransport der Baustelle zu belasten. 

Seit Juli 2018 war die beauftragte Tunnelbaufirma vor Ort tätig. Nach den Vorarbeiten an den beiden Tunnelportalen erfolgten die eigentlichen Tunnelarbeiten „unter Tage“ zum Jahresbeginn 2019 von Norden und zeitlich leicht nachlaufend auch von Süden aus. Im Jahr 2020 konnte der Tunneldurchschlag, das Zusammentreffen der beiden Vortriebe im Januar noch mit einem Festakt und dem Tag der offenen Baustelle gefeiert werden. Das Jahr 2020 war danach auch auf der Baustelle von der Corona-Pandemie geprägt. Die Arbeiten zur Herstellung der Betoninnenröhre und des Betriebsgebäudes wurden terminlich nicht mehr planmäßig realisiert. Sie sind Voraussetzungen für die Installation der betriebstechnischen Ausstattung des Tunnels, die nunmehr im Sommer 2021 begonnen hat. 

Derzeit wird die komplexe Tunnelbetriebstechnik mit zum Beispiel Beleuchtung und Belüftung hergestellt und vor allem werden die sehr umfassenden Sicherheitseinrichtungen im Tunnel installiert. Zur Steuerung und Stromversorgung der beispielsweise über 380 Lampen, über 20 Kameras und Lautsprecher werden rund 90 Kilometer Kabel durch den Tunnel verlegt. Vor der Verkehrsfreigabe des Tunnels muss die ganze Inneneinrichtung einen langwierigen Funktionstest durchlaufen, um sicherzustellen, dass sowohl im täglichen Betrieb als auch im Notfall alles sicher ablaufen wird. 

Während der Bauzeit des Tunnels konnte bereits im August 2020 ein erster Streckenabschnitt dem Verkehr übergeben werden. Dieser ist Teil der neuen B 16 und ersetzt künftig die B 472 und die Kr OAL5. Heute schon voll ins Umfeld und ins Verkehrsgeschehen integriert, beginnt er an der Einmündung westlich von Bertoldshofen, führt zum Kreisverkehr nördlich Bertoldshofen und bindet südlich von Kreen wieder auf die Kr OAL5 ein. Er war der erste Teil des Gesamtsystems der B 16/B 472 Ortsumfahrung Bertoldshofen und führte zur ersten Teilentlastung der Ortsdurchfahrten Marktoberdorf und vor allem Bertoldshofen. Die Nord-Süd-Verbindungen ab der B 12 in Richtung Kreisverkehr Schillenberg (B 16) und Hochwies (St 2008) ins südliche Ostallgäu kann damit bereits westlich an Bertoldshofen vorbeifahren. Auch eine Teilverlagerung des Durchgangsverkehrs aus der Ortsdurchfahrt Marktoberdorf auf die neue B 16 wurde damit möglich. Die bedarfsgerechte Dimensionierung und Trassierung der Straße, die Über- beziehungsweise Unterführung querender Wege, die Ausstattung mit passiven Schutzeinrichtungen und die Verknüpfung der Teilstrecken über den Kreisverkehr ergeben eine deutliche Verbesserung der Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen gegenüber der bisherigen Wegeführung durch die Ortsdurchfahrt. Diesem Zweck dient auch besonders die Trennung von Radfahrer*innen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf dem straßenbegleitenden Wirtschaftsweg.

Ebenfalls parallel zum Bau des Tunnels wurde auch auf der Süd-Ostseite von Bertoldshofen bereits mit dem Ausbau der B 472 begonnen. Der Streckenabschnitt vom Tunnelportal Süd bis zur Einmündung Burk ist Teil des Gesamtprojekts der Ortsumgehung Marktoberdorf und Bertoldshofen, bevor er ab Selbensberg in den dreistreifigen Ausbau der B 472 bis Ob übergeht. Im letzten Jahr wurde hier zunächst auf einer eigens eingerichteten provisorischen Trasse der Verkehr neben dem Baufeld vorbeigeführt und die neue Trasse weitgehend fertiggestellt. In der derzeit erforderlichen Sperrung des Streckenabschnitts wird die Fahrbahn in der endgültigen Form fertiggestellt. Sie ist damit mit dem vollständigen Fahrbahnoberbau, Markierung und Ausstattung für die Freigabe des Tunnels in diesem Herbst bereit. Noch wird der Verkehr vor dem Tunnelportal in Richtung Bertoldshofen abgeleitet, wie es zukünftig nur noch bei Tunnelsperrungen der Fall sein wird. Die endgültige Straßenlage durch den Tunnel ist aber bereits deutlich erkennbar. Die Verkehrsfreigabe des Tunnels ist für November 2022 terminiert. Damit wird auch der östliche Ast der Ortsumfahrung Bertoldshofen aktiviert und somit die bestmögliche Entlastung der Ortsdurchfahrt erreicht. Die alte B 472 in Bertoldshofen geht danach in die Baulast der Stadt Marktoberdorf, welche dann die Möglichkeit zur Neugestaltung des Dorfes zum Nutzen der Einwohner*innen hat (Dorferneuerung).

Als letzter Bauabschnitt steht noch der Anschluss der neuen B 16 an die B 12 bei Altdorf aus. Infolge der anstehenden vierspurigen Ausbaus der B 12 wurde hier zunächst die Planung innerhalb des planfestgestellten Umgriffs modifiziert. Ziel ist es, die Funktion des Anschlusses so weit wie möglich zu erfüllen, ohne dass das Bauwerk mit einer neu geplanten B 12 kollidiert. Die Arbeiten beginnen hier ab 2023 und werden dann das Gesamtprojekt baulich und verkehrlich komplettieren. Der Ausbau der B 12 bleibt hiervon unbeeinflusst. 

Als Ausgleich für die Eingriffe in die Natur werden im Projekt auch umfangreiche Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt. Ein Teil davon wird direkt am Ort des Eingriffs umgesetzt. Beispielsweise zwischen dem Kreisverkehr nördlich Bertoldshofen und der Verbindung zur OAL5 südlich von Kreen rückt die neue B 16 auf rund 800 Meter von der Kreisstraße OAL5 ab. Dadurch entsteht ein Grünstreifen von gut 30 Meter Breite direkt neben der Geltnach mit einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern. Der Bereich wird in den kommenden Jahren naturnah gestaltet und bepflanzt. In enger Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaftsverwaltung wird dabei auch die Geltnach selbst renaturiert. In diesem Zusammenhang wurde auch großer Aufwand für den Schutz querender Amphibien und Kleintiere betrieben. Auf rund 1700 Meter Länge sind Amphibienleiteinrichtungen in Form von Betonfertigteilprofilen verbaut, die über sechs Rechteckdurchlässe (Krötentunnel) das sichere Unterqueren der B 16 ermöglichen.

Die Kosten der Gesamtmaßnahme belaufen sich auf rund 74 Millionen Euro, davon entfallen rund 20 Millionen Euro auf die Straße und Brücken, rund 52 Millionen Euro auf den Tunnel Bertoldshofen und rund zwei Millionen Euro auf den Grunderwerb. (Ralf Eisele)
 

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