Bauen

Das Wilhelmsgymnasium in München wurde für rund 52 Millionen Euro erweitert und saniert. (Foto: Peter Schinzler, München)

20.11.2018

Schule mit Tradition

Erweiterung und Generalinstandsetzung des Staatlichen Wilhelmsgymnasiums in München

Das Staatliche Wilhelmsgymnasium ist mit über 450 Jahren das älteste Gymnasium Münchens. Seit über 140 Jahren befindet sich die traditionsreiche Schule am Standort Thierschstraße im Stadtteil Lehel. Das denkmalgeschützte Schulgebäude wurde in den Jahren 1875 bis 1877 nach Plänen des Architekten und königlichen Oberbaurats Carl von Leimbach im Stil der Neorenaissance erbaut.

Nach massiven Kriegsschäden erfolgte der Wiederaufbau in den 1950er Jahren. Durch umfangreiche Bestandsuntersuchungen wurden akute bautechnische Mängel offenkundig. Feuchtigkeitsschäden, marode Stahlbeton- und Stahlträgerdecken, sanierungsbedürftige historische Holz- und Gewölbedecken, Mängel im Bereich baulicher Brandschutz, eine veraltete Haustechnik sowie mangelnde Wärmedämmung forderten dringend eine Sanierung. Hinzu kam ein gravierendes Raumdefizit, beispielsweise fehlte eine Pausenhalle für Regenwetter genauso wie Mehrzweck- oder Ausweichräume, zusätzliche Klassen- und Fachlehrsäle waren dringend erforderlich.

Auf Grundlage dieser Untersuchungen beauftragte der Stadtrat 2015 das Baureferat mit der Ausführung der Generalinstandsetzung und der Erweiterung des Schulgebäudes.

Der zu erhaltende besondere Charakter des Wilhelmsgymnasiums, die sehr beengte innerstädtische Lage sowie der schützenswerte alte Baumbestand auf dem Grundstück stellten die Planer vor eine große Herausforderung. Das Münchner Büro BPA Braun Architekten erarbeitete mehrere Planungsansätze, die untersucht und bewertet wurden. Die nun umgesetzte Variante überzeugte den Denkmalschutz genauso wie das Referat für Bildung und Sport: Sie ermöglicht rund 1650 Quadratmeter zusätzliche Fläche im Rückbereich des Gebäudes – ohne Beeinträchtigung der denkmalgeschützten Fassaden zur Maximilian- und zur Thierschstraße.

Zwei zusätzliche Geschosse

Der marode Gebäudetrakt entlang der Maximilianstraße wurde unter Erhalt der denkmalgeschützten Fassade abgebrochen und neu aufgebaut – mit Zugewinn von zwei zusätzlichen Geschossen für Unterrichtsräume. Um innerhalb des beengten Grundstücks neue Flächen zu schaffen, ohne die Freibereiche zu sehr einzuschränken, wurde im Bereich des Pausenhofs eine Einfachsporthalle elf Meter tief versenkt. Speziell angeordnete LED-Leuchten versorgen sie mit „künstlichem“ Tageslicht und schaffen eine hohe Aufenthaltsqualität tief unter der Erde. Diese neue, normgerechte Sporthalle ersetzt eine der beiden im Altbau vorhandenen „zu kleinen“ Turnhallen. An deren Stelle konnten nunmehr dringend benötigte, zusätzliche Unterrichtsräume im Bestandsgebäude untergebracht werden.

Die neue, transparent gestaltete Pausenhalle im Erdgeschoss ist an das Haupttreppenhaus im Mittelteil des historischen Altbaus angebunden und erschließt die versenkte Sporthalle. Bei der Sanierung wurden die baulichen Mängel des Bestandsgebäudes in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden behoben. Dabei erfolgte auch eine umfangreiche energetische Sanierung, die Raumakustik wurde verbessert und die gesamte Haus- und Medientechnik erneuert. Zwei neue Aufzüge sorgen für Barrierefreiheit im Großteil des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes.

Die rund 630 Schülerinnen und Schüler können sich nicht nur über den gewonnenen Raum im Gebäude freuen, sondern auch über neu gestaltete Freiflächen: Auf dem „Dach“ der neuen Sporthalle befindet sich eine Aktivzone für Tischtennis, Streetball und Bewegungsspiel. Eine bislang ungenutzte Fläche im südlichen Bereich des Grundstücks wurde als zusätzliche Pausenfläche aktiviert und kann zugleich als „grünes Klassenzimmer“ dienen.

Nach nur dreijähriger Bauzeit konnte das Wilhelmsgymnasium pünktlich zum Schuljahresbeginn im September 2018 wieder einziehen. Die Bauarbeiten hatten im August 2015 begonnen, die dreizügige Schule war während der Bauphase in einem Interimsbau an der Oettingenstraße ausgelagert. Für die Generalinstandsetzung und Erweiterung des Wilhelmsgymnasiums hatte der Stadtrat Baukosten in Höhe von 46,34 Millionen Euro bewilligt – zuzüglich der Kosten für den Interimsbau in Höhe von 7,28 Millionen Euro.

Im Rahmen von QUIVID, dem Kunst-am-Bau-Programm des Baureferats, schuf die Münchner Künstlerin Gabriele Obermaier die plastische Wandinstallation „Kugelschwarm“. Sie verteilte 111 golden schimmernde Bronzekugeln im Schulgebäude. Die von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften geformten Kugeln mit fünf bis zwölf Zentimetern Durchmesser sind als „Wandpiercing“ an Außen- und Innenwänden befestigt. Die meisten als „Schwarm“ im südlichen Treppenhaus, einzelne aber auch in anderen Bauteilen. Den Entstehungsprozess der Installation hielt Gabriele Obermaier in einem Künstlerbuch fest. (BSZ)

(Die neue Pausenhalle und die versenkte Einfachsporthalle. Das historische Haupttreppenhaus - Fotos: Peter Schinzler, München)

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