Beruf & Karriere

Arbeitnehmer erhalten laut einer GfK-Studie im Schnitt 600 E-Mails im Monat. (Grafik: dpa)

14.06.2019

Schluss mit Nervensägen

Lästige Anrufe, nervige E-Mails oder störende Kollegen: Sieben Tipps für mehr Konzentration im Job

Das Telefon klingelt, das Postfach läuft über – und dann kommt auch noch der Kollege auf einen Plausch vorbei. Konzentriertes Arbeiten kann man so vergessen. Für manche Aufgaben braucht es aber einfach Ruhe. Was tun? Grundsätzlich gilt: Multitasking, also ständiges Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Aufgaben, ist nicht förderlich für die Konzentration. Und der ständige Blick aufs Smartphone ebenfalls nicht. Was hilft?

Pausen: „Wer nicht erholt ist und eine schlechte Nacht hatte, wird auch einen schlechten Tag haben“, sagt Autor und Berater Jochen Mai. Außerdem sollte man während der Arbeit regelmäßige Pausen einlegen. „Man kann sich ohnehin nur ungefähr 90 Minuten konzentrieren.“ Deshalb lohnt sich nach etwa eineinhalb Stunden eine Unterbrechung, in der man wirklich abschaltet. Das heißt: „Nicht am Smartphone daddeln, sondern aufstehen, irgendwohin spazieren, sich mit Kollegen unterhalten, einen Kaffee holen.“ Nach rund vier Stunden ist dann eine längere Pause fällig, am besten mit frischer Luft und einer Runde um den Block.

Mails: Oft sind die Mails wie ein „ständiges Getröpfel“, sagt Karrierecoach Ute Bölke. Jedes Tröpfchen reißt einen wieder aus der Konzentration heraus. Deshalb schaltet man am besten zunächst Hinweise auf neue Mails aus. Dann sollte man sich Zeitfenster schaffen, in denen man die Post bearbeitet, empfiehlt Bölke. „Ich muss nicht alle Mails sofort beantworten.“ Gleiches gelte für das Lesen, sagt Mai. „Dieses ständige Schielen aufs Postfach – dahinter steckt auch die Angst, was zu verpassen.“
Telefon: Ähnlich wie ständig eingehende Mails kann auch das dauernd bimmelnde Telefon die Konzentration bei der Arbeit stören. „Wer nicht gerade in einer Notdienstzentrale arbeitet, kann vielleicht mal einen Anrufbeantworter laufen lassen“, sagt Bölke. Oder man spricht sich im Team ab und hilft sich gegenseitig, indem man für eine Zeitspanne das Telefon auf die Kollegen umstellt.

Wofür man am meisten Konzentration braucht, das sollte man gleich zu Beginn erledigen. Oder doch lieber zum Schluss?

To-do-Listen: Noch am Freitag oder gleich am Montagmorgen schreibt man am besten die anstehenden Arbeiten auf und ordnet sie nach Priorität. „Was man am liebsten aufschiebt oder wofür man am meisten Konzentration braucht, das sollte man gleich zu Beginn erledigen“, sagt Anette Wahl-Wachendorf, Vizepräsidentin des Verbands der Werks- und Betriebsärzte. Jochen Mai sieht das etwas anders: Das sei eine Frage des Typs. Wer Motivation braucht, um gut arbeiten zu können, sollte besser nicht mit der unliebsamsten Aufgabe starten. Wenn man zum Aufschieben neigt, sei das aber der richtige Weg.

Kollegen: „Natürlich sollte man wertschätzend und freundlich miteinander umgehen“, sagt Wahl-Wachendorf. „Aber immer ein offenes Ohr haben und somit die Arbeit zu jedem Zeitpunkt unterbrechen – das funktioniert nicht.“ Fragen oder Absprachen könne man daher ohne schlechtes Gewissen aufschieben, wenn man mitten in der Arbeit steckt. Wer gerade Konzentration braucht, könne das im Einzelbüro durch eine geschlossene Tür und im Großraum durch Kopfhörer deutlich machen, sagt Mai. Letztere helfen auch gegen störende Kollegengespräche und anderen Lärm. Bölke rät, im Kollegenkreis feste Zeiten für einen Austausch zu vereinbaren. Wichtig sei es, klar zu sagen, wenn es nicht passt. „Das ist besser, als ein Gespräch halbherzig anzugehen.“

Arbeitszeit: Wer die Möglichkeit hat, seine Arbeitszeit etwas freier zu gestalten, sollte das ruhig nutzen, rät Wahl-Wachendorf. Früher zu kommen oder später zu gehen kann eine gute Möglichkeit sein, in Ruhe zu arbeiten. Was einem eher liegt, ist individuell unterschiedlich. Bölke gibt allerdings zu bedenken: Wer sehr früh oder auch sehr spät kommt, hat unter Umständen weniger Kontakt zu Kollegen oder Kunden. „Das Netzwerken kann dann zu kurz kommen.“ Gleiches gilt, wenn man häufig die Mittagspause ausfallen lässt, um weiterzuarbeiten.

Essen und Trinken: Klingt banal, ist aber nicht zu unterschätzen. Man sollte regelmäßig trinken. Das heißt nicht, sich alle 90 Minuten einen Liter Wasser reinzuwürgen. Besser nimmt man alle paar Minuten einen kleinen Schluck. „Wenn man dehydriert, sinkt die Konzentrationsfähigkeit“, sagt Mai. Außerdem sollte man nicht zu fett essen. Das mache nicht nur dick, sondern auch müde. Mit der Konzentration ist es dann vorbei.“ (dpa)

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