Beruf & Karriere

Entspanntes Arbeiten im Homeoffice? Für manche wird die Arbeit zu Hause auch zum Stressfaktor. (Foto: dpa/Armer)

13.03.2020

Klare Absprachen, regelmäßiger Austausch

Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter in Zeiten von Corona ins Homeoffice – was es dabei zu beachten gilt

Viele Arbeitnehmer in Deutschland möchten einer Umfrage zufolge angesichts der Coronavirus-Epidemie lieber im Homeoffice arbeiten. Und tatsächlich kann das Arbeiten im Homeoffice viele Vorteile haben.

„Wenn ich die Möglichkeit habe, Homeoffice zu machen, ist es eine Chance, meine Flexibilität zu erhöhen, meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen leichter nachzukommen und Stress, beispielsweise durch Pendeln, zu reduzieren“, sagt Conny Antoni, Arbeitspsychologe an der Universität Trier.

Für viele Menschen sei die Zeitknappheit ein belastender Faktor. Mit Homeoffice könne Zeit gewonnen werden. Es müsse aber sichergestellt sein, dass im Homeoffice nicht ein neuer Stressor dazu kommt.

Das kann zum Beispiel die ständige Erreichbarkeit sein. Experten wie Ufuk Altun vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaften (Ifaa) empfehlen deshalb, die Regeln des Homeoffice schon im Vorfeld zu kommunizieren und schriftlich festzuhalten. Dazu können etwa feste Erreichbarkeitsfenster zählen. So werde in einigen Betrieben der E-Mail-Server ab 18 Uhr abgeschaltet oder Mails während der Urlaubszeit des Arbeitnehmers nicht weitergeleitet.

Werde das Thema Homeoffice nicht strukturiert angegangen, könne das etwa dazu führen, dass die Beschäftigten sich selbst überschätzen. Und: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit aus den Augen verlieren. „Laut Studien stellen Betriebe, die keine Regelungen und Vereinbarungen getroffen haben, immer wieder fest, dass es nicht zu einer Motivation, sondern eher zu einer Demotivation der Beschäftigten führt“, sagt Altun.

Arbeits- und Erholungszeiten sind teilweise gesetzlich geregelt. Im Unterschied zur sogenannten mobilen Arbeit stellt der Gesetzgeber beim Homeoffice sehr konkrete Anforderungen an die Arbeitszeit, die Arbeitssicherheit und den Datenschutz. So gilt es, vorab die Begrifflichkeiten zu klären, empfiehlt Ufuk Altun. „Reden wir von Homeoffice oder mobiler Arbeit oder von Tele-Arbeit? Wenn das nicht geklärt ist, kann es zu Unklarheiten führen.“

Im Gegensatz zur „mobilen Arbeit“, bei der der Arbeitnehmer selbst entscheidet, wie lange und wo er arbeitet, müssen „auch im Homeoffice Arbeitszeitvorgaben, Ruhepausen und Höchstarbeitszeiten eingehalten werden“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Arbeitnehmer sollten ihren Blick besonders auf das Sozialversicherungsrecht richten, rät Oberthür. „Denn im Homeoffice genießt man nur begrenzt einen Unfallversicherungsschutz. Wenn Sie auf dem Weg zur Toilette die Treppe herunterfielen, wären Sie im Homeoffice nicht versichert“, erklärt die Expertin. „Deswegen finde ich es immer ganz wichtig, dass Arbeitnehmer im Homeoffice eine Unfallversicherung haben.“

Manch einer schätzt die Arbeit ohne Kollegengespräche oder ablenkende Telefonate. Andere leiden unter der sozialen Isolation, die Heimarbeitsplätze mit sich bringen können.

„Wie weit eine soziale Isolation damit verbunden ist, hängt maßgeblich damit zusammen, ob ich ständig im Homeoffice bin oder nur ein oder zwei Mal in der Woche von zu Hause arbeite“, erklärt Antoni. Im Büro finden auch spontan Gespräche statt. „Man tauscht Informationen aus und dabei können auch Ideen entstehen. Diese spontanen Interaktionen sind im Homeoffice deutlich erschwert.“

Und noch etwas könnte sich ändern: die Wahrnehmung der Kollegen. „Wenn man verteilt arbeitet, kann es sein, dass der Beitrag des Einzelnen zum Team weniger sichtbar wird. Das kann die Gefahr beinhalten, dass die Kollegen sich fragen, was macht der denn eigentlich zu Hause“, gibt Antoni zu bedenken. Helfen könnten dabei klare Aufgabenverteilungen und Kollaborationssoftware.

Drei Tipps vom Institut für betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG):

Voraussetzungen schaffen: Wenn man ganz alleine vor sich hinarbeitet, sind klare To-do-Listen und Deadlines besonders wichtig. Damit das Arbeiten daheim klappt, braucht es erst einmal passende digitale Infrastruktur, also Zugriff auf die wichtigsten Dateien, E-Mails oder Tools. Hier sollten sich Arbeitnehmer an den IT-Support ihres Unternehmens wenden – und nicht versuchen, auf eigene Faust Lösungen zusammenzubasteln.

Kontakt halten: Aus den Augen, aus dem Sinn? Damit das nicht passiert, sollten Heimarbeiter von sich aus regelmäßig Kontakt mit den Kollegen halten, gerne auf verschiedenen Wegen – also per Chat und Mail ebenso wie per Telefonanruf oder Sprachnachricht. Faustregel: Lieber einmal mehr als einmal zu wenig kommunizieren. Videokonferenzen sorgen dafür, dass man sich den Kollegen weiter nahe fühlt. Dabei ruhig auch ein paar Minuten Zeit nehmen, um über private Themen zu quatschen.

Grenzen setzen:
Ideal ist im Homeoffice, wenn Arbeit und Privatleben klar, also auch räumlich, getrennt sind. Das hilft dem Kopf, den Job-Modus ein- und nachher wieder abzuschalten. Apropos abschalten: Das sollte man nach Feierabend auch mit Diensthandy oder -laptop tun. Pausenzeiten sollte man festlegen und dann auch einhalten. Und sich regelmäßig bewegen und genug trinken.

Ein Recht auf Homeoffice gibt es für Arbeitnehmer, solange keine konkrete Ansteckungsgefahr im Betrieb oder eine entsprechende Vereinbarung zum Homeoffice besteht, übrigens nicht. (BSZ/dpa)

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