Beruf & Karriere

Arbeiten in Kapstadt statt im Büro: Wenn Unternehmen eine Workation anbieten, machen sie motivierte Kräfte auf sich aufmerksam. (Foto: dpa/Palitza)

03.03.2023

Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Immer mehr Unternehmen gewähren ihren Angestellten, am Ort ihrer Wahl tätig zu sein

Mit Laptop am Pool, in der Hängematte ein digitales Meeting abhalten oder in der Mittagspause kurz an den Strand: Workation – eine Kombination aus Work (Arbeit) und Vacation (Urlaub) – boomt und hat rein gar nichts mit Arbeiten im Urlaub zu tun. Es geht vielmehr um die Loslösung des Arbeitsplatzes von einem konkreten Ort.

Digitale Nomadinnen und Nomaden zeigen schon länger dass dies in manchen Branchen durchaus funktionieren kann. Im aktuellen „War of Talents“ müssen sich Unternehmen durchsetzen, manchmal auch mit zunächst einmal ungewöhnlich klingenden Modellen. Workation steht sinnbildlich für diese neue Welt und kann Teil eines intelligenten Recruitings sein, den sprichwörtlichen Obstkorb kann doch wirklich keiner mehr sehen erläutert Dirk Kreuter, Unternehmensberater und Verkaufstrainer. „Trotz all der digitalen Möglichkeiten behält die analoge aber doch ihren Stellenwert. Auch wenn es zunächst abgedroschen klingt: Menschen sind soziale Wesen und auf Kontakt zu anderen angewiesen und das auch oder besonders im Job.

Viele wollen Urlaub vom Büro, nicht von der Arbeit

Was für Babyboomer oder die Generation X oft noch wie Neuland erscheint, das ist längst Usus geworden, die Zahl der Brainworker steigt stetig. Ihr Arbeitsgerät: Laptop und Mobiltelefon. Bei einer Umfrage aus dem Juni 2022 gab fast die Hälfte der befragten Büroangestellten an, gerne für einige Zeit von einem Urlaubsort aus arbeiten zu wollen. 68 Prozent der Angestellten, die Workation schon einmal gemacht haben, würden diese Möglichkeit wieder in Anspruch nehmen. Tatsächlich haben aber nur 15 Prozent die Erlaubnis von ihrem Unternehmen.

Noch herrscht bei vielen Unternehmen Skepsis gegenüber dieser neuen Art zu arbeiten. Viele fürchten den Kontrollverlust. Doch das scheint in Wirklichkeit ein psychologisches Problem zu sein, meint Kreuzer. „Wer meint, nur durch Präsenz eine Kultur der Motivation und Leistung zu erschaffen, der hat eindeutig ein Vertrauensproblem.“ Auf der anderen Seite könne durch dieses Herauslösen aus dem Team auch das Persönliche und die Gemeinschaft ein Stück weit verloren gehen. Die direkte Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen könne motivieren und so manchen Prozess verkürzen.

Von einer Workation können also sowohl Angestellte als auch die Unternehmen profitieren. Leben und Arbeiten entwickeln sich zunehmend zu einer Einheit. „Viele wünschen sich Urlaub vom Arbeitsplatz, nicht von dem Job selbst“, weiß Kreuter. Ob Workation wirklich funktionieren kann, hänge stark von Unternehmen, der Beschäftigungsart und den Personen ab, die betroffen sind.

Innerhalb der Workation kann die Kreativität durch die neue Umgebung einen echten Boost erfahren zu neuen Sichtweisen und Kontakte inspirieren sowie frische Impulse für die anstehenden Aufgaben liefern. Kreuter betont: „Dabei sollte man aber auch im Hinterkopf behalten, dass diese Modelle nicht für jeden etwas sind. Gerade durch die Pandemiejahre wurde recht deutlich, dass Isolation und alleine zu arbeiten auch negative Effekte haben kann.“ Manch einer komme mit dieser Situation nicht zurecht und sei auch nicht wirklich produktiv. „Der tägliche Austausch mit den Kollegen und Kolleginnen fehlt einfach und lässt sich nur schwer durch Videotelefonie ersetzen.“

Wer sich in der aktuellen Situation als Unternehmen abheben will, der muss neue Wege gehen. Eine Workation anzubieten, ist in jeden Fall ein geschickter Benefit, um motivierte Kräfte auf sich aufmerksam zu machen. Besonders die Generation Z und die nachfolgenden Jahrgänge können sich eine strenge Büropflicht überhaupt nicht vorstellen. „Auch bei unseren Mitarbeitern erfreut sich das Modell großer Beliebtheit, bis zu drei Monate im Jahr können sie in Dubai oder Singapur arbeiten. Vorteilhaft ist es natürlich, wenn das Unternehmen bereits am Urlaubsort Büros und Equipment zur Verfügung stellen kann“, berichtet Kreuter. Kleine oder mittelgroße Arbeitsgruppen eigenen sich hierfür besonders gut. Zusammen ist man tatsächlich weniger allein, die Wege verkürzen sich und die Motivation steigt.

Alleine irgendwo fernab von allem zu arbeiten, macht eher einsam und nicht unbedingt produktiver. Der direkte Austausch bleibt auch bei einer Workation meist unabdingbar für den Arbeitsprozess. Daher erfreuen sich Coworking Spaces großer Beliebtheit. Voraussetzung für solch ein Modell: Der Mut, etwas Neues zu wagen und eine gute Vertrauensbasis zu den Angestellten. „Über kurz oder lang wird kein Unternehmen daran vorbeikommen, bei Benefits out of the box zu denken“, bringt es Kreuter auf den Punkt. Zukünftig brauche es beides: die digitale und die analoge Welt. „Nur mit ‚best of both worlds‘ sieht die schöne neue Arbeitswelt weiterhin rosig aus.“ (Hannah Bädjer)

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