Bauen

Sowohl der Kostenrahmen mit 9,1 Millionen Euro als auch der Zeitrahmen wurden beim Erweiterungsbau eingehalten. (Foto: Gerhard Hagen)

14.03.2019

Sicher verwahrte Kleinodien

Erweiterungsbau für das Staatsarchiv Bamberg

Einrichtung zur systematischen Erfassung, Erhaltung und Betreuung von Schriftstücken, Dokumenten, Urkunden, Akten, insbesondere soweit sie historisch, rechtlich oder politisch von Belang sind.“ So nüchtern umschreibt das bekannteste deutsche Rechtschreibwörterbuch das Wort Archiv.

In Bamberg gibt es eine derartige „Einrichtung“ seit 1904 im sogenannten Haingebiet. Das im neobarocken Baustil entstandene und im Grundriss an eine barocke Schlossanlage angelehnte historische „Beständehaus“ mit Verwaltungstrakt und Nebengebäude erhielt bereits Anfang der 1960er Jahre einen Magazinanbau, der jedoch aufgrund des enormen Zuwachses an Archivalien sehr schnell wieder zu klein war. Darüber hinaus waren und sind die raumklimatischen Verhältnisse in diesem Magazinanbau beileibe nicht auf einem zeitgemäßen Stand nachhaltiger Archivalienlagerung.

Aus diesem Grund erhielt das Staatliche Bauamt Bamberg im September 2014 den Planungsauftrag, eine Magazinerweiterung für etwa 29 000 Regalmeter für Archivgutunterbringung (entspricht rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche) in unmittelbarem Anschluss an das 1960er Jahre Magazin zu errichten.

Den vom Staatlichen Bauamt Bamberg durchgeführten Architektenwettbewerb konnte das Architekturbüro Peter W. Schmidt (PWS), Pforzheim, für sich entscheiden. Der Entwurf von PWS sieht für die Magazinerweiterung einen monolithischen, fensterlosen Kubus vor, der sich trotz seiner enormen Baumasse wohltuend in die bebaute Umgebung aus vorhanden Archivgebäuden einerseits und gründerzeitlichen Villen andererseits einfügt. Dies gelingt zum einen durch eine Fassadengestaltung, die mit einer Vielzahl von filigranen Betonlisenen eine erstaunliche Kleinteiligkeit erzeugt, zum andern durch die durchgefärbten, vorgehängten Beton-Fassadenelemente, die in ihrer Farbigkeit an die Sandsteinfassade des historischen Altbaus angelehnt sind.

Das in massiver Ortbetonbauweise errichtete Magazingebäude ist im Untergeschoss mithilfe einer weißen Wanne und zusätzlich eingebauter Frischbetonverbundfolie zuverlässig gegen eindringendes Wasser geschützt. Um die Ableitung der enormen Lasten aus den Regalböden der Rollregale Rechnung zu tragen, wurden einige der aussteifenden Wände als wandartige Träger ausgebildet. Um eine „Durchstanzung“ zu verhindern, wurde eine 60 Zentimeter starke Bodenplatte erforderlich.

In den fünf oberirdischen Stockwerken und einem Kellergeschoss sind Archivflächen mit Rollregalanlagen untergebracht, in denen künftig so erlesene Kleinodien wie eine kaiserliche Bulle aus dem 12. Jahrhundert in jeglicher Hinsicht dauerhaft und sicher verwahrt sind. Darüber hinaus sind im Erdgeschoss der Magazinerweiterung auch drei Büros, Spezialräume für Bearbeitung und Lagerung (Raum mit Tiefkühltruhen, Quarantäneraum) sowie Sanitärräume enthalten.

Die Erschließung des Neubaus erfolgt im Erdgeschoss über ein eingeschossiges Zwischenbauwerk zwischen dem 1960er Jahre Magazin und dem Neubau, sodass ebenerdig und barrierefrei das Archivgut eingebracht werden kann. Im dritten Obergeschoss gibt es darüber hinaus noch einen verglasten Verbindungsgang, um schnelle Wege zwischen den beiden Gebäuden zu gewährleisten.

Um der großen Furcht der Archivverwaltung vor „Wasser im Archiv“ nachzukommen, wurde versucht, wasserführende Leitungen im Gebäude weitestgehend zu reduzieren. Deshalb wurden zum Beispiel Fallleitungen der Flachdachentwässerung nicht durchs Gebäude geführt, sondern in der Fassade hinter den vorgehängten Fassadenplatten abgeleitet.

Für die Einhaltung der geforderten hohen Raumluftqualität im Gebäude – die nur enge Spreizungen zulässt – sorgt eine als Vollklimatisierung konzipierte Lüftungsanlage, die nur auf eine einfache Luftwechselrate ausgelegt ist. Durch die mögliche Be- beziehungsweise Entfeuchtung der Zuluft ist eine exakte Regulierung der relativen Raumluftfeuchtigkeit möglich. Die Vorgaben lauten: relative Feuchteschwankungen zwischen 40 und 55 Prozent bei einer Temperaturspreizung zwischen 14 und 18 Grad Celsius.

Auf dem Dach gibt es
eine Photovoltaikanlage

Dank der eingebauten Wärmerückgewinnungsanlage gelingt es, rund 75 Prozent der Abwärme in der Abluft wiederzuverwenden. Zur Erfüllung der Forderung des Einsatzes von regenerativen Energien wurde auf dem Flachdach des Neubaus eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 9,5 kWp errichtet.

Die Bauarbeiten für die Magazinerweiterung wurden vom Staatlichen Bauamt Bamberg abgeschlossen.
Sowohl der Kostenrahmen mit 9,1 Millionen Euro als auch der Zeitrahmen wurden eingehalten und die örtliche Archivverwaltung schätzt sich glücklich, eine große Anzahl von nicht immer optimal untergebrachten, aber wertvollen Archivbeständen, möglichst dauerhaft und schonend unterbringen zu können. (Hubert Wagner)

(Das Magazin wurde für rund 29.000 Regalmeter Archivmaterial erweitert - Fotos: Gerhard Hagen)

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