Beruf & Karriere

Jugendliche informieren sich online, eine Webseite für Ausbildungsbetriebe ist daher Pflicht. (Foto: dpa/Dittrich)

07.02.2020

Facebook? Da findet man nur die Eltern der Azubis

Nachwuchskräfte im Öffentlichen Dienst: Wie Ausbildungsbetriebe die passenden Kandidaten finden

Laut des Deutschen Beamtenbunds werden bis 2040 rund 60 Prozent der derzeitigen Angestellten altersbedingt aus dem Öffentlichen Dienst ausscheiden. Der demographische Wandel verschärft den Wettbewerb um passende Bewerber und stellt den Öffentlichen Dienst vor die Herausforderung, sich stärker als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Tobias Heberlein, Geschäftsführer der Ausbildungsbörse Azubiyo, erklärt, wie sich Ausbildungsbetriebe aus dem öffentlichen Sektor den Vorstellungen und Wünschen stellen können, die die junge Generation an das Arbeitsleben hat.

Ein Arbeitgeberimage entwickeln: Ein sicherer Arbeitsplatz – lange das Hauptargument für eine Stelle im Öffentlichen Dienst. Das allein lockt die Schüler nicht mehr. Arbeiten Sie heraus, wofür Sie stehen und für welche Werte Sie eintreten. Daraus können Sie eine eindeutigere Erwartung entwickeln, die Sie an Bewerber haben. Welche Anforderungen stellen Sie an Auszubildende, wofür sollten sich die jungen Leute begeistern? Wenn Sie von Anfang an klar Ihre Erwartungen und Ihr Angebot formulieren, spricht Ihre Ausschreibung mehr passende Kandidaten an.

Wünsche der Generation Z kennen: Natürlich ist das Gehalt für viele ein wichtiger Faktor, sich für einen bestimmten Beruf oder ein Unternehmen zu entscheiden. Aber die Entwicklungsperspektiven und Gestaltungsspielräume sind gleichermaßen ausschlaggebend. Betonen Sie in der Stellenanzeige, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt. Machen Sie transparent, welche Chancen Sie während und nach der Ausbildung bieten – und diese sich im besten Fall auch nach den individuellen Potenzialen richten und nicht nur nach der Anzahl der Dienstjahre.

Darüber hinaus spielen modern ausgestattete Arbeitsplätze und die Vereinbarkeit von Freizeit, Familie und Beruf eine große Rolle, ebenso wie Flexibilität und die Möglichkeit des Homeoffice. Besonders bei flexiblen Arbeitszeitmodellen gibt es im Öffentlichen Dienst sicher noch Luft nach oben, sollten für die junge Zielgruppe aber auf jeden Fall ermöglicht werden.

Wertschätzung zeigen:
Zeigen Sie bereits im Bewerbungsprozess Wertschätzung, indem Sie umgehend auf Bewerbungen antworten und offen auf Fragen eingehen. Aktuelle Azubis können als Ansprechpartner dienen, bei Bewerbungsgesprächen dabei sein und den Bewerbern auf Augenhöhe begegnen. Zusagen sollten zeitnah erfolgen, halten Sie bis zum Ausbildungsstart weiter Kontakt und laden den neuen Kollegen bereits zu Veranstaltungen ein. Während der Ausbildung sind regelmäßiges Feedback und direkte Ansprechpartner wichtig. Die Generation Z schätzt Strukturen, möchte innerhalb dieser aber flexibel und eigenverantwortlich arbeiten. Beziehen Sie die Azubis in die Gestaltung der Ausbildung ein, mit individuellen Lerninhalten je nach Interessen und Stärken.

Passende Kanäle nutzen: Eine aktuelle Onlinepräsenz ist für Ausbildungsbetriebe Pflicht. Jugendliche informieren sich online über Ausbildung und Beruf und starten auf Google ihre Suche nach einem Ausbildungsplatz. Liefern Sie im Internet ausführliche Informationen über sich, Berufsbilder und Stellenangebote.

Und Social Media? In der privaten Wirtschaft ist es bereits verbreitet, sich dort als Arbeitgeber zu positionieren. Die Chance des Imageaufbaus auf diesen Kanälen sollte auch der Öffentliche Dienst nutzen. Während Sie bei Facebook eher die Eltern erreichen, die als beeinflussender Faktor für die Berufswahl nicht zu unterschätzen sind, nutzen die Schüler eher Instagram, Tiktok oder Snapchat. Schauen Sie sich die einzelnen Kanäle an: Welches Format passt zu Ihnen und Ihren Inhalten? Sie müssen nicht überall präsent sein. Wägen Sie vorher ab, welche Erwartungen Sie an Social Media haben und welcher Aufwand und Nutzen dahinterstehen. Die Kanäle sollten regelmäßig bespielt werden und Sie müssen auf Fragen und Nachrichten antworten. Die Plattformen sind eine Möglichkeit, um ein positives Image aufzubauen und in Dialog zu treten. Konkrete Bewerbungen über Social Media sind aber unüblich und die Jugendlichen nutzen dafür lieber E-Mails oder Online-Formulare.

Bewerbung vereinfachen:
Positionieren Sie Ihren Karriere-Bereich und Ansprechpartner gut sichtbar auf der Webseite. Prüfen Sie, ob Sie Ihr Online-Formular für Azubi-Bewerbungen verschlanken können. Angaben, die für höhere Positionen wichtig sind, könnten für angehende Auszubildende unnötig sein oder sogar abschreckend wirken. Verringern Sie die Hürden, Ihnen eine Bewerbung zu senden.
Praktika ermöglichen: Der Praktikant von heute ist womöglich Ihr Mitarbeiter von morgen. Praktika sind meist Bestandteil des schulischen Lehrplans. Im Rahmen von Berufsinformationstagen in Schulen schaffen Sie Aufmerksamkeit bei denjenigen, die Sie als Arbeitgeber bisher vielleicht noch nicht auf dem Schirm hatten. Lassen Sie aktuelle Azubis Einblicke in Ihr Unternehmen geben.

Auf Experten setzen: Arbeiten Sie mit starken Partnern zusammen, zum Beispiel spezialisierten Ausbildungsbörsen. Azubiyo.de gleicht die Stärken und Wünsche von Schülern mit Ihren Stellenprofilen und Anforderungen ab. So erhalten Sie mehr Bewerbungen von passenden Kandidaten. Das nutzen bereits zahlreiche Kommunen. „Azubiyo ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Ausbildungsmarketing geworden“, sagt zum Beispiel Hanna Gut, Abteilung Personal und Ausbildung der Landeshauptstadt Düsseldorf. „Wir generieren nicht nur viele Bewerbungen über das Portal, sondern konnten dieses Jahr auch viele unserer Plätze mit Azubiyo-Bewerbern besetzen.“ (BSZ)

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