Bauen

Das neue Sudentendeutsche Museum in München. (Foto: Florian Holzherr)

04.12.2020

Skulpturaler, schlichter Baukörper

In München wurde das Sudetendeutsche Museum eröffnet

Im Münchener Stadtteil Au-Haidhausen ließ der Freistaat Bayern, vertreten durch das Staatliche Bauamt Rosenheim, für die Sudetendeutsche Stiftung das Sudetendeutsche Museum errichten; in direkter Nachbarschaft zum Sudentendeutschen Haus und dem Haus des Deutschen Ostens. Gut vier Jahre nach der Grundsteinlegung wurde der Neubau nun offiziell eröffnet.

Beim Entwurf setzte sich Ende 2014 das Münchner Architekturbüro pmp bei einem Architektenwettbewerb gegen eine internationale Konkurrenz durch. So urteilte das Preisgericht mit großer Mehrheit: „Dieser durchgeformte skulpturale Zugriff formt einen schönen Baukörper, der sich an der Isarhangkante sehr gut und maßstäblich einfügt und im Inneren interessante und variantenreiche Raumbereiche mit hoher Aufenthalts- und Nutzungsqualität bietet und der Bauaufgabe in hohem Maße entspricht.“

Akzentuierter Kopfbau

Zudem schließt der skulpturale und schlichte Baukörper auch die vorhandene Bebauung – mit der er auch funktional verbunden ist – als akzentuierter Kopfbau zum angrenzenden Landschaftsschutzgebiet harmonisch ab.

In der weiteren Bearbeitung der Bauaufgabe konnte die ursprüngliche Qualität nicht nur bewahrt, sondern weiter vertieft werden. Auf der Südseite hat das Museum trotz der beengten Lage den angemessenen Eingangsbereich von der Hochstraße, der auch durch das Zurückspringen der Glasfassade hinter die Natursteinfassade weiter betont wird.

Der geplante Museumsrundgang – selbstverständlich barrierefrei – führt den Besucher über das Foyer zunächst in die oberste Ebene und dann, der chronologisch aufgebauten Ausstellung folgend, über fünf Ebenen nach unten. Dabei bieten geschossweise übereinanderliegende, fast kubistisch gestaltete Öffnungen nicht nur Orientierung, sondern auch einen Blick nach Westen über die Landeshauptstadt. Der Aufenthalt findet schließlich im Museumscafé seinen Abschluss.

Dank der Hanglage des neuen Museums wird im eigentlichen Untergeschoss nochmals der Blick in die westlichen Isarauen frei. Eine Terrasse unter alten Bäumen, mit der Geräuschkulisse des Auer Mühlbachs, lädt Museumsbesucher und Gäste zum Verweilen ein. Die gelungene Aufnahme der Geländeform in die Architektur wird abschließend noch einmal durch den Rückweg über die verglaste Treppe in das Foyer deutlich.

Dem Besucher werden und sollen die technischen Besonderheiten, wie die zeitgemäße Sicherheits- und die komplexe Lüftungstechnik nicht auffallen, aber auch diese sind erforderlich, um unwiederbringliche Kulturgüter angemessen zu präsentieren. Genauso macht erst das anspruchsvolle Tragwerk des Stahlbetonbaus diese Architektur des Neubaus mit stützenfreier Fassade möglich.

Weiter waren noch Anpassungsarbeiten der vom Museum mitgenutzten Bereiche im bestehenden stiftungseigenen Sudetendeutschen Haus, wie beispielsweise die Sanierung der Lüftungsanlage des Adalbert-Stifter-Saals, die Erweiterung der Alfred-Kubin-Galerie und die Renovierung einiger Büros, gefordert. Die Mängel im Bestand wurden zum Anlass genommen, um die Bausubstanz in Teilen nachhaltig zu sanieren und auch gestalterisch an den baulich und funktional verbundenen staatlichen Neubau anzupassen. Im Zuge dessen entstand ein neu gestaltetes Bestandsfoyer und eine moderne Bibliothek.

900 Exponate

Mit der Fertigstellung der Arbeiten für den Neubau waren dann rund 1200 Quadratmeter Ausstellungsflächen und 150 Quadratmeter Foyer frei für die Ausstellung, die unter der Federführung des Sozialministeriums eingerichtet wurde.

Mit einer zeitgemäßen Präsentationsform, einer modernen Museumspädagogik und rund 900 Exponaten wird in der Ausstellung die wechselvolle Geschichte der deutschsprachigen Bevölkerung in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien erzählt, von Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert berichtet und die Prägung sowie Entwicklung dieses Kulturraums dokumentiert, der über viele Jahrhunderte ein geistiges und kulturelles Zentrum Europas war.

Im Rahmen eines Festakts wurde der Museumsneubau am 12. Oktober dieses Jahres in Anwesenheit von Ministerpräsident Markus Söder, Kulturstaatsministerin Monika Grütters, der Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner, und Bernd Posselt, oberster politische Repräsentant der Sudetendeutschen Volksgruppe, offiziell eröffnet. Die Staatsregierung ist Schirmherrin der Sudentendeutschen Volksgruppe, die neben Altbayern, Franken und Schwaben offiziell „vierter Stamm“ Bayerns ist. (BSZ)

(Blick in die Ausstellung - Fotos: Florian Holzherr)

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