Bauen

Die Fassade Südost mit Therapie und Pflegestationen. (Foto: Beeg Lemke Architekten GmbH)

09.05.2019

Zentraler Begegnungsort mit grüner Mitte

Neubau eines Campus für die Kinder- und Jugendpsychiatrie an den Bezirkskliniken Mittelfranken in Ansbach

Die Bezirkskliniken Mittelfranken erhielten am Standort Ansbach einen Neubau mit 30 Betten als Ersatz eines nicht mehr erhaltenswerten Interimsgebäudes und somit ein neues Gebäudeelement der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Herausforderungen für Bauherr und Planer waren dabei in gestalterischer und funktionaler Art und Weise ausgesprochen komplex und standen unter einem straffen Zeitplan.

„Wir mussten versuchen, die teilweise hohen Sicherheitsanforderungen auf subtile und altersgerechte Weise umzusetzen“, sagt Udo Lemke, einer der beiden Geschäftsführer der Beeg Lemke Architekten GmbH und projektverantwortlicher Partner. Vor allem war es eine besondere Herausforderung, aus den bereits bestehenden Gebäuden und dem Neubau zur Kinder- und Jugendpsychiatrie eine bauliche Einheit zu entwickeln.

Das mit der Bauaufgabe beauftragte Architekturbüro aus München, das seit Jahrzehnten deutschlandweit im Krankenhaus- und Laborbau schwerpunktmäßig tätig ist, wollte vor allem auf die städtebauliche Situation am Standort Rücksicht nehmen: Zum einen sollte das umgebende, denkmalgeschützte Ensemble, darunter drei angrenzende Bestandsgebäude (Ambulanz, Tagesklinik und Schule für Kranke), zum anderen der vor einiger Zeit errichtete Neubau einer Pflegestation berücksichtigt und einbezogen werden. Eine Herausforderung sowohl für die Architekten als auch für die Bezirkskliniken, nicht minder aufgrund des engen Bauplatzes zwischen diesen bestehenden Gebäuden.

Mit dem Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem aktuell bevorstehenden Abschluss der Arbeiten bei den Freianlagen werden schließlich alle bestehenden und neuen Gebäudeteile einen gemeinsamen Campus umfassen. Damit wird nach Aussagen der Planer ein zentraler Begegnungsort für Patienten, Besucher und Klinikpersonal geschaffen. Innerhalb dieses kleinen Zentrums erhält das neu geformte Ensemble der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine eigene grüne Mitte.

Der aktuelle Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Ansbach selbst besteht aus zwei Teilen, zum einen aus einem linearen Baukörper mit Aufnahmestation, Pflegestation und Therapieräumen, zum anderen aus einem punktförmigen Baukörper für die Patientenanlaufstelle und aus klinischen Arzträumen. „Dazwischen laufen in Form einer transparenten Gebäudefuge mit Zugängen und einem zentralen Erschließungsknoten alle Wege innen und außen zusammen“, erklärt Architekt Lemke.

Bestandsgebäude war durch Unwetter unbenutzbar

Startschuss und Planungsbeginn für diese Bauaufgabe war nach einem vorgelagerten VgV-Verfahren im Herbst 2015. Mit Errichtung einer dezentralen Klinik mit Fachrichtung Kinder- und Jugendpsychiatrie sollte und wird damit die wohnortnahe Versorgung für psychisch kranke Heranwachsende in der Kernregion Ansbach verbessert. Federführend war das Münchner Architekturbüro zusammen mit einer örtlichen Bauleitung, der Andreas Deß Baubetreuung GmbH aus Nürnberg, und einem Freianlagenplaner, der Thiele Landschaftsarchitekten GmbH aus Schwabach, mit der Bauaufgabe betraut.

Bauherr und Planer hatten ursprünglich vorgesehen, die Maßnahme in zwei zeitlich aufeinanderfolgende Bauabschnitte mit dazwischenliegendem Abbruch eines Bestandsgebäudes aufzuteilen, um das weitere Baufeld freizumachen und die Gesamtmaßnahme bis Ende des Jahres 2020 fertigzustellen. Da dieses Bestandsgebäude im Sommer 2016 durch einen Unwetterschaden unbenutzbar wurde, konnte die Bauphasenplanung so umgestellt werden, sodass die angestrebte optimale Unterbringung der Kinder und Jugendlichen bereits im Mai dieses Jahres erfolgen kann – also über ein Jahr früher.

Die Architekten schnürten dafür in enger Zusammenarbeit mit den Bezirkskliniken Mittelfranken ein Maßnahmenbündel zur Beschleunigung des Projekts. „Durch mehrere bau- und vergabetechnische Umstellungen konnten wir Zeit gewinnen, ohne Abstriche in der Qualität machen zu müssen“, erzählt Projektleiter Richard Vogel von der Beeg Lemke Architekten GmbH. So stellte das Architektenteam die ursprüngliche Planung nebst Rahmenterminplan in Teilen um: Hier wurde zum Beispiel eine kürzere Rohbauzeit bei Einsatz geeigneter Stahlbeton-Fertigelemente mit lediglich einer Bauperiode – anstatt zwei Bauperioden über den Winter – angestrebt, um vor allem eine Winterstandzeit zu vermeiden.

Die Baumaßnahme konnte schließlich kosten- und termingerecht Anfang Mai dieses Jahres offiziell übergeben werden. (Thomas Floerecke)

(Der Südost-Eingang und ein Fassadendetail; das Haupttreppenhaus und die Patientenanlaufstelle - Fotos: Beeg Lemke Architekten GmbH)

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