Bauen

Bau- und Immobilienfachmann Klaus-Peter Stöppler. (Foto: Klaus-Peter Stöppler)

26.02.2026

Sich aus eigener Kraft fit für die Zukunft machen

Bau- und Immobilienfachmann: Die Politik wird die Wirtschaft nicht retten

„Die Politik wird die Wirtschaft nicht retten“, befürchtet der Bau- und Immobilien­fachmann Klaus-Peter Stöppler, und sagt: „Die Unternehmen müssen sich aus eigener Kraft fit für die Zukunft machen.“ Er erklärt: „Nach rund anderthalb Jahren neuer Regierung sind keine nennenswerten wirtschaftspolitischen Impulse aus der Politik zu spüren. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber jetzt können wir sie getrost zu Grabe tragen. Firmen, die weiterhin auf Hilfe aus Berlin hoffen, sind verloren.“

Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis rät Stöppler aber nicht etwa zum Aufgeben, sondern zum Zupacken. Der Bau- und Immobilienexperte ist regelmäßig als Interim Manager im Einsatz, um Unternehmen durch die Talsohle der deutschen Wirtschaft zu navigieren. Als Beirat im Mittelstand hilft er zudem, Firmen langfristig auf Erfolgskurs zu halten. In den Praxiseinsätzen vor Ort stellt er immer wieder fest: „Es gibt so viele Stellschrauben in den Betrieben, um Aufträge zu generieren, Prozesse zu verbessern, Innovationen einzuführen und Kosten zu senken. Aber viele Führungskräfte übersehen diese Chancen und fahren ihre Firmen auf eingefahrenen Gleisen an die Wand.“

Breites Spektrum an Praxisbeispielen

Der Praxisprofi gibt Beispiele: „Oft bleiben ungenutzte Vertriebspotentiale liegen, weil Kundendaten nicht systematisch ausgewertet werden oder Angebote zu spät und ohne klare Differenzierung abgegeben werden. Gleichzeitig laufen interne Abläufe weiter wie vor zehn Jahren, obwohl sich durch Digitalisierung, Automatisierung oder eine andere Organisation der Wertschöpfungs­kette die Durch­laufzeiten drastisch verkürzen und Fehlerquoten reduzieren ließen.“ Zudem würden Innovationen häufig nicht erkannt oder jedenfalls nicht in vollem Umfang genutzt, hat er festgestellt.

Stöppler verweist beispielhaft auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Baugewerbe: Studien zufolge nutzen höchstens 20 bis 25 Prozent der Unternehmen hierzulande KI, während die KI-Durch­dringung in den USA in dieser Branche bei knapp 40 Prozent liege. „Vor allem ist das Niveau der KI-Nutzung in hiesigen Baufirmen noch auffallend niedrig“, weiß der Experte. Er gibt auch dazu ein Beispiel: „Wer heutzutage Microsoft Office nutzt, kommt an KI in Word oder Excel im Grunde gar nicht mehr vorbei, etwa beim Formulieren oder Kalkulieren von Bewerbungen auf Ausschreibungen. Aber das ist Lichtjahre von den Effizienzgewinnen entfernt, die sich mittels Künstlicher Intelligenz an anderen Stellen in den Wirtschaftsketten im Baugewerbe erzielen lassen.“ Während die Immobilienbranche durch­aus innovationsfreudig sei, bescheinigt der Fachmann der Baubranche „eine gewisse Innovations­trägheit.“

Innovationsträgheit bei BIM, seriellem Bauen und 3D-Betondruck

Zwar gewinne in Deutschland das digitale Planungsmodell Building Information Modeling (BIM) allmählich an Bedeutung – aber auffallend langsam. So hätten im letzten Jahr nicht einmal 20 Prozent der Bau- und Ausbauunternehmen BIM-Software genutzt, sagt der Experte. Der Stufenplan Digitales Planen und Bauen des BMVI (heute BMDV) von 2015 habe durchaus entscheidende Impulse gesetzt, BIM bei Bundesinfrastrukturprojekten ab 2021 verpflichtend gemacht und einheitliche Standards sowie Masterpläne geschaffen, „aber das damalige Ziel der flächendeckenden Durchdringung in der gesamten Branche liegt auch mehr als zehn Jahre später noch in weiter Ferne.“ Die Schuld hierfür liege allerdings weniger bei der Politik als vielmehr auf der Unternehmensseite. „BIM ist eine Riesenchance, die jedoch von der Branche weitgehend vertan wird“, beklagt Klaus-Peter Stöppler“.

Mehr Fortschritte macht er bei modularer und serieller Bauweise aus. So seien im letzten Jahr mehr als ein Viertel aller neuen Wohngebäude in Deutschland mit vorgefertigten Bauelementen errichtet worden. „Das verkürzt die Bauzeiten, standardisiert die Qualität und reduziert die Kosten“, zählt der Fachmann handfeste Vorteile auf. Warum der Anteil nicht höher ist? „Weil viele traditionelle Bau­unternehmen weiterhin konventionell bauen, Planungs- und Genehmigungsprozesse lange dauern, die Baukosten für Serienbau oft nur bei sehr hohen Stückzahlen wirklich günstiger sind und es an ausreichend großen, standardisierten Projekten vor allem im Mehrfamilienhausbereich mangelt“, erläutert Stöppler.

Ebenfalls als eine „zentrale Innovation“ bezeichnet er den 3D-Betondruck und weitere automatisierte Bauverfahren. „Auf Dauer werden sich digitalisierte und teilautomatisierte Bauprozesse durchsetzen, um Fachkräftemangel, Produktivitätsprobleme und hohe Baukosten zu adressieren“, ist sich Stöppler sicher. Er stellt indes auch klar: „Die unternehmerischen Aktivitäten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rahmenbedingungen nicht nur für die Bauwirtschaft in Deutschland verheerend sind.“ Er verweist exemplarisch auf die Überbürokratisierung der Bauämter verbunden mit einer mangelnden Digitalisierung und einem eklatanten Personalmangel. „Die vagen Positivmeldungen der letzten Zeit sind noch kein Anlass zum Jubeln“, sagt er, „weil die strukturellen Probleme bislang keineswegs gelöst sind.“ Stöppler betont die Signalwirkung der Bauwirtschaft. Er verweist auf eine aktuelle Umfrage unter 550 Kollegen, also Interim Managern, wonach 87 Prozent der befragten Führungskräfte auf Zeit der Bau- und Immobilienbranche eine hohe Bedeutung für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands beimessen. (BSZ)

 

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