Bauen

Der Pfarrhof vom Lorenzer Platz aus gesehen. (Foto: Oliver Heinl, Rednitzhembach)

19.05.2022

Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten

Neukonzeption von „Haus St. Lorenz“ am Lorenzer Platz in Nürnberg

Im Rahmen eines eingeladenen Architektenwettbewerbs nach RPW 2008 „Neukonzeption Lorenzer Platz 8-10a Nürnberg“ der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Lorenz wurden zwei 1. Preise im Jahr 2010 vergeben. Diese erhielten das Münchner Architekturbüro bogevischs buero und Bernhard Heid Architekten aus Fürth. Nach einer weiteren Überarbeitungsphase wurde Bernhard Heid Architekten (Umwandlung am 1. Januar 2016 in Heid + Heid Architekten BDA PartmbH) zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Bernard Lorenz aus Nürnberg der Auftrag für die Planung und Bauüberwachung übertragen.

Das Gemeindezentrum öffnet sich zur Lorenzer Kirche durch den Pfarrhof, den Durchgang und den Innenhof. Der überdeckte Durchgang funktioniert als Verteiler und als überdachter Gang zwischen dem äußeren und dem inneren Pfarrhof. Um diese Höfe sind Bistro, Eine-Welt-Laden, das Foyer, der Gemeindesaal und das Bibelzentrum mit Buchladen angeordnet, sodass im Erdgeschoss öffentliche Nutzungen den Außenraum beleben und sich in diesen auch mit spezifischen Aktivitäten erweitern können.

Parallel zu dieser Abfolge von äußeren Plätzen gibt es im Inneren mit der Abfolge Bistro, Foyer, Gemeindesaal ein zusammenschaltbares Raumkontinuum, das analog der äußeren Platzabfolge räumliche Abwechslung mit Großzügigkeit und vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten kombiniert. Der Blickkontakt zur Lorenzkirche ist vom Saal über Foyer, Bistro direkt gegeben. Die Belichtung im Pfarrhof ist sowohl für den Hof als auch für den Gemeindesaal sehr günstig.

Die Eingänge liegen an den Plätzen zugewandten Fassaden. Am Eingangsplatz liegen die Zugänge von Eine-Welt-Laden und zum Bistro, am überdachten Platz der Eingang in den Bibelbuchladen und über das Treppenhaus zu den oberen Stockwerken, am Innenhof der Zugang zum Foyer des Gemeindesaals, dem Bibelmuseum und dem Kirchensteueramt. So können alle Plätze bespielt werden, ohne dass es zu wechselseitigen Beeinträchtigungen kommt.

Der Konferenzraum im 1. Obergeschoss hat unmittelbaren Ausblick auf die Kirche und ist durch das Foyer mit einem kleinen Luftraum und durch die unmittelbare Lage zu den Verwaltungsräumen der Pfarrei sowie der Verwaltung des Bibelmuseums gut angebunden. Das neue Treppenhaus erschließt alle Stockwerke des nördlichen Baues, entlastet das bestehende Treppenhaus und lässt eine flexible Organisation der Grundrisse zu. Der Innenhof kann separiert und der Gemeindesaal vollflächig geöffnet werden und den ganzen Innenhof nutzen.

Das Bibelmuseum ist leicht erreichbar und vom vorderen Hof aus gut sichtbar erdgeschossig im hinteren Teil des Innenhofs untergebracht. Die Räume des Kirchensteueramts in den Obergeschossen lassen ungestörtes Arbeiten unabhängig von der Frequentierung der anderen Nutzungen zu. Täglich genutzte Räume bleiben im Erdgeschoss und beleben so auch den Straßenraum.

Die um zwei Stufen erhöhte Terrasse des Cafés grenzt sich von der öffentlichen Fußgängerzone ab, bildet aber dennoch zusammen mit dem Vorbereich des Eine-Welt-Ladens einen fließenden Übergang vom öffentlichen Stadtraum in den Innenhof des Gemeindezentrums St. Lorenz.

Der großkronige Baum im Innenhof lässt noch genügend Raum für Festivitäten und ermöglicht den Besucher*innen des Gemeindesaals und des Bibelmuseums zu jeder Jahreszeit einen schönen Blickfang. Die Feste können unter einem schattigen Baumdach stattfinden. So bietet der Pfarrhof nicht nur Flächen für den ruhenden Verkehr und für die Erschließung, sondern auch eine Grünzone – eine Rückzugsoase mit Aufenthaltsqualität.

Der gelbliche und rötliche Sandstein der bestehenden denkmalgeschützten Natursteinfassade wird aufgenommen und im vorderen Hof im Erdgeschoss ergänzt und durch den Durchgang bis in die untersten beiden Geschosse des Innenhofs gezogen. Im Erdgeschoss wird die Fassade stärker verglast um die Verbindung zwischen Innen und Außen auch bei geschlossenen Türen wahrnehmen zu können.

Die Fassade am Lorenzer Platz ist denkmalgeschützt und wurde denkmalgerecht saniert unter Zurücknahme des erdgeschossigen Vorbaus in den Nachkriegsjahren. Dadurch wurde der städtische Vorbereich wiederhergestellt. Der Gebäudeteil Lorenzer Platz 8 ist gesamtheitlich denkmalgeschützt und wurde denkmalgerecht umgestaltet. Eine alte Pfarrhofswand aus dem 15. Jahrhundert wurde im hinteren Hofbereich bei den Abbruchmaßnahmen vorgefunden und später als Innenwand im Bibelmuseum integriert. Während der gesamten Bauzeit wurde das Bauvorhaben archäologisch betreut und verschiedenste Funden aus mehreren Epochen gefunden, gesichert und dokumentiert. Teile diese Funde werden im Bibelmuseum präsentiert.

Die Wettbewerbsjury bewertete die Ausformungen des Gebäudekomplexes folgendermaßen: „Der Verfasser schafft es, sich organisch in die umgebende Bebauung durch Maßstäblichkeit der Höhenentwicklung und klare Baukörperformen einzufügen. Die vorgeschlagenen Raumproportionen von städtischem Raum und Hofbereich, die sich an einer Flucht erdgeschossig in den Innenbereich entwickeln, bieten funktional gute Proportionen.“ (Volker Heid)

 

 

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