Wie kommt eine königliche Saline in den französischen Jura, in einen kleinen Ort mit heute 1600 Einwohnern im Département Doubs, 85 Kilometer südöstlich von Dijon, 25 Kilometer südwestlich von Besançon? Claude-Nicolas Ledoux, ein visionärer Architekt, schuf dort im Auftrag von König Ludwig XV. zwischen 1775 und 1779 eine königliche Saline. Denn Ledoux erkannte bei einer Inspektionsreise, es sei einfacher „das Wasser auf Reisen zu schicken, als einen Wald Stück um Stück durch die Gegend zu fahren“. Zehn Jahre später die Revolution von 1789: Die Saline von Arc-et-Senans wird geschlossen und geplündert, für weitere Schäden sorgt 1918 ein Brand. 1927 erwirbt das Département Doubs die Anlage. 1982 wird die Saline Royale in die Unesco-Liste des Welterbes aufgenommen, 2009 erweitert. Heute ist die Anlage auch ein Kongresszentrum, in 15 Räumen können bis zu 1200 Personen tagen und arbeiten. Dazu gibt es 31 Zimmer auf Dreisterne-Niveau.
Die großzügigen Gebäude der Saline Royale von Arc-et-Senans beherbergen das Musée Claude-Nicolas Ledoux, das einzige Museum in Europa, das einem Architekten gewidmet ist. Rund 60 Modelle dokumentieren das Leben und Werk des Architekten. Sie sind umso wertvoller, da einige der Gebäude nie realisiert oder im Laufe der Zeit zerstört wurden. Die Ausstellung zeigt die zahlreichen Facetten der Arbeit von Ledoux, der Theater, Stadtpaläste und Zoll-Wachhäuser an den Stadtgrenzen von Paris geschaffen hat. Die Modelle zeigen auch Traum-Projekte von Ledoux, wie die idealisierte Stadt Chaux und Funktionsbauten wie Schulen, Gefängnisse, Industriebetriebe und Friedhöfe.
Die Saline Royale ist heute bekannter für die außerordentliche Architektur ihrer Gebäude als für die industrielle Aktivitäten, die darin erfolgten. Der Besucher kann in die verschiedenen Gebäude gehen, entdeckt dabei Geschichte und Architektur. Dazu kommen 30 Gärten auf 13 Hektar Fläche, konzipiert vom Landschaftsgärtner Gilles Clément, der die Natur begleitet und biologische Vielfalt fördert.
Das einzige, einem Architekten gewidmete Museum
Im „Maison du Directeur“ der Saline zeigt eine Dauerausstellung im Erdgeschoss in sechs Räumen auf über 500 Quadratmetern eine Vielzahl von Aspekten des Salzes, von der Herstellung bis zum Verzehr. Besonders beeindruckend sind ausgestellte, früher verwendete Wasserleitungsrohre aus Holz.
Das Museum Claude-Nicolas Ledoux ist das einzige, einem Architekten gewidmete Museum in Europa. Rund 60 Modelle zeigen Leben und Werk des Schöpfers der Königlichen Saline von Arc-et-Senans. In der Ausstellung kann man seine gebauten Werke, von denen nur wenige erhalten sind, sowie seine Traumprojekte entdecken.
Ein Projekt von Claude-Nicolas Ledoux, das erhalten ist, ist Schloss Bénouville im Calvados. Etwa auf halbem Weg von Caen zum Ärmelkanal, neben dem Kanal, von Napoleon III. im Jahr 1857 eingeweiht, taucht plötzlich in den Feldern ein neoklassisches Schloss auf: Schloss Bénouville. Seit 1927 im Besitz des Départements Calvados, hat das Gebäude eine reiche, bewegte Geschichte.
Bestellt hat es 1768 der Marquis, Graf von Bénouville. Zwischen 1780 und 1790 wurde es für François Sanguin de Livry erbaut, die Pläne lieferte Claude-Nicolas Ledoux aus Paris. Während der Revolution musste die Witwe des Marquis wegen finanziellen Engpässen 1792 das Schloss einem Grundbesitzer verkaufen, der jedoch 1794 unter der Guillotine starb. Die Tochter der Witwe schaffte es, das Gebäude zurückzuerhalten. Bis 1927 blieb es im Besitz der Familie d’Aubigny.
Nachdem der Generalrat des Calvados (heute: Départementsrat des Calvados) 1927 Besitzer des Schlosses wurde, richtete er ein Kinderheim mit Entbindungsstation darin ein. Das Heim wurde von Ordensschwestern geführt.
Während der deutschen Besatzung 1940 bis 1944 war die Direktorin des Hauses, Léa Vion, Mitglied des Résistance-Netzes Centurie, das den Alliierten Informationen über deutsche Truppen und die Bauten am Atlantikwall weitergab.
Bis in die 1970er-Jahre diente das Schloss als Kinderheim (Assistance publique). Bereits 1930 wurde Schloss Bénouville „monument historique“ einschließlich seiner Terrasse. Weitere Teile der Anlage kamen 1987 unter Denkmalschutz.
1980 begann die Sanierung, 1990 wurde das Schloss wieder für das Publikum geöffnet. Bereits ab 1986 diente es bis 2012 als Sitz des Regionalen Rechnungshofs der Normandie. Seit 2013 ist Schloss Bénouville Sitz des Europäischen Instituts für Gärten und Landschaft.
Entbindungsstation, Rechnungshof
und Kulturresidenz
Wegen seiner Lage zwischen Ärmelkanal und der Stadt Caen dient Schloss Bénouville gelegentlich als Ort für anglo-französische Treffen. Zudem wurde am 27. September 1986 in Schloss Bénouville die Urkunde für die regionale Partnerschaft zwischen dem Département du Calvados und dem Bezirk Unterfranken unterzeichnet.
Schloss Bénouville gehört zu den am besten erhaltenen Werken von Nicolas Ledoux. Mit dem monumentalen Treppenhaus und seiner für das 18. Jahrhundert modernen Architektur ist es ein Musterbau des Neoklassizismus. Bei der aktuellen Restaurierung soll der Originalzustand wiederhergestellt werden, insbesondere bei den Dächern, den Tür- und Fenstereinfassungen (huisseries) und des Parketts. Nach dem Tag des Europäischen Denkmals im September 2024 geschlossen, soll das Schloss in eine „Kulturresidenz“ umgewandelt werden, geplante Eröffnung 2027.
Ein weiteres erhaltenes von Ledoux geplantes Gebäude ist die Rotonde de la Villette in Paris. Die Rotonde de la Villette, als Zollhaus entworfen, ist Teil einer früheren Stadtmauer um Paris. Als Barrière Saint-Martin war sie eines von über 40 Zollhäusern rund um die Stadt Paris in den Grenzen von 1860. Bauherr war die damals noch selbstständige Gemeinde La Villette, gebaut wurde zwischen Juni 1786 und März 1788. Die Rotonde ist eines der wenigen erhaltenen früheren Zollhäuser um Paris.
35 Jahre diente die Rotonde als Kaserne der garde municipale, 1871 überstand sie während der Pariser Kommune den Brand der Lagerhallen. Ab 1903 befanden sich in der Rotonde Büros der Lagerfirmen sowie des Zolls. Ab 1921 diente sie als Salzspeicher und von 1978 bis 2001 war in der Rotonde der Sitz der „Commission du Vieux Paris“. 2011 wurde die Rotonde de la Villette als Brasserie und Bar wiedereröffnet.
Das Theater von Besançon, ebenfalls ein Entwurf von Ledoux, ist seit 1928 ein „Monument historique“. Allerdings blieb nach einem Brand im April 1958 nur die Fassade mit ihren sechs ionischen Säulen unbeschädigt. Das Innere des Theaters wurde restauriert und 1994 grundlegend neu gestaltet. (Wolfgang O. Hugo)
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